Die Beinahe-Nationaltrainer

»Ein jüngerer Mann mit Charisma«

Volker Finke

»Es sollte ein jüngerer Mann mit Charisma her«, forderte 2000 DFB-Vizepräsident Engelbert Nelle, und schlug direkt mal Volker Finke vor, dessen Name »bei der Diskussion mit Sicherheit auf den Tisch gelegt« würde. Man müsse sich allerdings auch Gedanken über...

Holger Osieck

machen, schließlich habe Osieck als Co-Trainer von Beckenbauer Deutschland schon einmal zum Weltmeister gemacht und leiste derzeit sehr gute Arbeit in Kanada. Mit der kanadischen Nationalmannschaft holte Osieck 2000 tatsächlich den Gold Cup. Und wir lehnen uns wahrscheinlich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn wir sagen: Mit Deutschland hätte er das nicht geschafft. 

Peter Neururer

Nein, kleiner Gag. Weiter im Text. 

Giovanni Trapattoni

»Herr Trapattoni, nach der EM wird voraussichtlich ein neuer Bundestrainer gesucht. Haben Sie Interesse?«, stellte die »Welt« anno 2000 elegant die Suggestivfrage. Und na klar, der Mister konnte sich das Engagement nur allzu gut vorstellen: »Es wäre für mich eine große Ehre, wenn der DFB auf mich zukommen würde. Ja, über ein solches Angebot würde ich intensiv nachdenken«, so Trap, der kurz zuvor bei Florenz rausgeflogen war. Die Gerüchte um Trap kommentierte unter anderem Paul Breitner mit einer verbalen Blutgrätsche: »Das wäre grausam, der hat bei den Bayern den unattraktivsten Fußball spielen lassen.« Dass der DFB trotzdem konkret auf den Mister zukam, offenbarte Trapattoni in seinen 2016 erschienenen Memoiren. Ein Kommentar von Paul Breitner steht derzeit noch aus, lange kann es aber nicht mehr dauern. 

Paul Breitner

Apropos Breitner: Der war 1998 selbst kurz davor, die Deutsche Nationalmannschaft zu übernehmen. Zwar völlig ohne Trainererfahrung, aber hey, das wird doch einen Paul Breitner nicht schrecken können. Nach einer Nacht Bedenkzeit sagte Breitner DFB-Präsident Egidius Braun dann doch ab. Mit der paulbreitnerhaftesten Begründung überhaupt: »Ich habe ihm gesagt, dass er mich nicht durchbringen würde beim Präsidium, weil zu viele Leute dort vor mir Angst haben.« Egidius Braun hingegen behauptete, die Übereinkunft habe er selbst wieder aufgekündigt, weil Breitner sich nicht an die abgesprochene Stillschweigen gehalten habe. Klingt beides glaubwürdig.