Die Elf des Spieltags

Rache ist Blutwurst

Menno, das war fiese: Erst verzeiht Olic seinem Peiniger Wiese, dann drischt er ihm ein Traumtor rein. Das hätte Kuranyi niemals getan. Dafür erhält er von uns die Friedenstaube in Blech – und steht in der Elf des Spieltags! Die Elf des Spieltagsimago images
Tor

Tim Wiese

Das war gemein: Erst verzieh ihm Olic den Kung-Fu-Tritt, der ihm beim letzten Aufeinandertreffen versehentlich rausgerutscht war, doch dann rächte sich der HSV-Stürmer doch noch mit diesem fiesen Traumtor. Wem kann Wiese jetzt noch vertrauen?


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Abwehr

Demba Ba

Es stand schon 0:2, Kölns Petit war superwütend und hämmerte einen Freistoß mit aller Kraft aufs Hoffenheimer Tor. Leider klappte was bei der Übertragung nicht, heraus kam ein Schüsschen von 1,5 km/h. Ba sah den Ball vorbei schweben, verspürte Lust auf einen Lupfer, ließ den Fuß herausschnellen und erzielte so das schönste Tor des Tages. Wir sehen: Selbst eine Ein-Mann-Mauer zerbirst bei der TSG vor Kreativität.

Kevin McKenna

»Wenn ich du wäre, wäre ich lieber ich«, soll Empathie-Experte Ansgar Brinkmann mal zu seinem Gegenspieler gesagt haben. Auch im Spiel Köln gegen Hoffenheim ereigneten sich denkwürdige Szenen an der Grenze zwische »Du« und »Ich«: 52 Minuten lang war dem Kölner Verteidiger McKenna von den Hoffenheimer Leichtfüßen vor Augen geführt worden, was er alles nicht kann. Doch dann zeigte er Salihovic, was man nach einer Fluggrätsche an der Seitenlinie nicht mehr kann: Nämlich sofort und ohne weiteres wieder aufstehen. Damit war der Erfahrungsaustausch abgeschlossen – Rot für den Grobian.

Arne Friedrich
Man muss nur lange genug seinen Stiefel spielen, dann wird man irgendwann von ganz allein »ein ganz Großer«. Das bewiesen Dieter Eilts, Carsten Ramelow, Jiri Nemec – und nun auch Arne Friedrich. Noch vor einiger Zeit wurde er der Blässe bezichtigt, nun gilt sein unauffälliges Spiel als Weltklasse-Understatement. Juventus Turin soll angeklopft haben, Hertha will ihn halten. Zu Recht: Wenn er weiter so spielt – und das wird er tun –, ist er in einem Jahr der neue »Kaiser«.

Kevin Kuranyi
Eines Tages wird Kevin Kuranyi herausgefunden haben, wo das Tor steht. Ob wir es noch erleben werden? Eventuell. Nicht. Erfreuen wir uns also an dem neuen alten Kuranyi, der in bester Guido-Buchwald-Präzision gefährliche Flanken entschärft und ins Toraus manövriert. »Gut geklärt«, klopfen ihm die gegnerischen Torhüter schon auf die Schultern. Während seine Mannschaftskollegen es aufmunternd mit Otto Rehhagel halten: »Wenn du das Tor getroffen hättest, wäre der Ball drin gewesen, aber du hast vorbei geschossen.«

Mittelfeld

Ivica Olic

Was »Rache ist Blutwurst« auf Kroatisch heißt, kann niemand ernsthaft wissen wollen. Nachdem Olic seinem Peiniger Wiese das schönste Tor des Spieltags in die Maschen drosch, wissen wir immerhin, wie es aussieht: ziemlich geil.

Antonio da Silva

David Lynch-artige Scheren im Nachbericht zu Karlsruhe gegen Borussia Dortmund: Antonio da Silva, jener ex-quirlige Brasilianer, wird in der 81. Minute ausgewechselt, und der eifrige Kommentator informiert: »Da Silva hat es nicht leicht beim KSC, er wird ausgepfiffen und als Sündenbock ausgemacht.« Die Kamera fährt über den Fanblock. Die Zuschauer klatschen. Treibt Antonio da Silva ein ausgeklügeltes Verwirrspiel? Wir sagen: Genial.
 
Kirch, Kauf, Marx
Diese drei Bielefelder wissen: Sie werden niemals eine bessere Note vom »kicker« bekommen als eine 3. Doch für das Prädikat »befriedigend« tun sie alles. Gegen Leverkusen zerstörten sie systematisch jegliche Offensivbemühung, nervten, klebten. Durchschnittsnote 3 für das Mittelfeldgespann– mit Sternchen!


Sturm

Vedad Ibisevic

Den Bosnier in die Elf des Spieltags zu berufen ist ungefähr so exklusiv wie ein Konzert der Kelly Familiy in einer Einkaufspassage in der Kölner Innenstadt anno 1988. Heute aber muss er hier rein, denn das hier, Freunde der Sonne, ist historisch (würde jedenfalls Stefan Effenberg sagen und Guido Knoop behaupten): Ibisevic hat seit Samstag genauso so viele Tore wie Energie Cottbus erzielt. Doch nicht nur das: Seit Samstag ist Ibisevic der Miroslav Klose mal 3,2 oder der Boubacar Sanogo mal 16. Und auch der Gomez plus Podolski plus Diego.
 
Mohamed Zidan
Es war in den letzten Wochen wie so häufig bei dem kleinen Ägypter: »Vom Willen her hat er schon gewollt.« (Ede Geyer). Es folgten mäßige Spiele mit mäßigen Dribblings, mäßigen Pässen, doch dann, am Freitagabend, nachdem ihm jemand die Helmut Schultesche Losung gesteckt hatte (»Ball rund muss in Tor eckig!«), dieses übermäßig gewollte Tor.
 
Artur Wichniarek
Eine leichte Unregelmäßigkeit in der Landschaft heißt in Bielefeld »Alm«. Dass könnte nahe legen, dass auch der Titel »König« in Ostwestfalen allzu leichtfertig vergeben wird. Dass dem nicht so ist, beweist Wichniarek, der jetzt schon neun der 14 Arminia-Tore geschossen hat. Wie heißt es schließlich so schön: Unter den Blinden ist der Einäugige... Aber lassen wir das.


Trainer

Armin Veh

Die Überschrift zur Entlassung des einstigen Meistertrainers haben wir schon: »Veh-gefeuer(t)«. Doch der Artikel bereitet uns noch Kopfschmerzen. Oder kommt das vielleicht von der Überschrift? Aua.