Das volle Programm zur WM in Russland
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Die alternative Elf der WM

Altes Eisen und falsche Socken

Jenseits der großen sportlichen Erfolge hat die WM in Russland auch kleine Geschichten am Rande geschrieben. Wir würdigen sie mit unserer alternativen WM-Elf. 

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TOR
Essam Al-Hadari, Ägypten
Seine Eltern wollten nicht, dass er Fußball spielt. Also wusch der 17-Jährige Essam Al-Hadari seine Torwart-Klamotten im Fluss, ehe er Mutter und Vater wieder unter die Augen trat. 28 Jahre später ist er, den sie in der Heimat nur den »ägyptischen Buffon« nennen, der älteste Spieler, der je bei einer Weltmeisterschaft zum Einsatz kam: 45 Jahre und 161 Tage zählte er bei seinem Einsatz gegen Saudi-Arabien. Zur Feier des Tages hielt er gleich mal einen Elfmeter. Und zeigte der Welt, dass das alte Eisen ein dehnbarer Begriff ist.

ABWEHR
Milad Mohammadi, Iran
»Ich liebe Mohammadi!«, ließ Kevin- Prince Boateng wissen. Und womit? Mit Recht! Denn wie er sich in der 94. Minute, beim Stand von 0:1 und in der Gewissheit, sein Team habe nur noch diese eine Chance zum Ausgleich, auf seinen Einwurf vorbereitete, das allen war sehenswert. Da küsste er den Ball, grüßte mit seinem Finger gen Himmel und schmiss sich das Spielgerät an die Stirn, ehe er zur großen Tat schritt - einem Einwurf nach Flickflack. Die Nummer ging gründlich schief, sah in seiner Gesamtheit eher nach einer proktologischen Reha-Übung aus und mündete in einem Abbruch. Kevin-Prince Boateng war bestens unterhalten. Und mit ihm die Welt.

Felipe Baloy, Panama
Er ist 37 Jahre alt, spielte im Laufe der WM schlanke 21 Minuten und zeigte, was Effizienz wirklich bedeutet. Gerade einmal neun Minuten war Panamas Felipe Baloy im Spiel gegen England auf dem Feld, als ihm gelang, was nie zuvor einem Menschen gelang: ein WM-Tor für Panama. Selten hat sich jemand mehr über ein 1:6 gefreut. Schön.

Andreas Granqvist, Schweden
Schwedens Kapitän Andreas Granqvist macht nicht gerade den Eindruck, besonders viel Geld für Klamotten auszugeben. Nun hatte sich aber ausgerechnet dieser Andreas Granqvist im Laufe der WM ein paar Socken geleistet - für insgesamt 100 000 Pfund. Nicht dass die Fuß-Schmeichler der Firma »Trusox«, auf die Granqvist schwört, so viel kosten würden. Nein, die Sportsocken der englischen Firma mit den charakteristischen Punkten am Fersenbein sind schon für unter 40 Euro zu haben. Allein der Weltverband Fifa fand den Gebrauch eines Textils, das nicht den Fabriken eines offiziellen WM-Partners entstammt, alles andere als lustig und belegte Schwedens Kapitän mit zwei Strafen à 50 000 Pfund. Granqvist war das egal, er ließ sich trotz Warnung nicht von seinen geliebten Socken abbringen. Und, ach ja: Vater wurde er während der WM auch noch. Was für ein Mann!

Marvin Plattenhardt, Deutschland
Marvin Plattenhardt hat in Russland ein WM-Spiel bestritten. Das ist schon ein WM-Spiel mehr, als ihm viele zugetraut haben. Dafür wird der Linksverteidiger von Hertha BSC jetzt im Internet veralbert: »Von Mitspielern gemobbt«, »Solo- Albtraum«, »Marvin allein links draußen«. Plattenhardt wurde von seinen Kollegen im Spiel gegen Mexiko geflissentlich ignoriert, auf gerade mal 31 Ballkontakte kam er, obwohl die linke Bahn öd und leer war. Was Plattenhardt trösten dürfte: Wer nichts machen kann, macht auch keine Fehler - was ihn bei dieser WM schon positiv abgehoben hat von den meisten seiner Mitspieler.