Die bewegende Geschichte eines Blindenfußballers

»Es ist ein Wunder, dass ich überlebt habe«

Bei einem Autounfall verlor Mulgheta Russom sein Augenlicht. Seine Leidenschaft seitdem: Blindenfußball. Obwohl er für den DFB nur eine Schaufensterpuppe ist. 

imago

Das Letzte, an das sich Mulgheta Russom erinnert, ist die Ausfahrt, an der er sich am frühen Morgen des 3. Oktober 1998 von seinem besten Freund verabschiedet. Was danach passiert ist, weiß Russom nur aus Erzählungen. Der damals 20-Jährige ist auf dem Weg nach Hause, er hat die ganze Nacht gefeiert. Plötzlich schleudert er mit seinem Auto in die Gegenbahn und knallt frontal gegen einen Baum. Erst drei Monate später wacht Russom wieder auf, im Krankenhaus.

»Ich weiß nichts mehr von meinem Unfall. Vor allem nicht, warum es passiert ist. Ich habe weder Alkohol getrunken noch war es auf der Straße glatt.«

In seinem Gesicht war so ziemlich alles gebrochen: Wangenknochen, Nase, Kiefer. 

»Ich bin dann zusammengebastelt worden wie ein Puzzle. Meine Haut wurde hochgeklappt, die Knochen gerichtet, dann wurde ich wieder zugetackert. Dreimal musste ich während der Operation wiederbelebt werden.«

Auf der Intensivstation holt sich Russom eine Infektion, die mit hohem Fieber einhergeht. Drei Tage später ist er blind. 

»Es ist ein Wunder, dass ich den Autounfall überhaupt überlebt habe. Trotzdem habe ich mich immer wieder gefragt: Warum ich? Warum jetzt?«

Noch im Krankenhaus wird Russom klar, dass diese Fragen nichts bringen. Statt grübelnd im Bett zu liegen, will er sich bewegen.

»Ich habe den Ärzten immer wieder gesagt, dass ich aufstehen und Sport machen will.« 

Kaum aus dem Krankenhaus entlassen, flüchtet Russom in den Sport. Er probiert fast alles aus: Fallschirm-Springen, Weitsprung und Speerwerfen. Doch im Sommer 2006 kommt der Anruf, der seinem Leben eine neue Richtung gibt.