Die 11Freunde-Blogschau

»Eure Borussia wäre pleite!«

Die Blogger plagen sich mit Fragen über Fragen. Warum verdankt Gladbach seinen Punkt den Bayern? Welcher Geheimcode trieb die Hertha zum Sieg? Und was hat das alles mit einer Fleischfachverkäuferin zu tun? Die 11Freunde-BlogschauImago Hannover 96 – VfL Bochum 1:1

Sagna schreibt: »Wenn man gegen den Drittletzten der Tabelle die deutlich schwächere Mannschaft ist, weiß man, was die Stunde geschlagen hat.«

Zum blauen Blog
schreibt: »Es blieb beim 1:1, was angesichts der Überlegenheit des VfL in Hannover und der Tabellensituation schlicht zu wenig ist. Ein verunsicherter Gegner mit argen Personalsorgen, der zudem von seinem Publikum alles andere als frenetisch unterstützt wurde, ca. zehn Großchancen, da sollte doch mal ein „Dreier“ drin sein, ›augenhöhengleicher‹ geht es kaum noch. Sehr ärgerlich auch, dass aus 14 Ecken nicht eine Torchance heraussprang […].«

11Freunde meint: Wer wie der VfL Bochum 14 Ecken nicht in ein Tor verwandeln kann, ist nicht nur »augenhöhengleich« mit Hannover 96, sondern auch »augenhöhengleichest« mit Schalke 04. Von daher sollten der derzeitige Tabellenplatz und das Ergebnis am Wochenende in Ordnung gehen.


VfB Stuttgart – Arminia Bielefeld 0:0


Hirngabel
schreibt: »[…] auch gestern wurde der Raum zwischen gegnerischem Strafraum und Seitenauslinie wieder zum Rasenschutzgebiet erklärt und das VfB-Mittelfeld agierte wie an den letzten Spieltagen schon so, als ob man Geld von einer Forschungsgruppe bekäme, die gerade an einer Langzeitstudie über das Gefährdungspotential von Flanken aus dem Halbfeld arbeitet. […] Der einzige Strohhalm, den ich tatsächlich derzeit sehe, wäre ein neuer Trainer, der frischen Wind reinbringt und die womöglich verkrusteten Strukturen aufbricht. Und dass es soweit gekommen ist, dass ich hier schon ernsthaft den Wunsch nach einem Messias als eine ernsthafte Option in Betracht ziehe, spricht schon Bände.
Mir graut’s vor mir.«

11Freunde meint: Wir können nichts Schlimmes darin erkennen, wenn den Stuttgarter Spielern der eigene Rasen lieb und teuer ist. Viel zu lange wurde das Grün in deutschen Stadien bis auf das übelste malträtiert. Die Zeiten, in denen Platzwarte Albträume von Thorsten Legat, Carsten Jancker und Maradonna hatten, sind endlich vorbei. Sollte Stuttgart tatsächlich weiter so schonend mit dem Rasen umgehen, ist Armin Veh der »Goldene grüne Daumen« sicher. Als Greenkeeper könnte er nach seinem Rauswurf bestimmt in München anfangen. Die haben ein Faible für berühmte Rasenpfleger.



Borussia Mönchengladbach – FC Bayern München 2:2


Entscheidend is auf’m Platz schreibt: »Was 137 Sekunden später folgt, ist eine Explosion der Ekstase. Ein Adrenalinstoß, der einen 17-Tonner von der Straße hauen würde. Gohouri spielt einen öffnenden Pass auf Marin, der in gewohnter Manier Fahrt aufnimmt und Baumjohann an der Strafraumgrenze anspielt. Dessen Weiterleitung mit der Hacke ist nicht nur für die Galerie, sondern findet Colautti im Sechzehner. Der eingewechselte Israeli setzt sich gegen Lell durch und schlägt eine Flanke wie der Film „Titanic“ – gefühlvoll, verheerend und oscarreif. Aus dem Hintergrund rauscht Bradley heran und beschert Zehntausenden ein orgastisches Fußball-Erlebnis der Superlative.«

