Die Christoph Metzelder-Kolumne

»Der stolze Papa ist nicht zeitgemäß«

Regelmäßig schreibt Bundesliga-Rückkehrer Christoph Metzelder bei uns über die Probleme des Amateurfußballs. Heute macht sich der Neu-Schalker Gedanken, ob der Jugendfußball in Deutschland noch richtig organisiert ist.  Die Christoph Metzelder-Kolumne

Wenn Cesare Maldini bei der italienischen Nationalmannschaft seinen Filius Paolo trainiert, so ist das im Profibereich eine absolute Ausnahme.    Im Amateurbereich, insbesondere in Jugendmannschaften, ist das aber gang und gäbe. Während der eigene Sohnemann dann oft unter der elterlichen Strenge leidet, fühlen sich die Mitspieler in einem vertrauten Umfeld wohl, die Eltern ihre Kinder bestens behütet und die Vereine freuen sich über »billige Arbeitskräfte«.   

[ad]

Ehrenamtliche Arbeit wird im deutschen Vereinswesen geschätzt. Das sehe ich grundsätzlich genauso und deswegen sollen folgende Ansätze auch Grundlage für eine neue Grundsatzdiskussion sein. 

Der stolze Papa als Kinder- und Juniorentrainer ist nicht mehr zeitgemäß!  Vor allem dann nicht, wenn er sich nur auf seine jahrelange Erfahrung als Fußball-Fernsehzuschauer berufen kann und allein dadurch schon behauptet die notwendige Fachkompetenz in der Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen zu besitzen.  

Die Vereine müssen mehr tun


Gerade der moderne Fußball impliziert eine ständige Entwicklung im sportlichen Bereich und die Arbeit mit den Jüngsten zumindest eine didaktischen Grundausbildung. 

Wie kann man also das absolut notwendige ehrenamtliche Engagement der Väter, ihre Hingabe zum Fußball und ihr Verantwortungsbewusstsein in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in das 21. Jahrhundert »übersetzen«?   
Die Antwort lautet in- und externe Aus- und Weiterbildung! Und hier kommen die wieder einmal Vereine ins Spiel. Viel zu wenige Clubs halten ihre Trainer zur Erlangung der Verbands- und DFB- Lizenzen an oder kümmern sich um dezentrale Fortbildungen und Referenten.   

Bildung ist alles


Dabei sind genügend Angebote vorhanden und es handelt sich um überschaubare Summen, die nachhaltige Investitionen in die Ausbildungsqualität und die Zukunft des Vereins bedeuten.  

Beim TuS Haltern sollen alle Trainer bis 2011 zumindest eine offizielle Verbands- oder DFB-Lizenz vorweisen können, die vom Verein zu 100% gefördert wird. Die Erfahrungen zeigen, dass die teilnehmenden Trainerväter dann mit vielen neuen Ideen, einer ganz anderen Sichtweise zum Fußballspiel und einem größeren Selbstbewusstsein zu ihren Mannschaften zurückkehren. 

Bildung macht stark – das gilt eben auch für den Fußball!