Die Elf des Spieltags

Das Krokodil und sein Nilpferd

Bud-Spencer-Fans weinen vor Glück: Hugo Almeida reüssiert als Nachfahre des beliebten Haudraufs. Markus Rosenberg gibt den Terence Hill. Wer sonst noch mitspielen darf, steht in diesem Text, den Ihr unbedingt lesen solltet. Die Elf des SpieltagsArchiv TOR
 
Florian Fromlowitz: Einer der erfolgreichsten 96-Torschützen im Spiel gegen Bochum. Und das als Keeper. Respekt! Was macht Robert Enke nun?
 
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Steve Gohouri: Ein ganz gewitzter Lausbub. Erst grätschte der Ivorer Lucio ab wie der Bauer zwischen Heinbockel und Düdenbüttel sein Feld pflügt, danach zeigte er dem Schiedsrichter, der ihm dafür die Gelbe Karte gab, den Vogel. Nach dem Spiel wollte er sich an nichts erinnern: »Ich? Vogel gezeigt? Nein!«, schüttelte Gohouri den Kopf. Als er dann vom Sportschau-Fieldreporter daran erinnert wurde, dass seit einigen Jahren die Spiele von mehr als einem Camcorder gefilmt werden, brummte Gohouri irgendetwas Verschwörerisches in sein Kinn. Und dann zeigte er an die Wand hinter dem Fieldreporter und schrie: »Gucken Sie mal da hinten.« Und schwupps, war er weg. Später sagte er der »Bild«: »Lucio spielt wie ein Mädchen. Wälzt sich da rum, als hätte er Schmerzen. Dabei habe ich ihn gar nicht berührt. Der hat keine cojones (Eier, Anm.).« Mädchen, Eier? Gut kombiniert, Herr Gohouri.
 
Neven Subotic: Seit Heiko Westermann nicht mehr trifft, ist der Jungspund vom BVB der torgefährlichste Verteidiger der Welt, wenn nicht aller Zeiten. Gegen Frankfurt machte er doppelte so viele Tore wie Florian Fromlowitz. Jogi Löw versuchte bis zuletzt verzweifelt, den gebürtigen Serben für den DFB zu gewinnen. Nix da, sagten die FIFA-Amtsschimmel: In ihren Leitz-Ordnern steht, dass Subotic ein U17-Länderspiel für die USA gemacht hat und zu diesem Zeitpunkt noch kein deutscher Staatsbürger war. So macht Bürokratie nun wirklich überhaupt keinen Spaß.
 
Pierre Womé: »Ey, Pierre«, flüsterte Werder Kapitän seinem einstigen Mannschaftskameraden Pierre Womé zu. »Wenn Du mich schubst, kriegen wir  ’nen Elfer. Versprochen!« Womé ließ sich auf den Deal ein und merkte erst hinterher, dass er so gar nichts davon hatte. 1:0 für Bremen, 0:1 aus Sicht von Womé.
 
Nils Fischer:
Ein Mann wie eine Null. Und das soll ein Kompliment sein! Der Innenverteidiger führte Arminia Bielefeld zu einem torlosen Unentschieden in Stuttgart, einem der größten Erfolge in der Vereinsgeschichte. Den 17. Platz kann den Ost-Westfalen so schnell niemand mehr nehmen.

MITTELFELD
 
Caio: Nachdem Neven Subotic zweimal frei zum Kopfball gekommen war und es zweimal klingelte, war klar: In der Eintracht-Abwehr hatte jemand gehörig gepennt. »Es gab klare Anweisungen und eine klare Einteilung«, sagte Funkel nach dem Spiel. »Da hat jemand nicht aufgepasst.« Der Sportschau-Reporter hakte investigativ nach: »Wer denn? Wer denn?« Doch Funkel wedelte ab: »Ich weiß, wer es war. Das werden wir intern regeln.« Uiuiui – smells like Ärger. Über Frankfurt hängen die Wolken tief, und alle fragen sich nun: Wer ist jener Mister X? Wer hatte geschlafen? Wer muss unter der Woche zum Rapport und darf nächste Woche nicht mitspielen? Fragen, die fast so spannend sind wie die ganze Nacht »Scotland Yard« von Ravensburger zu spielen. Die gesamte Eintracht-Elf befindet sich nach den Worten Funkels in Schockstarre. Nur zwei nicht: Ljubicic und Caio – die kamen erst, als Subotic bereits zweimal getroffen hatte. Obwohl: Hat Caio nicht immer Schuld?
 
Carlos Eduardo: Gestreichelt, gelöffelt, gelupft, geschnibbelt, gezwurbelt, ach! Im Freistoß des Hoffenheimer Edeltechnikers steckte so ziemlich alles, was man mit einem Ball in puncto Erotik machen kann. Ralf Rangnick beschlugen die Brillengläser vor Glück, seinem Kontrahenten Felix Magath hingegen vor Neid. Der war schwerer wieder zu entfernen, vielleicht auch deshalb hieß es am Ende 3:2 für die TSG.