VfLog schreibt: »Nach dem 2:2 der Bayern im Borussia Park hat Manager Uli Hoeneß sich in einer Wutrede […] an die Gladbach-Fans gewandt. […] ›Was glaubt ihr eigentlich, was wir das ganze Jahr machen, um für euch Fußball auf höchsten internationalen Niveau zu bieten? […] Was glaubt ihr, wer euch finanziert? Die Premiere-Abonnenten, denen wir das Geld aus der Tasche ziehen. Wenn es um Opfer geht, seid ihr gefordert und nicht wir! Es kann nicht sein, dass wir uns jahrelang den Arsch aufreißen und dann hier noch zwei Tore eingeschenkt bekommen. Wer glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid? Dass ihr uns dafür kritisiert, dass wir uns dafür den Arsch aufreißen, euch diesen Bradley und den Alberman hinzustellen? Das könnt ihr alleine doch gar nicht refinanzieren. Hört auf zu erzählen, ohne uns ist alles besser. Dann ist gar nichts besser, eure Borussia wäre praktisch pleite. Ihr wollt nix geben und alles haben, aber kosten darf es nix - das ist unser Problem in diesem Land!‹«

Breitnigge schreibt: »Es ist ganz einfach: Die Bayern hätten diesen Gegner abschießen müssen. Wie eben schon die Bochumer. Allein, solche Aussetzer scheinen in dieser Saison typisch zu sein. Wollen wir nur hoffen, dass sie die Ausnahme bleiben. Das einzige, was mir an diesem Spiel gefiel? Das trotz der zwei verlorenen Punkte die Bayern ihren Abstand zum HSV noch vergrößern konnten. Immerhin.«

Fehlpass schreibt: »Klinsmann hat noch vielen Schrauben zu drehen, denn im Vergleich zu Hitzfeld steht er um einiges schlechter da. Mit nahezu identischer Mannschaft hat er es geschafft, im ersten Saisondrittel soviele Gegentore einzufangen, wie in der gesamten letzten Saison. […] Meine einzige Hoffnung ist, dass sich in der Winterpause etwas tut. Änderungen an der Zusammensetzung des Kaders plus eine konzentrierte Vorbereitung sind von Nöten, wenn das dieses Jahr etwas werden soll. Mit Klinsmann und dem Titel.«

11Freunde meint: Klinsmann hat bis zur Winterpause mehr Schrauben in der Hand, als ein Student bei der Inventur eines Baumarkts. Trotzdem wird der Erfolg erst zurückkehren, wenn im Januar die Verpflichtungen von Stefan Effenberg, Jens Jeremis, Samy Kouffour und Oliver Kahn bekannt gegeben werden. Währenddessen ebnet Hans Meyer sich selbst den Weg zur Lichtgestalt: Als Trainer führt er Gladbach in den U-U-Uefa-Cup und als Kommentator aller Spiele verzehnfacht er die Abonnentenzahlen von Premiere.

Bayer Leverkusen – Schalke 04 2:1

Catenaccio schreibt: »Samstag, 15.November 2008, 16:08 Uhr. Seit gut drei Stunden bin ich unter der Haube und ein erster Gedanke an das Spiel der Bayer-Elf zwickt mich. […] Erst kurz vor Achtzehn Uhr trifft mich die positive Nachricht aus Leverkusener Sicht. […] Alles gut. Das gewünschte Hochzeitsgeschenk ist eingetroffen. Ein Sieg gegen Schalke wurde eingefahren. Perfekt. Alles weitere wird nun zur Zugabe.«

Schalkefan schreibt: »[…] während man in der letzten Woche zumindest noch traurig sein konnte, dass Schalke nicht zumindest einen Punkt ergattert hat, bin ich heute weitestgehend sogar froh, dass es trotz der Chance in der Schlussphase nicht zum Remis gereicht hat. Wer sich so präsentiert, wie der FC Schalke 04 heute 85 Minuten lang in Leverkusen, hat nichts, aber auch gar nichts in der oberen Tabellenhälfte zu suchen. Von Champions-League oder UEFA-Cup mal ganz zu schweigen. Heute wurde leider wieder einmal deutlich: Schalke hat eine überdurchschnittlich-mittelmäßige Mannschaft, in der es vor Mitläufern nur so wimmelt, die mit teuren Indianern besetzt ist und in der kein einziger Akteur auch nur ansatzweise das Potenzial zum Häuptling hat.«

Auswärtssieg
schreibt: »Schalke im Herbst 2008 - ob man es wahrhaben will oder nicht - vielleicht die größte Baustelle die wir in den vergangenen zehn Jahren hatten. Ein Club mitten in der ›Totalen Arroganz‹ und auf dem Weg ins ›Totale Mittelmaß‹. Und auch wenn einige es immer noch nicht wahrhaben wollen, dann öffnet bitte schnell die Augen und blickt knallhart der Realität ins Antlitz. Wir stehen ganz kurz vor dem tiefen Fall. Vor dem ganz tiefen. Und der Aufprall wird hart sein. Sehr hart…«

