Die bewegende Karriere von Tyrone Mings

Vom Obdachlosen zum Nationalspieler

Als Kind landete England-Debütant Tyrone Mings mit seiner Mom und seinen Geschwistern in einer Obdachlosenunterkunft. Was dann passierte, erinnert an ganz großes Kino.

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Es war fast wie immer, wenn ein Neuling zum englischen Nationalteam stößt. Tyrone Mings (26), dieser baumlange Innenverteidiger vom Premier-League-Aufsteiger Aston Villa, gab eine Pressekonferenz, um der Journaille eine gute Story zu liefern: Wie er von seiner Berufung erfahren hatte, wen er danach als erstes anrief, ob er schon als kleiner Junge von diesem Tag geträumt habe. Und so weiter und so fort.

Doch irgendwas war anders als sonst, während Mings zu den Reportern sprach. Denn seine Geschichte erzählt so viel mehr als die der meisten englischen Nationalspieler. Sie handelt davon, wie der kleine Tyrone zuerst sein Dach über dem Kopf verlor und wenig später auch sein Traum von einer Fußballkarriere zerplatzte. Wie er noch mit knapp 20 bei irgendeinem Amateurverein kickte und nebenbei in einer Bank jobbte. Wie er doch noch eine Chance im Profi-Business bekam und sich im Glück wähnte, ehe ihn schwerste Verletzungen und die Dämonen einer Depression heimsuchten. 

Das Streben nach Glück

Einerseits erinnert Mings' Geschichte an diesen bewegenden Hollywood-Streifen aus dem Jahr 2006: In »Das Streben nach Glück« (Originaltitel: The Pursuit of Happyness) spielt Will Smith einen alleinerziehenden Vater, der mit seinem fünfjährigen Sohn auf der Straße landet. Doch weil Chris, der Papa, niemals aufhört, von etwas Großem zu träumen und an sich zu glauben, nimmt die Story letztlich eine sensationelle Wendung. 

Andererseits ist Tyrone Mings' Leben kein Film, ein spektakuläres Happy End stand für ihn kaum zu erwarten: »Ich habe nie wirklich davon geträumt, eines Tages für England zu spielen«, erzählt der geschmeidige 1,95-Meter-Mann nun vor seinem möglichen Debüt in der EM-Quali gegen Bulgarien (Samstag, 18 Uhr in Wembley). »Das Nationalteam war kein allzu realistisches Ziel für mich, denn es war Welten von meiner Wirklichkeit entfernt.«