Die Dienstagskolumne: Franz Kafka und Hope Solo

»Vielleicht hört der Fußball jetzt überhaupt auf«

Franz Kafka war Fan von Hakoah Wien. Doch er nahm an, dass der Fußball »aufhöre«. Verwunderlich, findet unser Kolumnist Frank Baade. Außerdem heute: Die nackte Hope Solo und Dinge, die man unbedingt benötigt. Wie zum Beispiel einen PKW-Aufzug. Die Dienstagskolumne: Franz Kafka und Hope Soloimago images

Die 11FREUNDE-Dienstagskolumne: Jede Woche machen sich  Lucas Vogelsang, Titus Chalk und Frank Baade im Wechsel Gedanken über den Fußball, die Bundesliga und was sonst noch so passiert. Wenn unser heutiger Kolumnist Frank Baade nicht gerade für uns drei Kleinode zusammenstellt, schreibt er auf seiner Webseite über den Fußballgott und dessen irrationales Wirken in den Bundesligen und den großen Turnieren dieser Fußballwelt.


1.
Aus den Briefen an Ottla und die Familie

»… vielleicht hört der Fußball jetzt überhaupt auf.«

Franz Kafka am 3. Oktober 1923.

(Eigentlich sollte man an dieser Stelle auch noch eine Einordnung von Franz Kafkas Äußerung über den Fußball vornehmen, wir sind hier – in diesem Fall – schließlich nicht im Bereich der banalen Bonmots, welche es einfach nur zu protokollieren gilt. Im verlinkten Dokument ist im selben Satz von einem Professor Vogel die Rede, der »wieder« »gegen« den Fußball schreibe. War die Sentenz Kafkas eine Befürchtung, eine Hoffnung, ein Wunsch – es klingt doch stark nach Ersterem, aber da die Entdeckung, dass Kafka sich überhaupt über den Fußball geäußert hat, an dieser Stelle noch so jung ist, liegen erstmal keine weiteren Erkenntnisse bereit. Außer jener, dass er sich mit seiner Vermutung respektive Befürchtung geirrt hat, offensichtlich. Wobei zu hoffen steht, dass die geschätzten Leser bei der Aufklärung helfen können oder mindestens wollen.)

[ad]

2.
Liften lassen


Zu einer bestimmten Zeit meines Lebens legte ich eine bestimmte Strecke meines Lebens immer mit einem bestimmten Bus zurück. Dieser fuhr jedes Mal an einem bestimmten Autohaus vorbei, und weil sich direkt gegenüber dieses Autohauses eine Haltestelle befand, an der viele Menschen ein- und ausstiegen, hielt er immer eine gewisse Weile gegenüber der länglichen Glasfassade des Autohauses, die sich zwischen einige höhere Wohnhäuser quetschen musste.

Kein gewöhnliches Autohaus, sondern eines, welches auch noch einen 1. Stock besitzt, der trotz seiner erhöhten Lage allein aus Präsentationsfläche bestand, wo sich Karosse an Karosse reihte. Nun war das Autohaus aber ziemlich schmal beziehungsweise vom Bus aus gesehen wenig tief.


Was mir bei all den Fahrten mit jenem Bus geradezu Pein bereitete, war, dass ich keine Antwort auf die Frage wusste, wie die Autos in den 1. Stock gelangten, wenn nirgendwo eine Auffahrt möglich war.

Früher verdienten Profifußballer so wenig Geld, dass es ihnen als Zugewinn an Lebensqualität verkauft werden konnte, wenn sie die Vereinsgaststätte übernehmen durften. Eine Kneipe, in der man tagein tagaus mit Besoffenen hadern muss, nach dem Bratöl aus der Küche stinkt und die Marge schon vor den modernen Knebelverträgen der Braureien ziemlich gering war, wirkte wie ein Aufstieg. So gering war das Einkommen dieser Spieler. Weshalb man sich auch keine Gedanken machen musste, was sie mit all dem Geld machen, das sie mit Fußballspielen verdienen, weil es ein solches Geld nicht gab. Jedenfalls keines, das über den üblichen Lebensstandard eines Kleinbürgers hinausging.

Heute verdienen Profifußballer (nicht alle, nein) so viel Geld, dass bei geschicktem Verhalten die berufliche Karriere nach dem Ende des Kickens gerne als »Privatier« fortgesetzt werden darf, wobei da immer noch große Möglichkeiten bestehen, wie man im Luxus lebt, ohne alles zu verprassen. Nicht jeder schafft es, das viele Geld auch loszuwerden. Es müssen schon exklusive Hobbies und Investitionen her, damit das Geld endlich wieder in den natürlichen Ökokreislauf einsickern kann. Wofür also gibt der moderne Profifußballer sein Geld aus?

Die Antwort auf beide hier aufgeworfenen Fragen ist simpel und lautet:

PKW-Aufzug.

Seite 2: Hope Solo nackt und eine Lesung >>



3.
Hope Solo nackt

Ihr wisst, was Ihr damit anrichtet, wenn Ihr auf den folgenden Link klickt? Und Rasenwässern! Ihr zerstört das idealisierte Bild, das man sich davon gemacht hat, wie Hope Solo wohl nackt aussieht.

Und ich als jemand, der schon desidealisiert worden ist, weil ich zufällig bei ESPN (hier sogar mit Video) vorbeisurfte, wo Hope Solo nackt (und nackt beim Rasenwässern!) gezeigt wird, kann sagen, dass es ganz anders ist, als man dachte. Und Rasenwässern! Und zwar nicht positiv anders. Und Rasenwässern! Und dass am Oberkörper heraustretende Muskeln meinen Geschmack in Bezug auf Frauenkörper nicht unbedingt treffen. Und Rasenwässern!

Zumal insbesondere Fußballer und -innen ohnehin nicht nackt posieren sollten, denn beim Fußball soll derjenige gewinnen, der am klügsten dribbeln und passen kann — und nicht der mit den dicksten Muskeln. Und Rasenwässern! Es gab mal eine deutsche X-Promifrau, die im Interview auf die Frage, ob sie Fußballer toll fände, antwortete: Nein, denn die hätten zu dicke Oberschenkel. Und Rasenwässern! Also bitte, auf eigene Verantwortung. Hope Solo nackt. Und beim Rasenwässern!


Und sonst so?
Trainer Baade liest am 27. Oktober 2011 in Duisburg.




Trainer Baades neues Lese-Programm »Drama Queens in kurzen Hosen« ist rund, damit seine Texte die Richtung ändern können. So wie der Fußball, auf dem Platz und abseits davon, immer wieder mal neue Wendungen nimmt.

Mit dem Blick für die kleinen Widersprüche und die großen, echten Emotionen der Spieler und der Fans betrachtet er den Sport, von dem noch jeder glaubt, ihn erklären zu können. Doch kaum jemandem gelingt dies so gewitzt und kurzweilig wie Trainer Baade. Findet auch das Fachmagazin 11FREUNDE, das sein Blog jüngst zum »Besten Fanmedium« in Deutschland kürte und auch die FAS, die nicht zufällig von ihm »viel über Fußball gelernt« hat.

Zwei Halbzeiten lang Geschichten über die großen und kleinen Dramen des Fußballs, immer gewürzt durch den scharfen Blick und die ebenso spitze Feder von Trainer Baade.