11Freunde meint: Das Leiden der Schalker nimmt fast epische Ausmaße an: Die vergangenen Niederlagen, der Tod von Charly Neumann – der Himmel über Gelsenkirchen ist so pechschwarz wie Niederbayern. Aber wenn man ganz ehrlich ist: Kann man über eine Niederlage als Hochzeitsgeschenk für einen treuen Fan des Gegners traurig sein? … Na gut, kann man. Aus Mitleid mit den Schalkern spenden wir den ersten virtuellen Trauerflor der Weltgeschichte:


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Borussia Dortmund – Eintracht Frankfurt 4:0


Schwatzgelb schreibt: »So blieb es beim 4:0 und einem seltsamen Gefühl. Denn anders als das Resultat glauben macht, hat die Borussia wahrlich nicht ihre beste Saisonleistung dargeboten. Aber mit Abstand die effektivste. Wo die Mannschaft zuletzt allzu häufig in Schönheit starb, reichte heute im Prinzip die erste halbe Stunde, um das Spiel zu entscheiden. […] Wie verdient und überlegen dieser Sieg gegen Eintracht Frankfurt jedenfalls war, ließ sich nach Spielende allein schon daran feststellen, dass Friedhelm Funkel ausnahmsweise mal nicht dem Schiedsrichter die Schuld an der Niederlage gab.

Blog-G
schreibt: »Da verliert man mit 4:0. Und doch kann man nicht sagen, der Gegner wäre nicht schlagbar gewesen. Da bekommt man eine Klatsche, denn 4:0 ist eine Klatsche, und doch ist man nicht sonderlich aufgeregt. Da macht man kein Tor, und doch muss man sagen, dass die Offensive im Prinzip der beste Mannschaftsteil war. Da stehen in der Defensive auf den Außenpositionen zwei Spieler, die das normalerweise nicht spielen, aber die Fehler machen die Stammkräfte in der Zentrale. Es war ein komisches Spiel.«

11Freunde meint: Da gewinnen die Borussen und doch können sie sich einen Seitenhieb auf den gegnerischen Trainer nicht verkneifen. Da verlieren die Frankfurter apokalyptisch hoch und doch bleiben die Blogger sachlich. Merkwürdige Dinge passieren in dieser Welt. Wir schieben es mal auf den Teilchenbeschleuniger in der Schweiz.

Hertha BSC Berlin – Hamburger SV 2:1

Herthabsc.blogspot
schreibt: »Ein sehr ökonomischer Sieg war das gestern, bedenkt man, dass der HSV sicher 75 Minuten das Spiel machte, dabei aber bis auf Pitroipa wenig zusammenbrachte. […] Wie kam es zu der Steigerung in der zweiten Halbzeit? In der Pause lief ein wenig unmotiviert der Song »Ramalamadingdong«, vielleicht war das ja eine Art Geheimcode.«

Pleitegeiger schreibt: »Dieses Jahr fügte sich die Auswärtsniederlage natürlich perfekt ein, die von mir aufgedeckte H-Serie ging einfach nahtlos weiter. Aber glaubt mir, ich hätte gerne Unrecht gehabt. Sehr, sehr gerne. […] Dann kam diese verdammte Halbzeitpause. Ich weiß nicht, was Jol in der Kabine gesagt hat. Oder was im Pausentee war. Gut kann das jedenfalls nicht gewesen sein… Oder wieso, verdammt nochmal, stand es knapp 3 Minuten nach Wiederanpfiff plötzlich 2:1?? […] Als nächstes gehts nach Bochum, dort läuft schon der Eilantrag zur Umbenennung des Clubs. “Hortclub Hochum” solls wohl werden, um dem HSV drei wichtige Punkte gegen den Abstieg abzunehmen.«

FBI-Agent Mulder (Akte-X) meint: Jeder, der diese rästelhaften Vorgänge im Berliner Stadion verfolgt hat, muss sich selbst eingestehen: Es ist etwas in dieser Welt, das wir alle nur erahnen können. Etwas Geheimnisvolles. Etwas Unheimliches. Etwas, das mit »H« anfängt und einen seltsamen Musikgeschmack hat. Hamalamadingdong. Wer hat das Spiel am Samstag wirklich verloren? Der HSV oder die einer unbekannten Macht unterlegene Menschheit? Die Antwort liegt irgendwo da draußen…


