Die dubiose Welttorhüter-Wahl

Dubiose Entscheidungen, die Medien springen trotzdem drauf an

Die Statistiken des Unternehmens seien zwar relativ korrekt. Weil Pöge Lennartz Antrag, bei der IFFHS Mitglied zu werden, vor einigen Jahren ablehnte, vermutet der Kölner Sporthistoriker, dass die IFFHS eine One-Man-Show sein könnte: »Wahrscheinlich gibt es nur Pöge.«

Alle drucken die Ranglisten ab

Sollte die Arbeit von »Don Alfredos« Firma tatsächlich darin bestehen, dass ein älterer Herr (sein genaues Alter hält Pöge geheim) in Heimarbeit ellenlange Statistiken aufstellt, ist die mediale Präsenz spektakulär. Seit Jahren nämlich drucken nahezu alle deutschen Zeitungen Pöges Ranglisten bedenkenlos ab, von der »Süddeutschen Zeitung« bis hin zur »Frankfurter Allgemeinen«. Auch die ZDF-Redaktion des »Aktuellen Sportstudios«, das Pöge im März 2006 ein Forum gab, als er dort José Mourinho, Petr Cech und Markus Merk ehren durfte, hat laut Redaktionschef Thomas Fuhrmann »nicht groß recherchiert«, wie die Ergebnisse der IFFHS-Ranglisten zustande kommen. Jede Sportsendung nehme Stars wie Mourinho und Cech »mit Kusshand«.

Nur wenige fachkundige Redakteure wie Matti Lieske (früher »taz«, heute »Berliner Zeitung«) weisen darauf hin, dass die »hochtrabend klingenden Titel«, die Pöge sich ausgedacht hat und in Ehrungen vollzieht, mitnichten offizielle seien, sondern aller Voraussicht nach »in stiller Selbstanmaßung« vergeben würden.

»Wir haben das immer als dubios eingestuft«, sagt die dpa

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) hat vor Jahren entschieden, die Listen aus dem Hause Pöge nicht über ihren Nachrichtenticker laufen zu lassen. »Wir haben das immer als dubios eingestuft«, sagt der ehemalige dpa-Fußballchef Oliver Hartmann (heute »Kicker«). Ein anderer dpa-Kollege erinnert sich noch mit Grausen an die von Pöge organisierte »World Football Gala« in Rotenburg/Fulda, als »Don Alfredo« in einer langatmigen Show die Weltfußballer des 20. Jahrhunderts kürte.

Den Präsidenten der IFFHS ficht all die Kritik nicht an. Er sagt: »Wir haben beschlossen, unseren Stil weiter zu pflegen.« Die IFFHS werde auch weiterhin »stur chronologisch« vorgehen bei der Aufarbeitung der Fußballgeschichte.

Die nächste Etappe ist bald bewältigt: »Wir werden demnächst mit dem 19. Jahrhundert fertig.« Bis dahin muss noch ordentlich geschuftet werden – im Reihenhaus in Bonn-Hardtberg.