Die deutsche Elf in der Einzelkritik

Mannschaft on fire

Nach den Tschechen mussten auch die Nordiren unter der neu gewonnenen Spielfreude der deutschen Mannschaft leiden. Wer dabei das Gaspedal und wer die Kupplung gab, weiß die 11FREUNDE-Einzelkritik.

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Manuel Neuer
Wenn Will Grigg »on fire« ist, dann ist Manuel Neuer ein Vulkan. Der gegen die Nordiren nur müde vor sich hin zu rauchen brauchte. Bereit, in jeder Sekunde, die danach verlangen würde, ein Lava-Netz über jede gegnerische Chance zu ergießen. Wann fangen wir eigentlich an, diesem Torhüter ein Denkmal zu bauen? So groß, wie es werden sollte, wird es bis zur Fertigstellung schließlich ein paar Jahre brauchen.

Joshua Kimmich
Bei Joshua Kimmich macht einfach alles Sinn. Ballannahmen, die er aus dem Fußgelenk zum besser postierten Mitspieler abtropfen lässt. Angetäuschte Flankenversuche, mit denen er sich selbst Zeit und Raum erkauft, einen klaren und weitaus gefährlicheren Querpass zu spielen. Defensive Laufwege, die effektiver sind als jede noch so spektakuläre Grätsche. Wenn jetzt auch noch seine Frisur einer höheren Logik folgt, wird er uns noch unheimlich. 

Jerome Boateng 
Verbrauchte immer dann besonders viel Kraft, wenn ein nordirischer Stürmer versuchte, ihn in einer Pressing-Situation unter Druck zu setzen. Schließlich musste der Mann, der der Sage nach einst auf Beton geboren wurde, dann sehr nachhaltig die Augenbrauen zu einem Fragezeichen verziehen. Immer frei nach dem Motto: Ernsthaft? Ihr attackiert mich? Entschied ansonsten die zunehmend wichtiger werdende Wertung »Most Swag Player of the Game« für sich. Glückwunsch.

Mats Hummels 
Grätschte zu Beginn und im Zweikampf mit einem nicht näher bekannten Nordiren fröhlich in den luftleeren Raum. Bescherte Manuel Neuer damit einen seiner heißgeliebten Ausflüge. Denn: Was tut man nicht alles für einen gelangweilten Mitspieler? Musste bei einer hoch aufgerückten, deutschen Elf und gegen die langen Bälle der Nordiren immer und immer wieder ins Eins gegen Eins und löste diese Duelle allesamt mathematisch korrekt gegen Null auf. Zur Belohnung durfte er per Kopf die Vorlage zum 2:0 geben. Hat halt was in der Birne, der Mats. 

Jonas Hector 
Spielte wie immer unter dem Prädikat: teilgenommen. Ließ hinten weniger anbrennen als ein Feuerlöscher im luftleeren Raum. Bereitete vorn per Mondball das 2:0 vor. Getreu dem Motto von Willy Millowitsch, diesem anderen, kölschen Original: »Improvisation ist die Kunst, etwas Unbeabsichtigtes gut vorzubereiten.« Arbeite im Verlauf der Partie weiter daran, dem Begriff »solide« zu neuem Glanz zu verhelfen. Bester Kölner.

Toni Kroos 
In der ersten UND der zweiten Halbzeit mit je einem wirklich mal ungenauen Zuspiel. Muss man sich mal vorstellen. Bastelte ansonsten weiterhin an seinem (längst verdienten) Nobelpreis. Wenn einer die Lehre über die Krümmung von Raum und Zeit auf ein neues Niveau hieven kann, dann er. 

Sami Khedira 
Köpfelte das 2:0 in die Maschen, hatte kurz vor der Halbzeit einen kapitalen Aussetzer, der Boateng im Umkehrschluss zu einer halben Notbremse zwang. Wird trotzdem und nicht zuletzt dank dieser Partie nach seiner Karriere Eingang in das Synonym-Wörterbuch finden. Unter »F« wie Feldherr.