Energie Cottbus – Karlsruher SC 1:0

BlogC3 schreibt: »Christian Eichner bezeichnete am Samstag das Spiel als ›Spiegelbild der vergangen Wochen‹, er irrt sich jedoch gewaltig im Zeitfenster. Die Leistungsbilanz des gesamten Jahr 2008 ist verheerend, nach der 9. Niederlage in dieser Saison nimmt der KSC volle Fahrt auf Richtung 2. Bundesliga, realistisch gerechnet benötigen wir noch 9 Punkte bis zur Winterpause. Gegen Dortmund, Hannover, Bremen und Berlin? Mit welchen Mitteln?«

11Freunde meint: Ganz ehrlich liebe Karlsruher? Wir wissen es nicht. Vielleicht ein kleiner Trost: Peter Neururer ist nicht mehr auf dem Trainermarkt.


TSG 1899 Hoffenheim – VfL Wolfsburg 3:2

Akademischer Fanclub Hoffenheim schreibt: »Moderne Kommunikation fokussiert sich prinzipiell auf Affirmation. Und nicht wenige derer, der glaubt unter einem Sympathiewertedefizit zu leiden, neigen dazu, sich mit ›Großen‹ zusammenzutun, um so die soziale Akzeptanz zu erhalten, die man subjektiv für erstrebenswert oder angemessen hält.[…] Wenn es […] darum geht, für eine große und gute Aktion einer großen und, also einer großen Zeitung zu werben, ist die Bereitschaft zur Teilnahme groß. Merkantiles Schlagwort: Synergie, wahlweise: Win-Win-Agreement. […] Und 1899? Hat eine Zeitschrift aus dem Axel-Springer-Verlag als Trikotsponsor - und da die Aktion ebenfalls stark mit dem Verlag zusammenhängt, kann man nicht wirklich sagen, dass der Eigner von TV Digital auf Präsenz verzichtet hätte. Im Grunde also eine professionell gelungene PR-Aktion.  Sätze wie ›Zum ersten Mal spielen in der deutschen Fußball-Bundesliga mit der gleichen Werbung auf der Brust.‹ kommen dabei beim ordinären Event-Touristen als Infohappen bestimmt gut an. Sind aber wie alles, was falsch ist, nicht gut. (vgl. Adorno, T.)«

11Freunde meint: Komplexe Diskursanalyse implementiert pathologische Perspektive, singuläre Artikulation ein Maximum nominalstilistischer Morpheme (sic!). Gallia est omnis divisa in partes tres (Cäsar, Gaius Julius), quod licet Iovi, non licet bovi (Terenz), icho bino eino Elefanto (Blümchen, Benjamin). Werbedeklamationen auf Kunststoffleibchen sollten von den Medien nicht hochsterilisiert werden (vgl. Labbadia, B.).


Werder Bremen – 1.FC Köln 3:1

Werderblog schreibt: »Nach dem gestrigen Sieg gegen Köln fragt sich der geneigte Werderfan, was eigentlich für ein Fluch über dem Stadion liegt, das wir es nicht schaffen, anständige Außenspieler zu verpflichten. Und ich meine damit Spieler, die das Niveau eines Bönisch oder Tosic deutlich übersteigen.Zwei oder drei gute Flanken können doch in keinster Weise darüber hinwegtäuschen, das es jedesmal gefährlich wird, wenn Herr Tosic in das Spiel eingreift. Dummerweise aber für uns gefährlich. Warum jemand, der technisch dermassen limitiert ist, Fußballprofi werden kann, wird mir immer ein Rätsel bleiben.«

Samba-Köln
schreibt: »Die Niederlage gestern war verdient. Kurze zwischenzeitliche Drangperioden durch Supernova, der da Vorne einfach zu wenig Unterstützung hat, und ein verbesserter Antar reichten nicht aus, um die Bremer nachhaltig vor ernste Probleme zu stellen. […] Trotzdem: Kein Beinbruch, kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken! Der Blick muss nach Vorne gehen und die anvisierten 25 Punkte bis zur Winterpause sollten - trotz der beiden nächsten, sehr schwierigen Aufgaben gegen Hoffenheim und in Berlin - zu schaffen sein. Und wie meine Fleischfachverkäuferin oft zu mir sagt: ›Darf es ein wenig mehr sein?‹ Ja, gerne und das immer wieder! 

11Freunde meint: Zwei nüchterne Analysen mit ordentlich Platz für Diskussionen. Wie sagt unsere 11Freunde-Fleischfachverkäuferin immer: »Wollen’s noch a Worschtscheib zum Probieren extra?« Ja, gerne. Was immer auch das zu bedeuten hat.