Die DFB-Elf in der Einzelkritik

Kick it like Mesut

Manuel Neuer hat ein Problem, Niklas Süle einen guten Ausblick und die deutsche Elf einen, der an einen erinnert, der fehlt. Die Einzelkritik der deutschen Elf nach dem Spiel gegen Russland.

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Manuel Neuer

Hatte in der ersten Halbzeit ungefähr so viel zu tun und nachhaltig Eindruck gemacht wie TV-»Experte« Jens Lehmann. Und machte dabei die bessere Figur. Immerhin. Kurz vor Ende der Partie mit einer »Manuel-Neuer-Gedächtnis«-Aktion, als er aus dem Tor eilte, um einen Ball abzufangen. Die Szene endete als halber Bauchklatscher und mit einem Torschuss der Russen. Wenn der neue Manuel Neuer der alte Manuel Neuer ist, hat der alte Manuel Neuer ein Problem.

Niklas Süle

Gab den Abwehrchef in der Dreierkette. Fun Fact: Rein von der Statur her könnte er die Dreierkette auch ganz allein geben. Spielte das, was er ist, wie ein Mensch gewordener Kühlschrank. Zudem mit der Rundumsicht eines Leuchtturms ausgestattet. Offenbar hat die DFB-Elf einen neuen Abwehr-Chef. Einen ziemlich guten.

Antonio Rüdiger

Spielte gleich zu Beginn einen schrecklichen Fehlpass mit links. Sah dabei aus wie einer dieser Supersportler, die einmal im Jahr beim Benefiz-Kick auf Fußballer machen. Irrer Körper, aber Bewegungsabläufe wie beim Zwangs-Schröpfen. Verschätzte sich bei der einzigen russischen Chance in der 18. Minute und stand auch bei einer Großchance in der zweiten Halbzeit weiter weg vom Gegenspieler als ein Ehepaar beim Scheidungstermin. Die gute Nachricht: Man weiß, dass er es viel, viel besser kann. Nur eben nicht an einem kühlen Abend in Leipzig. Verständlich.

Matthias Ginter

Sagte unlängst in einem Interview, dass er früher einen guten Sechser abgegeben hätte. Was unbedingt stimmt, schließlich war Ginter auch gegen Russland so unauffällig, dass er schon wieder gut war.


Thilo Kehrer

Spielte den wunderschönen Steilpass auf Gnabry vor dem 1:0 und auch sonst mit der Leichtigkeit eines Weltmannes. Einer der Gewinner dieser Partie.

Jonas Hector
Mit einem seiner Jonas-Hector-Spiele. Oder anders ausgedrückt: Siehe Ginter.

Joshua Kimmich

Machte es sich auf der Sechs bequem. Im Spiel unscheinbar. Tat das Nötige und das fehlerfrei. Wurde allerdings, wie die gesamte deutsche Elf, nicht wirklich gefordert. Dennoch: Von der Aura her ein ziemlich cheffiger Auftritt des sonst immer so brav daherkommenden Kimmich. Da hat jemand Bock auf Verantwortung und Gefallen an der Last auf seinen Schultern.