Die Achterbahn-Karriere des Patrick Platins

Zum Glück in die Zukunft

Patrick Platins galt einst als großes Torwarttalent, er trainierte unter Felix Magath und wurde ohne Einsatz Deutscher Meister. Dann folgte der Absturz. Wie plant ein Spieler seine Karriere, wenn er nie das richtig große Geld verdiente?

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Darmstadt, ein grauer Montagabend. Zielstrebig läuft Patrick Platins, 31, über den Marktplatz und steuert das zentral gelegene »Café Extrablatt« an. Niemand hält inne, als der Fußballprofi die Tür öffnet, niemand blickt auf. Er muss keine Autogramme schreiben. »Ich kann mich hier relativ frei bewegen«, sagt Platins, schält sich aus der warmen Daunenjacke und bestellt einen Milchkaffee.
 
Die ganz große Fußball-Bühne ist Darmstadt sicher nicht, doch Platins gefällt es in der hessischen Idylle. Beim hiesigen Fußballverein, dem Zweitliga-Aufsteiger SV Darmstadt 98, unterschrieb er Ende Juli 2014 einen Zweijahresvertrag. Zuvor jedoch war der Familienvater knapp einen Monat lang arbeitslos – und das nicht zum ersten Mal. »Da kommt man schon ins Grübeln«, sagt der 1,90-Meter-Hüne. »Lange hätte ich nicht mehr warten können und wollen, dann wäre ich zu Plan B übergegangen.«
 
Der hätte eine Rückkehr in die Wahlheimat Wolfsburg vorgesehen, wohin Platins im Jahr 2000 als 17-Jähriger wechselte. Knapp neun Jahre blieb er beim VfL, dort lernte er seine Freundin und heutige Frau Martina kennen und dort wurde der gebürtige Allgäuer mit der Zeit heimisch. Er gehörte zum Kader der Profis, manchmal saß er in der Bundesliga und der Europa League auf der Bank, zum Einsatz kam er jedoch nie. In der zweiten Mannschaft hingegen hielt er bravourös, so dass er es sogar in die U21-Nationalmannschaft schaffte und 2006 an der Europameisterschaft teilnahm. Deutscher Meister ist er offiziell auch, 2009 unter Felix Magath. Er fühle sich auch als Meister, sagt Platins. »Auch wenn ich nicht gespielt habe, habe ich ganz sicher meinen Teil beigetragen.«
 
Nach der Meisterschaft: Arbeitslosigkeit
 
Der Sommer 2009 markierte einen Wendepunkt in der Karriere des damals 26-Jährigen. Platins lernte die Schattenseiten der Fußball-Branche kennen: Sein Vertrag in Wolfsburg lief aus, einen neuen bekam er nicht angeboten und andere Vereine rannten ihm auch nicht gerade die Tür ein. »Zu dem Zeitpunkt lag mir kein konkretes Angebot vor«, sagt Platins. Im kommenden halben Jahr sollte der Torhüter das miterleben, was kaum jemand mit einem Profifußballer verbindet: Er war arbeitslos.
 
Manchmal gab es Kontakte zu Vereinen, doch ein Transfer kam nicht zustande. Einmal reiste Platins in die norwegische Küstenstadt Alesund, er angelte mit dem Manager draußen auf den Fjorden, es sollte gutes Geld zu verdienen geben. Doch dann überlegte es sich Alesunds dänischer Nationaltorhüter Anders Lindegaard (heute bei Manchester United unter Vertrag) über Nacht anders – er blieb doch beim norwegischen Erstligisten und Platins war aus dem Rennen. »Ich hätte mir den Wechsel dorthin gut vorstellen können, war begeistert von den Menschen und der Landschaft«, sagt der Torhüter.
 
Auch beim damaligen Zweitligisten Rot-Weiß Oberhausen stand Platins kurz vor einer Unterschrift, ehe der Transfer in buchstäblich letzter Sekunde platzte. Erlebnisse, die Platins nachdenklich werden ließen: »Das war schon ein blödes Gefühl. Du denkst, jetzt ist es soweit und dann kommt wieder etwas dazwischen.«
 
Es wurde Herbst, schließlich Winter, und Platins hatte noch immer keinen neuen Verein. Immerhin durfte er während der gesamten Zeit bei der zweiten Mannschaft des VfL Wolfsburg unter Trainer Lorenz-Günther Köstner mittrainieren. Das sei sein Glück gewesen, sagt Platins heute. Denn so blieb Platins zunächst in seinem vertrauten Umfeld und durch das regelmäßige Training fit und in Form.
 
Dennoch, die Zeit hat ihn geprägt: »Mich haben plötzlich wildfremde Leute angerufen, sich als Berater ausgegeben und mir von angeblichen Angeboten erzählt.« Sobald er dann um Vereinsnamen, Daten und Fakten bat, seien die angeblichen Berater schnell wieder verstummt.