Die belgische Mannschaft im Steckbrief

Die Zeit ist reif

Belgien war vor vier Jahren der WM-Tipp von allen, die sich für besonders clever hielten. Das dürfte dieses Jahr nicht anders sein.

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Zahlen zum Team

FIFA-Rang: 3
WM-Teilnahmen: 13

Einwohner: 11 320 000

Noch eine Zahl zum Team

1920 feierte das belgische Nationalteam seinen einzigen bedeutenden
Titel: den Olympiasieg bei den Spielen daheim in Antwerpen.

Spitzname

Diables Rouges

Der Trainer

Dass Belgien in der Vorrunde gegen England spielt, lässt Roberto Martinez nicht kalt, der Spanier auf der belgischen Bank hat nämlich mehr als sein halbes Fußballleben in England verbracht. Angefangen Mitte der Neunziger bei Wigan Athletic, wo er mit seinen Landsleuten Sebra und Diaz als »the three amigos« beliebt war. Mit Wigan feierte der 44-Jährige auch den größten Erfolg seiner Trainerkarriere, als er 2013 im Finale gegen den haushohen Favoriten Manchester City den FA-Cup gewann. Seit 2016 trainiert er Belgien.

Der Kapitän

Es gibt derzeit wohl kaum einen eleganteren Kapitän als Belgiens Eden Hazard. Mit der Nummer zehn auf dem Rücken schüttelt er Pässe aus dem Fußgelenk, bei denen andere sich mindestens den Knöchel verstauchen würden, mit seinem Tempo und überragendem Abschluss ist er jederzeit in der Lage, ein Spiel zu entscheiden. Die Frage, die sich die Welt seit ein paar Jahren stellt, ist lediglich: Kann er diese wahnwitzig talentierte Mannschaft endlich auch in einem Turnier weit tragen?

Der Star

Neben Eden Hazard richtet sich die Aufmerksamkeit vor allem auf Kevin de Bruyne. Denn die Zeiten, als man sich in Deutschland vor allem über dessen Ähnlichkeit zu Petra Pau amüsierte, sind lange vorbei. Unter Pep Guardiola spielte de Bruyne ein überragendes Jahr bei Manchester City, in der souveränen Meistermannschaft war er das entscheidende Puzzleteil. Weil er – ähnlich wie Mesut Özil – Räume sieht, die andere nicht erkennen und er darüber hinaus dazu in der Lage ist, die Bälle in diese Räume hinein zu spielen. Und weil er, anders als ähnlich begabte Spieler, auf jegliche Schnörkel verzichtet. Zeigt er nur annähernd die Form des vergangenen Jahres, gehört er zu den Gesichtern dieser WM.


Stammtischwissen

Der Echo lässt grüßen: Weil der Rapper Damso zu frauenfeindlichen Texten neigt, hat der belgische Verband seine offizielle WM-Hymne kleinlaut wieder zurückgezogen.

Die Anekdote

Schon klar, dass die belgische Elf über die illustreste Ansammlung von Edeltechnikern jenseits von Spanien verfügt. Kevin de Bruyne, Eden Hazard oder Dries Mertens, um nur einige zu nennen. Es wäre trotzdem Quatsch zu behaupten, dass es sich bei den Belgiern um eine reine Schönspieler-Truppe handele. Da gibt es durchaus Jungs, die richtig hart zulangen können: Axel Witsel brach einst einem Gegenspieler das Schien- und Wadenbein, Vincent Company ist ebenfalls kein Kind von Traurigkeit. Und dann gibt es da noch Mousa Dembélé, von dem der „Guardian“ schrieb, er sei „halb Ballerina, halb Panzer“. Klingt brandgefährlich.