Diego: Die Mutter von Sarah Connor sagte kürzlich einem RTL-Magazin (»Explosiv«, »Exklusiv«, Ex-Irgendwas): »Ich werde zu einem Werder-Spieler, der unserer Familie sehr nahe steht, nichts preisgeben.« Ein Werder-Spieler steht der Familie nahe? Wohnt Diego etwa schon auf der Connor-Villa? Wurde Diego gar adoptiert? Wir wissen es nicht, werden aber drei erfahrene Krisenreporter (Vogelsang, Schatzschneider, Wallraff) nach Bremen schicken, um Einzelheiten zu erfahren. Was wir aus der Ferne sagen können: Toll gespielt, Diego. Dir schauen wir gerne zu! Außer wenn du in Beiträgen mit Milchglasfilter und »Love is in the air«-Untermalung von Phil Collins durch die Kanäle waberst. Dann wird's irgendwie... unangenehm.


STURM
 
Mladen Petric: Ließ gestern Abend beim »N3-Sportclub« alle Kalauer des Moderators über sich ergehen. Zuerst durfte er sich ein herzallerliebstes Homevideo aus dem 8000-Seelen-Dorf Neuenhof anschauen. Dort interviewte der Autor ein paar Jugendliche, die auf einem roten Gummiplatz bolzen, dort, wo auch Petric vor Jahren das Fußballspielen erlernt hatte. Danach der Moderator: »Ich dachte, der Rote Platz sei in Moskau. Jetzt weiß ich, er ist in Neuenhof.« Hahaha. Har. Naja... Es folgten Fragen wie: »Herr Petric, Sie lieben es, in Ihrer Freizeit zu zaubern. Haben Sie nicht mal überlegt, den Auswärtsfluch hinfort zu zaubern?« Undsoweiter. Die lustige N3-Nacht eben. Doch Mladen Petric blieb recht gelassen. Und lächelte unentwegt. Man könnte meinen: Gewinner der Woche. Doch gleichzeitig ist Petric auch Verlierer der Woche: Da schießt er schon mal ein Tor, das zumindest »Tor der Woche« werden könnte, schon kommen zwei, die ähnliches fabrizieren: Jelic, ebenfalls mit einem Fallrückzieher, und Hugo Almeida mit seiner 30-Meter-Peitsche. Ob er das wegzaubern...? Lassen wir das.
 
Grafite: In der letzten Saison blitzte seine Klasse gelegentlich auf. Mitunter erinnerte er aber an einen, an den niemand so richtig gerne erinnert werden wollte: an Adolfo »El Tren« Valencia. Diese Saison macht Grafite es besser, weil: eleganter. Aber, und das macht den Brasilianer grundsympathisch, Grafite ist sich nicht zu Schade auch einfach mal Bälle reinzudreschen, mal mit Knie, Schulter, Brustwarze, Zunge oder wie am Samstag mit der Picke zu versenken. Eine Hommage an all die Pausenhofhelden, an die Martin Krees und Karl Allgöwers der Gegenwart.
 
Hugo Almeida: Was Bud Spencer in der Faust hatte, hat dieser Almeida im Fuß. Wenn er sich jetzt noch einen Super-Vollbart wachsen lässt, kann er mit Markus Rosenberg als Terence Hill »Das Krokodil und sein Nilpferd« nachspielen. Schon Spencer sagte schließlich: »Ich verstehe mich im Grunde genommen nicht als richtiger Schauspieler. Ich bin ein Typ, und den stelle ich dar.«


TRAINER

Peter Neururer: Die letzten zweieinhalb Jahre zählte Peter Neururer die Fliegen an der Wand. Am Samstag dürfte der »arbeitserhoffende« Trainer, der in der Bundesliga jeden Grashalm, jede Eckfahne und jedes Ermüdungsbecken kennt, ganz besonders hibbelig herum getippelt sein. Den edlen Holzfüllfederhalter für die Unterschrift hatte er schon aus der Schreibtischschublade gezogen, den Bart frisch gekämmt. Und die Fans hibbeln mit: Im MSV-Forum gab es heute Mittag bereits 727 Beiträge zu Peter. User »Schoene2001« jubilierte schon letzte Woche im Forum, als ob gerade Mourinho oder Arsène Wenger vor der Vertragsunterschrift stehe: »Das ist der Hammer!!!! Wenn das wirklich mit Neururer klappt!!!« User »DocZebra« nennt Neururer allerdings den »Super-Gau«. Und Neururer selbst? Der analysiert ganz alter-Hase-mäßig: »Der MSV muss wieder auf Kurs kommen, wir müssen bis Weihnachten richtig Gas geben und ordentlich Punkte einfahren. Potenzial ist auf jeden Fall da, die Arbeitsbedingungen sind gut.« Dabei dachte er doch wieder nur: »Wir fahren hin, hau'n die weg und fahren wieder zurück.«