Die drei Fehler im BVB-Spiel

Die große Lücke im Zentrum

Das große Dilemma des BVB im Herbst 2014 wurde am Sonntagnachmittag dann für Jedermann sichtbar: Momentan fehlen Klopps Elf schlicht spielerische Mittel, um eigene Chancen zu kreieren. Der Spielaufbau der Innenverteidiger beschränkte sich zumeist darauf, den Ball auf die Außenbahnen zu spielen, doch dort waren Kevin Großkreutz und Henryk Mkhitaryan nahezu isoliert. Nur selten boten sich ihre Mitspieler im Zentrum an oder halfen gar auf den Flügeln, um Überzahlsituationen herzustellen.

Die Doppelsechs aus Sven Bender und Sebastian Kehl trug kaum dazu bei, diese elementaren Probleme zu beheben. Beide Spieler stehen im BVB-Spiel vor allem für defensive Stabilität und für eine gelungene Attacke auf zweite Bälle, ihr Esprit in der Offensive tendiert jedoch gegen Null. Seit dem Abgang von Robert Lewandowski zum FC Bayern München fehlt dem BVB zudem die Option, den Ball einfach in die Spitze zu spielen, um in der Folge kollektiv nachzurücken. Der Pole kann selbst die abwegigsten Zuspiele unter Kontrolle bringen, der pfeilschnelle Pierre-Emerick Aubameyang braucht eher Bälle hinter die Abwehr, die aber gegen Frankfurt durch den Mangel an Spielkontrolle im Mittelfeld nicht gut vorbereitet waren und zumeist durch ein hessisches Defensivbein blockiert wurden, bevor Gefahr überhaupt entstehen konnte.

Erst Hoffnung, dann Entsetzen

Nach der Pause funktionierte das Aufbauspiel der Dortmunder plötzlich besser. Der eingewechselte Adrian Ramos zeigte etwas mehr Präsenz im Sturmzentrum, während Aubameyang über links besser seine Schnelligkeit einbringen konnte. Vor allem über das offensive Dreieck Kagawa-Aubameyang-Ramos erarbeitete sich der BVB in den zweiten 45 Minuten deutlich mehr Chancen.

Und just als Klopp kurz vor Schluss mit Ilkay Gündogan und Milos Jojic das spielerische Element in der Offensive weiter stärken wollte, machte der BVB seine positiven Ansätze einmal mehr selbst zunichte. Eine Slapstick-Einlage von Ginter und Roman Weidenfeller lud Eintracht-Stürmer Haris Seferovic ein, um das entscheidende 2:0 zu markieren (78.).

Exemplarisch für BVB-Saison

Das Spiel gegen Frankfurt zeigte so exemplarisch die drei größten Probleme der Dortmunder, die ihnen im Abstiegskampf zum Verhängnis werden könnten: Defensiv überzeugt der BVB zwar nach wie vor mit einem guten Pressing, jedoch führt die Mannschaft diese guten Ansätze durch grobe Schnitzer regelmäßig selbst ad absurdum. Laut den Daten von Whoscored.com resultierten acht der 21 Dortmunder Bundesliga-Gegentore in dieser Saison aus vermeidbaren Abwehrpannen. Erschwerend hinzu kommt, dass es die gesamte Mannschaft derzeit nicht schafft, eigene Fehler schnell aus den Köpfen zu bekommen, sondern sich sichtbar davon beeindrucken lässt.

Offensiv hingegen erarbeitet sich der BVB zwar Chancen, bekommt aber keine Konstanz in den eigenen Spielaufbau. Klopps Elf fehlt einerseits die Eingespieltheit vergangener Jahre, zudem wiegt das Fehlen des Offensivankers Lewandowski deutlich schwerer, als es sich die meisten im Umfeld des BVB offenbar vorstellen wollten. Klopp hat es bisher nicht geschafft, den Abgang des Polen mit einer angepassten Spielidee aufzufangen. Vielmehr fühlt sich so an, als befände sich der BVB derzeit erst in einer Phase der Neuentwicklung. Dass dies mitten in der Saison geschieht, sollte BVB-Fans durchaus beunruhigen.

All das führt zu Problem Nummer drei: Der BVB kann seine Klasse nie konstant über 90 Minuten auf das Feld bringen. Mal zeigen sie eine schwache erste Halbzeit wie gegen Arsenal und Frankfurt, mal brechen sie nach der Pause ein wie gegen Paderborn oder die Bayern. Das reicht nicht gegen Gegner, die gegen den nominellen Topklub aus Dortmund in dieser Saison 90 Minuten lang alles geben. So holt den BVB nun das ein, was er sich in den letzten Jahren mit begeisterndem Fußball aufgebaut hat.

Übrigens, 1985/86 konnte der BVB den Abstieg gerade noch vermeiden – durch einen Sieg über Fortuna Köln in der Relegation.

Bleibt zu hoffen, dass Klopps Elf seinen Fans ein solches Herzschlagfinale in dieser Saison ersparen kann.