Die Elf des Spieltags

Gedenke, dass du sterblich bist!

Möglicherweise verliert Ottmar Hitzfeld nie wieder. Da kann selbst ein Naturwissenschaftler wie er schon mal die Bodenhaftung verlieren. Wir holen ihn zurück in die Welt der Sterblichen – als Coach unserer illustren Elf des Spieltags. Die Elf des SpieltagsImago Tor

Tim Sebastian: Nachdem Rostocks etatmäßiger Keeper Stefan Wächter sich das Knie verdreht hatte und vom Feld humpeln musste, streifte sich der Verteidiger die Handschuhe über. Schon sollen ihm Angebote aus England vorliegen, Fabio Capello will sich für eine Einbürgerung stark machen. Zu recht: Besser als Paul Robinson ist Sebastian allemal!

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Abwehr

Naldo: »Der Mann hat sooo einen Strahl«, rief uns »Premiere«-Mann Matthias Stach von der Partie Karlsruhe gegen Werder zu. Dabei wollte niemand wissen, was in den sanitären Einrichtungen des Wildparkstadions vor sich geht. Vielleicht lag es an dieser Indiskretion, dass der Bremer Innenverteidiger so zerstreut wirkte.

Maik Franz: Der Karlsruher Manndecker und sein Widerpart Diego erinnerten in ihren etlichen Zweikämpfen an das Pop-Duo »Modern Talking« auf dem Zenit seines Könnens. Wer ganz genau hinhörte, vernahm in den Sekunden vor der Grätsche ein liebliches »Cherry Cherry Lady«.

Mario Eggimann: Der KSC-Abwehrchef spielt gern Volleyball. Dass er diese Leidenschaft mit Schiri Marc Seemann teilt, war sein Glück. Nur deshalb blieb sein technisch perfektes Baggern im eigenen Strafraum ohne Folgen. An dem Gerücht, dass er dort demnächst ein Netz aufspannen will, ist aber wohl nichts dran.

Markus Bollmann: Einwechselspieler müssen oft erst ihre Schwellenangst überwinden. So auch »Toni« Sailer, einst Stürmer der Stuttgarter Kickers. Als Wolfgang Wolf ihn aufs Spielfeld schicken wollte, erkundigte er sich vorsichtshalber: »Ganz rein?« Markus Bollmann war ungleich entschlossener: Der Bielefelder Abwehrschrank kam, sah und traf. »Toni« Sailer wird gestaunt haben.


Mittelfeld

Diego: Der Bremer Spielmacher liegt so erschreckend oft am Boden, dass die Vereinsärzte eigentlich alle zehn Meter ein Basislager errichten könnten. Die Zelte würden vielleicht den Spielablauf ein bisschen stören, aber was tut man nicht alles für die Gesundheit!

Timo Rost: Wo andere sich »Palmolive« in die Wanne kippen, badet der Cottbusser Kapitän in Adrenalin. Nicht so gut für die Haut, aber gut gegen den Abstieg. Bitte baden Sie weiter!

Albert Streit: Traumvorlage zum 1:0 für Schalke. Hat im Fußgelenk mindestens soviel Gefühl wie sein Friseur in der Schneidehand. Albert, du hast die Flanke schön!


Sturm

Paolo Guerrero: Wir kennen die »hängende Spitze« und die »Doppelspitze«. Neu ist die »stumpfe Spitze«, eine Rolle, die der HSV-Angreifer in Vollendung spielt. Auch seine sechs Saisontreffer können diese Leistung nicht schmälern.

Kevin Kuranyi: Interimstrainer Youri Mulder gab dem kriselnden Stürmer den entscheidenden Tipp: »Mach es nicht so wie ich damals!« Seitdem trifft er wie am Fließband. So einfach kann Fußball sein.

Boubacar Sanogo: Konnte es nach Diegos Tor nicht lassen, durch dessen Schopf zu wuscheln. »Meeeensch, hast du schöne Haare«, schien er ihm zu zu flüstern. Toll, dass im rauen Bundesligaalltag noch Zeit für Komplimente bleibt.


Bank

Franck Ribéry: Lud sich in seinen 57 Minuten auf der Bank auf wie ein ferngesteuertes Auto. Dann gab der Bayern-Raser Stoff und walzte über die Stuttgarter Abwehr hinweg. Deren Hoffnung auf einen Auswärtspunkt verstarb noch an der Unfallstelle.

Amir Shapourzadeh: Als der Cottbusser Stadionsprecher die Auswechslung des Rostockers durchsagen musste, zerrte er sich das Rachenzäpfchen. Ob das die Berufsgenossenschaft übernimmt?


Suspendiert

Igor Mitreski: Durch seinen Platzverweis machte der Cottbusser die Aufholjagd seiner Kumpels erst möglich. Dass Coach Bojan Prasnikar zukünftig von Anfang an mit nur zehn Mann spielen lassen will, ist aber wohl nur eine fixe Idee, die sich die Lausitzer Kiebitze zu zwitschern.


Trainer

Ottmar Hitzfeld: Wird sein nächstes Spiel erst wieder als Schweizer Nationaltrainer verlieren. Vielleicht am 1. April 2009 zu Hause gegen Moldawien? So oder so: Memento mori, Herr Hitzfeld.


Schiedsrichter

Marc Seemann: Übersah die spektakuläre Bagger-Aktion des weltberühmten Karlsruher Volleyballers Mario Eggimann. Der höfliche Hinweis der Bremer, dass man gerade dabei sei, eine andere Disziplin auszuüben, perlte an ihm ab. Sport ist Sport bzw. Mord.


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