Die Besten der Saison (1): Typ, Manager & Schiedsrichter des Jahres

Manuel Gräfe und Augsburg Calling

Schiri der Saison: Manuel Gräfe
Der Lange aus dem Wedding weiß um die hohe Kunst der Schiedsrichterei

1,96 Meter Körperlänge allein sind noch kein Ausdruck von Größe, außer man weiß sie auch einzusetzen. Bei Manuel Gräfe ist das so, er bringt auf dem Platz lässig jeden Zentimeter zum Einsatz, und das ermöglicht es ihm, die hohe Kunst der Schiedsrichterei zu pflegen. Die besteht nämlich darin, das Spiel laufenzulassen. Dazu bedarf es echter Autorität, weil Spieler so was gerne als Freifahrschein zum Regelbruch interpretieren. Aber mit solchen Zwergenaufständen soll mal einer dem Langen aus Berlin kommen, der auf den Straßen des Wedding aufgewachsen ist.

Da, wo es etwas härter zugeht, woher Kevin-Prince Boateng stammt und wo Gräfe bei Rapide Wedding in der Jugend zusammen mit Robert Kovac gespielt hat, dem heutigen Co-Trainer von Eintracht Frankfurt. Manuel Gräfe hält was aus, weshalb er inzwischen besonders gerne da eingesetzt wird, wo die luft brennt und der Druck richtig hoch ist. Etwa am letzten Spieltag, Hamburger SV gegen Wolfsburg. Ausgerechnet der HSV, den er angeblich in der Relegation zwei Jahre zuvor bevorteilt hatte. Alle jaulten auf, und hinterher war von allem möglichen die Rede, nur den Langen hatten alle übersehen, was natürlich das beste Kompliment überhaupt war.

Fanaktion des Jahres: Augsburg Calling
Nirgendwo sonst werden auswärtige Fans so nett empfangen wie in Augsburg

Manche ideen fruchten auch Jahrzehnte später noch. Als The Clash 1979 ihren Song »London Calling« herausbrachten, schufen sie damit das Motto, unter dem im Jahr 2017 noch Gladbacher, Schalker oder Berliner zusammen mit Augsburger Fans feiern. »Die Kids in England von rechts und links haben damals Kleinkriege untereinander geführt. Der Song war ein Aufruf, den Schmarrn bleiben zu lassen«, erzählt Gerhard Seckler, der seit seinen Punkauftritten damals noch immer der „General“ gerufen wird. Seckler ist seit Kindesbeinen glühender Fan des FC Augsburg, war jedoch einmal kurz davor, dem Stadion endgültig den Rücken zu kehren.

Beim ersten Auswärtssieg in Unterhaching vor mehr als einer Dekade sah er, wie eine Gruppe Fans selbst Kinder der unterlegenen Hachinger bepöbelte. Seckler rief daraufhin das Projekt »Augsburg Calling« ins Leben und lud die Fans der Gästemannschaft zu Konzerten, Stadtführungen und Frühschoppen ein. Für die Organisation ging er zunächst mit eigenem Geld ins finanzielle Risiko, bis die Stadt ihn unterstützte. Nun werden seit zehn Jahren die Auswärtsfans mit einer großen Party begrüßt – viele von ihnen revanchieren sich beim Rückspiel mit dem sogenannten »Re-Call«.