Die ägyptische Nationalmannschaft im Steckbrief

Salah und der alte Mann

Für das Land ist es die dritte WM und die erste außerhalb Italiens. Allein schon wegen Mohamed Salah ein Spaß für alle.

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Zahlen zum Team

FIFA-Rang: 46
WM-Teilnahmen: 3

Einwohner: 94 666 000

Noch eine Zahl zum Team

Fünf Prozent der Ägypter stimmten bei der Präsidentschaftswahl im März für Mohamed Salah – unbeeindruckt von der Tatsache, dass der Stürmer des FC Liverpool gar nicht zur Wahl stand und die Stimmen somit ungültig wurden. Die Aktion ist nur zum Teil als Huldigung des Mannes zu verstehen, der für 71 Prozent der ägyptischen Quali-Tore verantwortlich ist und sich sozial stark engagiert. Sie ist außerdem ein Denkzettel für die autoritäre Politik von Präsident Abdel Fattah al-Sisi, mit dem vor allem die jüngere Generation extrem unzufrieden ist.

Spitzname
Les Pharaons

Der Trainer

Er trainierte Valencia und Inter Mailand. Trotzdem sah sich Hector Cuper, Jahrgang 1955, vor dem entscheidenden Spiel seiner Ägypter gegen die DR Kongo genötigt, vorsorglich Herzkreislaufmedikamente zu schlucken.

Der Kapitän

Sie nennen ihn ehrfürchtig den »ägyptischen Buffon«. Denn Essam El-Hadary ist nicht nur genau wie der italienische Weltstar Torwart, er ist auch noch genau wie Buffon steinalt. Beziehungsweise noch ein bisschen älter. Der 45-Jährige (siehe Stammtischwissen) gewann mit Ägypten bereits vierfach die Afrikameisterschaft, dabei weigerte er sich noch zu Beginn seiner Karriere, Torwarthandschuhe anzuziehen. Der Schreinersohn war es gewohnt, die Bälle mit blanken Pranken aus der Luft zu fischen.

Der Star

In kaum einem Team ist diese Rolle so klar verteilt wie im ägyptischen. Das Team steht und fällt mit Mohamed Salah. Weswegen auch das ganze Land den Atem anhielt, als sich der Stürmer des FC Liverpool im Champions-League-Finale im Zweikampf mit Sergio Ramos an der Schulter verletzte. Doch Salah erholte sich schneller als erwartet, fuhr mit zur Weltmeisterschaft und steht womöglich schon im ersten Spiel gegen Uruguay auf dem Platz. Worüber sich – außer den uruguayischen Innenverteidigern – wohl jeder freuen dürfte, der Salah in dieser Saison hat spielen sehen. 


Stammtischwissen
45 Jahre alt ist Ägyptens Keeper Essam El-Hadary. In Russland wird er zum Methusalem der WM-Geschichte.

Die Anekdote

O-Töne von enthemmten Sportreportern erfreuen sich großer Beliebtheit. Einen modernen Klassiker steuerte im Oktober 2017 der Kommentator des ägyptischen Fernsehens bei. Als Mo Salah in der 5. Minute der Nachspielzeit gegen die DR Kongo mit einem verwandelten Elfer sein Team zur WM schoss, heulte der gute Mann los, als wolle er die Wüste fluten. Die Freude über Ägyptens erste WM-Teilnahme seit 1990 fiel wohl auch deshalb so ekstatisch aus (der Schweizer »Tagesspiegel« berichtete von Rollstuhlfahrern, die vor Freude hüpften), weil zuletzt meist Horrormeldungen den Fußball bestimmt hatten. Insgesamt 93 Menschen waren Stadionkatastrophen in Port Said 2012 und Kairo 2015 zum Opfer gefallen. »Die Leute haben sich sehr lange nach einem Team gesehnt, das sie unterstützen können«, erklärte Nationaltrainer Hector Cuper. In Russland soll jetzt König Mo Salah für den ersten WM-Sieg sorgen, mindestens. Wie die Reaktionen ausfallen würden – man hat eine Ahnung.