Die Äußerungen vor der Regionalliga-Reform lassen Schlimmes befürchten

Meister müssen aufsteigen - was ist so schwer daran?

Kurzgefasst hat Reinhard Grindel erkannt, dass Antrag 4 bzw. 5 gute Chancen haben, um sich am kommenden Freitag durchzusetzen. Dass Grindel in dieser Form vorprescht und damit auch seinen Vizepräsidenten Rainer Koch unterstützt, der als Verbandspräsident in Bayern durchaus an einem Fortbestand der bayrischen Regionalliga interessiert ist, ist brisant. Schließlich stellt der DFB-Vorstand 48 von den 263 Delegierten. Zusammen mit dem Ehrenpräsidenten Egidius Braun und 74 Stimmen aus der DFL würden DFB und Fußball-Liga nur knapp die Stimmenmehrheit verfehlen - ohne dass die Landesverbände überhaupt befragt würden.

 

Kein Landesverband will Einfluss verlieren 

 

Weil aber gerade kleinere Landesverbände wahrscheinlich für einen Erhalt der fünfgleisigen Regionalliga abstimmen würden, auch um ihren Einfluss auf die »Champions League der Amateure« nicht zu verlieren, hat der Antrag unter diesen Voraussetzungen eine hohe Wahrscheinlichkeit auserkoren zu werden.

 

Doch am Fußball und an den Problemen der Regionalligen würde diese Entscheidung weit vorbeigehen.

 

Schon jetzt regt sich Widerstand aus den Vereinen der 3. und Regionalliga. Sie werden durch das Delegiertenmodell nur indirekt durch ihre Landesverbände vertreten. Mario Kallnik, Geschäftsführer des 1. FC Magdeburg und Sprecher der 3. Liga, erklärte gegenüber dem MDR: »Dass alle Meister noch immer nicht aufsteigen, ist eine Farce.« Der Vorschlag sei im Vergleich zum Status Quo sogar ein noch schlechteres Modell.

 

Meister müssen aufsteigen - was ist so schwer daran?

 

Durch die Bevorzugung der Regionalliga West und Südwest, die nun immer mit einem Aufsteiger in die 3. Liga rechnen könnten, dürfte sich auf Dauer auch das Gesicht des Profifußballs weiter zementieren. Weniger Vereine aus dem strukturschwächeren Osten und Norden. Weniger Vereine aus Bayern, die aber ihre eigene, umstrittene Regionalliga nach diesem Modell behalten dürften. Relegationsspiele, während Meister der Regionalliga West und Südwest frühzeitig mit der 3. Liga rechnen und planen könnten - ein weiterer, schwerwiegender Wettbewerbsvorteil. Mehr noch: Zwei Regionalligen werden in dieser Konstellation ganz deutlich und über Gebühr gegenüber den übrigen Staffeln bevorteilt.

 

Wer sich das länger zur Gemüte zieht, verzweifelt fast daran zu begreifen, was es so kompliziert macht, bei vier Aufsteigern vier gleichmäßige Regionalligen zu bilden - damit alle Meister wieder aufsteigen. Alle. Meister. Verdammt.

 

Als wir in Ausgabe #189 unseren Reformvorschlag vorstellten, erhielten wir von vielen Vereinen Lob und Kritik. Eine Aussage war jedoch überall zu hören: »Danke, dass Sie sich dem Thema annehmen. Denn Meister müssen aufsteigen!«

 

Verheerende Folgen?

 

Wer die Diskussionen im Vorfeld des Bundestages beobachtet, spürt, wie diese Forderung immer weniger beachtet wird. Stattdessen teilen sich erneut Landesväter den Kuchen untereinander auf. Wohlmöglich mit verheerenden Folgen für die Zukunft des deutschen (Amateur-)Fußballs.