Die Elf des Spieltags (29)

Dong! Won! Ji!

Rafael van der Vaart
Eigentlich sollte hier Heung-Min Son stehen, denn schließlich war es der Koreaner, der dem HSV mit einem Doppelpack den ersehnten Dreier in Mainz bescherte. Wir haben uns aber für Rafael van der Vaart entschieden, für den die letzten Monate nicht ganz so dolle liefen. Der Holländer kam vergangenes Jahr aus England zurück nach Hamburg, seither dümpelt der HSV durchs Mittelfeld der Tabelle, die Mannschaft scheint zerstritten, seine Ehe ging in die Brüche und zu allem Überfluss ist Van der Vaart nun mit der Ex-Frau von Khalid Boulharouz liiert. Wir können nur dunkel mutmaßen, welche Art Ur-Angst es auslöst, die Verflossene eines Mannes zu daten, der gemeinhin »Kannibale« genannt wird und man den Alltag in der steten Furcht bestreiten muss, aus Rache hinterrücks in die Welt der Schmerzen gegrätscht zu werden. Umso bemerkenswerter ist es, wie souverän Van der Vaart den HSV als Kapitän in Mainz zum Sieg führte. In schwierigen Situationen braucht es eben Eier, und die hat Van der Vaart – auf und neben dem Platz. Wir applaudieren und kontrollieren nebenher verängstigt unseren Kleiderschrank, ob nicht vielleicht der »Kannibale« darin sitzt.

Marko Arnautovic
Der goldene »11FREUNDE-Stehgeiger« geht diese Woche an Marko Arnautovic. Werders verhinderter Weltklasse-Spieler trat beim Spiel gegen Fortuna Düsseldorf gegen Ende des Spiels zwei derart lasche Freistöße, dass man als Bremen-Fan versucht war, aus Zorn seinen Schal zu verspeisen. Beide Standards fanden aus aussichtsreicher Position statt, Arnautovic gockelte die Bälle aber lieber aus dem Stand in die Mauer, anstatt etwas sinnvolles damit anzustellen und eventuell noch drei Punkte aus Düsseldorf mitzunehmen. Anschließend winkte der Österreicher ab, schüttelte den Kopf und trabte dem Ball hinterher – ein Move, den wir in der Redaktion wahlweise den »Arroganz-Klassiker«, den »Quaresma« oder seit Samstag auch den »Arnautovic« nennen. Glück für den Österreicher, dass zuvor eine seiner Hereingaben vom Düsseldorfer Latka ins eigene Tor gelenkt wurde, so wurde es zumindest ein Punkt.

Teemu Pukki
Wie nennt man einen Matchwinner, wenn das Spiel keinen Sieger hat? Einen Match- äh, -drawer? Einen Spiel-Unentscheider? Einen Ausgleicher? Wir wissen es nicht. Vielleicht hat Teemu Pukkis wundervolle Muttersprache ein Wort dafür, mit schön vielen doppelten Is und Ks. Töör-Skkoorer zum Beispiel, oder Puunkt-Rettar vielleicht? Schalkes Finne war auf jeden Fall genau das am Samstagabend: Kam rein, machte ein Tor selber und holte noch einen Elfmeter raus, der den Schalkern das Remis rettete. Wuunderbaar.

Dong-Won Ji
Auch hier waren wir uns uneins, ob nicht Stefan Reisinger den Platz in der »Elf des Spieltags« verdient gehabt hätte, denn schließlich hatte der Düsseldorfer das Kunststück fertig gebracht, jeweils kurz nach Anpfiff und Wiederanpfiff zu netzen. Wir entschieden uns dann für Dong-Won Ji, weil der zum einen den Vornamen trägt, den wir unseren Söhnen geben werden (ohne das –Won); und zum anderen, weil sich Ji für seinen Doppelpack besondere Mühe geben und drei Tore schießen musste. Das eigentlich zweite wurde ihm unberechtigterweise aberkannt. Machte aber nichts. Ji nahm alles zusammen, was sein Vorname an Potenz und Entschlossenheit bietet, und hämmerte den Ball in der zweiten Halbzeit zum 2:0 ins lange Eck. Wichtige drei Punkte durch zwei Tore, die sicherlich nicht gefallen wären, da sind wir uns sicher, wenn Ji mit Vornamen anders hieße als Dong!-Won!

Maximilian Arnold
Herzlich Willkommen in der Bundesliga, Maximilian Arnold. Fünf Mal durfte der 18-jährige Mittelfeldspieler des VfL Wolfsburg bereits in der Liga ran, nun machte er sein erstes Tor. Und wie: Arnold legte sich eine verunglückte und eigentlich zu harte Hereingabe von Ricardo Rodriguez bei der Annahme hoch und drosch den Ball ins lange Eck – alles in einer fließenden Bewegung, die so schön war, dass es dafür auf der PlayStation sicherlich eine eigene Tastenkombination gibt. Unbezahlbar war auch sein fassungsloser Blick danach. Hier hatte sich ein junger Kicker gerade selber mit seinen Fähigkeiten überrascht. Wir wünschten, dass würde uns auch mal passieren. Also im positiven Sinne.