Die deutsche Elf gegen Nordirland in der Einzelkritik

Wagner Festspiele

Jawoll Freunde, Schland ist dabei. Dank eines Sieges gegen Nordirland und dank eines Mannes wie Sandro Wagner, der jetzt natürlich auch mit nach Russland fliegen will. Bekommt dagegen wie immer kein WM-Ticket: die Einzelkritik.

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Marc-André ter Stegen
Langsam gewöhnt man sich daran, dass im deutschen Tor ein Mann steht, der nicht nach jedem Gegentor so tut, als sei der Ball nie im Tor gelandet. Was auch daran liegt, dass ter Stegen kaum Gegentore bekommt. Was auch daran liegt, dass ter Stegen sich nichts zu Schulden kommen lässt. Nach den vielen Spielen und den guten Leistungen, die er während der Neuer-Verletzung gezeigt hat, wünscht man ihm jetzt vor allem eines: Dass er sich trotzdem keine ernsthaften Hoffnungen macht. 

Marvin Plattenhardt
Fiel gegenüber Kimmich offensiv ein wenig ab, aber das war allen Beteiligten vorher klar. Nach hinten ließ er dafür nichts anbrennen, weswegen hier jetzt ein lauer Gag stehen könnte, in dem das Wort Teflon vorkäme. Insgesamt ein Auftritt, der verdeutlicht, dass man sich zur Not auf den Berliner verlassen könnte, was in der Kombination ja auch nicht selbstverständlich ist, weswegen man jetzt einen Gag machen könnte, der die Wörter Berlin und Flughafen enthielte. Aber das machen wir nicht. Stattdessen freuen wir uns, dass Plattenhardt, selbst wenn es keine lange DFB-Karriere werden sollte, nie auf der Straße landen wird, weil er zur Not einfach alle Werbedeals für Pflegeprodukte von Löw übernehmen könnte. Allein schon, weil es wohl nie ein glaubhafteres Testimonial für Pflegeprodukte geben könnte. Alles gut also. 

Mats Hummels
Spielte ein bisschen wie Boateng, nur ein klitzebisschen stärker. Fordert außerdem so wunderbar gestenreich Anspielstationen, dass wir ihn gerne mal im Improtheater sehen würden. Ein einziges Mal, vor Nordirlands Lattenschuss, schwach im Zweikampf, aber da war eh schon alles entschieden. Wird demnach weiterhin gesetzt sein im Abwehrzentrum. Zurecht.

Jerome Boateng
Spielte ein bisschen wie Hummels, nur ein klitzebisschen schwächer. Trägt aber eine so wunderbare Haarfarbe, dass wir ihm das verzeihen. Ein einziges Mal, vor Nordirlands Lattenschuss, schwach im Zweikampf, aber da war eh schon alles entschieden. Wird demnach weiterhin gesetzt sein im Abwehrzentrum. Zurecht.

Joshua Kimmich
Wirkt mit neuer Kampffrisur plötzlich nicht mehr nur sportlich gefährlich für den Gegner, sondern auch mental ein bisschen unberechenbarer. Was wir gut finden. Als würde er nicht nur, wie gegen Nordirland natürlich auch wieder, scharfe (und vor allem sinnvolle) Flanken schlagen, Tore vorbereiten, sie selber schießen und dazu hinten sicher stehen, sondern ab und an auch mal jemandem, am besten grundlos, einen Kopfstoß androhen. Was bei Kimmichs Körpergröße bedeutet, dass er den Gegner voll auf dem Brustbein erwischen würde. Was natürlich einschüchtern muss. Und was ihm auch dabei helfen könnte, das Philipp-Lahm-Image abzulegen, das er sich grade Spiel für Spiel ein bisschen mehr erarbeitet. 

Sebastian Rudy
Legte stürmischer los als Xavier und belegt mit seinem ersten Länderspieltor, einem unfassbaren Strahl direkt in den Giebel, Platz zwei auf der Liste der meistgeträumten Kindheitsträume Deutschlands (direkt hinter »einmal ein Foto mit Julian Bam machen«). Auch unabhängig vom Tor ein überzeugendes Spiel des Münchners, der sich langsam zur ernsthaften Alternative neben Kroos entwickelt. Was ein komischer Satz ist, hätte ihn jemand vor knapp neun Monaten aufgeschrieben.