Die DFB-Elf in der Einzelkritik

Alles Müller

Jogis Jungs spazieren durch die erste Etappe der WM-Quali. Wer die Richtung vorgab und wer noch etwas Nachhilfe in Sachen »Mission Titelverteidigung« braucht, weiß die Einzelkritik.

Imago

Die Defensive

Manuel Neuer
Ist vermutlich allein deshalb Kapitän, um wenigstens vor dem Spiel etwas zu tun zu bekommen: Bei der Platzwahl. Ansonsten mit einem typischen Neuer-Ausflug in der 38. Minute, um den Ball vor dem Seitenaus zu bewahren. Aber was tut man nicht alles, wenn einem langweilig wird?!

Joshua Kimmich
Ob man nun will oder nicht: Man muss den Bayern doch dankbar sein. Was wohl ohne Philipp Lahm wird, fragte man sich. Und was machen die Bayern? Klonen ihren »Fipsi« einfach. Und so spielte Kimmich (fast) ohne Fehler. Gab zudem eine schöne Flanke auf Müller in der 32. Minute und prügelte den Ball humorlos zum 2:0 in die Maschen. Mithin ein Tor, ziemlich genau wie jenes, welches Philipp Lahm gegen Werder Bremen, das Norwegen der Bundesliga, fabrizierte. Oder um es mit dem bayrischen Duden zu sagen: Unheimlich, das.

Mats Hummels 
Spielte schon in der dritten Minute einen Außenristpass. Nur um kurz darauf einen furchtbaren Stockfehler gegen Norwegens Joshua King zu produzieren. Im weiteren Spielverlauf defensiv so gefordert wie ein Ritter in voller Rüstung, attackiert von einer Horde Wattestäbchen. 

Benedikt Höwedes 
Wurde von den Norwegern im Spielaufbau als Schwachpunkt ausgemacht und kaum angegriffen. Defensiv als laufendes Testimonial für die Staubsauger-Industrie unterwegs. Und kurz vor Schluss dann vor lauter Langeweile sogar als Mittelstürmer unterwegs. Nehmt das, ihr gemeinen Norwegen.

Jonas Hector 
Ließ sich in der 18. Minute von Veton Berisha abkochen, stand danach so verschlossen hinten drin, wie eines dieser unendlich dämlichen Liebesschlösser auf der Hohenzollernbrücke. Die Beziehung Hector-Nationalmannschaft wird vielleicht nie sexy, dafür aber langwierig. Offensiv so prickelnd wie ein Alt-Bier im Kölner Karneval.

Toni Kroos 
Bemühte sich abermals, aus dem Spiel ein Bewerbungsvideo für das Leben nach der Karriere zu machen: Als Metronom. Oder Uhrmacher. Einzig der finale Gong blieb diesmal aus. Agierte wenig auffällig und stellte ungewöhnlich viele Fehlpässe in den Abend. Aber ein guter Kroos springt eben nur so hoch, wie er muss.

Sami Khedira
Spielte mit der Gelassenheit eines  Eisverkäufers am Strand von Rimini. Er ist nicht der Schnellste, aber immer da, wo was los ist. Schlug die Präzisionsflanke zum 3:0 und flanierte ansonsten mondän durch den Abend. Ungefähr so: