Die 11Freunde-Blogschau

»Bayern spielen wie Cottbus«

Klinsmann kopiert mit dem FC Bayern Energie Cottbus, Marin ist neuer Angestellter der »Diego-Ribéry GmbH & Co. KG« und in Chile wundert man sich über die Gurkentruppe aus Hannover. Die 11Freunde-Blogschau. Die 11Freunde-Blogschau
Bereits am Freitag konnte sich der 1.FC Köln mit dem 2:1-Sieg gegen Hannover 96 zwischenzeitlich auf den sechsten Tabellenplatz schieben. Für Blogger Samba-Köln Grund genug, sich in die Champions League zu träumen. Weniger euphorisch sieht das Geissblog, der das Zustandekommen des Heimsiegs genau analysiert. Sein Fazit: »Wer so Spiele gewinnt, der steigt nicht ab. Andere Vereine werden mit solchen Siegen sogar Meister.«

Am Rhein herrscht also eitel Sonnenschein, während in Chile Hannoverfans die Einheimischen in die Verzweiflung treiben. Berichtet zumindest Fußball von unten: »Während nun 96 erneut einen Auftritt verpatzt, sitzen die beiden in einer Sportbar in Bella Vista und trinken sich die Begegnung schön. Trotz Alkoholkonsums ist Lucho entsetzt: ›Pedro! Da hat dieser Deutsche tagelang Skandale wegen seiner Lieblingsmannschaft veranstaltet und dann stellt sich heraus, dass sie eine Gurkentruppe ist.‹« Ob mit dem Blogtitel übrigens die Position auf der Erdkugel oder die der 96er in der Tabelle gemeint ist, wissen wir nicht genau.

Nach dem 2:1-Sieg der Hamburger gegen Dortmund berichteten die meisten Medien vom Führungstreffer durch den Ex-Dortmunder Mladen Petric. Vollkommen falsch, wenn man dem Bericht bei Pleitegeiger Glauben schenkt: »Es wird natürlich anders in die Geschichtsbücher eingehen, war aber in Wirklichkeit so: Das 1:0 des HSV schoß Kirsten, das 2:0 ich. Jeweils durch eine SMS.« Wenn die angesprochene Kirsten nicht gerade SMS verschickt, deckt sie im Übrigen ungeheuerliche Unsportlichkeiten der Hanseaten auf.

»Aber kein Wunder - der HSV hat im Vorfeld mit unfairen Mitteln gekämpft: Ich hatte nämlich ursprünglich eine Karte für Block 13b. Und als ich da zuletzt gesessen hab, fuhr der BVB einen Auswärtssieg ein. Doch als hätte der Gastgeber das geahnt, wurden 299 weitere Fans und ich kurzerhand in Block 14b verfrachtet. Das konnte ja nichts werden.« Eine Entscheidung am grünen Tisch droht am Horizont.

»Früher hätten alle Dortmunder beim Rempler ›Coole Sau‹ gerufen«


In dem gewohnt ausführlichen Spielbericht auf Schwatzgelb findet sich zu besagtem Spiel eine außergewöhnlich faire Bewertung des Zustandekommens der Dortmunder Niederlage. Den Rempler von Petric vor dem 1:0 bewertet man dort so: »Jedenfalls hätten alle Dortmunder nach diesem Rempler noch vor Jahresfrist  ›Coole Sau‹ gerufen – heute fordern sie vehement den (berechtigten) Freistoß. So schnell ändern sich die Zeiten.«

Ja, so schnell ändern sich die Zeiten. Das bewies am Wochenende auch Borussia Mönchengladbach mit dem 2:0-Sieg bei Arminia Bielefeld. Die ehemaligen »Auswärtsdeppen« entführten drei Punkte aus Ostwestfalen. Wie es dazu kommen konnte, weiß Entscheidend is auf’m Platz: »Man nehme das Glück aus dem Karlsruhe-Spiel, einen „Titan“ namens Gospodarek, einen Marin wie aus der Diego-Ribéry GmbH & Co. KG und zu guter Letzt einen Gegner, der an allen drei anderen Zutaten verzweifelt – schon ist er fertig: Der elfte Auswärtssieg im Oberhaus in den letzten 108 Partien seit dem Wiederaufstieg 2001.«

Trotz der Niederlage zeigen sich Bielefelder Fans wie im Blog Die Blauen nicht allzu unzufrieden. »Arminia hat ein ordentliches Spiel abgeliefert, finde ich. In der ersten Halbzeit gut und in der zweiten Halbzeit lange nicht so schlecht oder leidenschaftslos, als dass die ›Wir-sind-Arminen-und-Ihr-nicht-Rufe‹ von der Südtribüne angebracht waren.«

Die beeindruckendste Aktion des Spiels zwischen dem VfL Bochum und Werder Bremen fand nach dem Schlusspfiff und abseits des Rasens statt. Als einige vermutlich rechtsradikale Fans eine Fahne entrollen wollten, skandierten die Bremer und Bochumer Fans gemeinsam »Nazis raus« und provozierten damit ein Eingreifen der Polizei.


Grund genug für Werderblog den Mantel des Schweigens über das magere 0:0 zu legen: »Ich bin stolz auf unsere Fans. Und vielleicht ja auch bald wieder auf unsere Mannschaft.«

In Bochum dagegen ärgert man sich über zu wenig Mut im Spiel nach vorne. »Der VfL muss dringend damit anfangen, irgendwo drei Punkte einzufahren. Und das sollte dann bitte auch der Trainer endlich verinnerlichen. Man erzählt sich von Eichhörnchen, die bei dem Versuch sich zu langsam (und vorsichtig) zu ernähren, letztlich auf der Strecke geblieben sind«, schreibt Zum blauen Blog.

Auf der Strecke geblieben ist auch die 3:0-Führung von Bayer Leverkusen im Spiel gegen den Karlsruher SC. Symptomatisch für die gesamte Saison der Leverkusener meint Catenaccio, schränkt aber ein: »Generell kann man trotzdem zufrieden sein mit einem Punkt in Karlsruhe. Ungeachtet vom Verlauf des Spiels am Samstag ist es ein wichtiger Zähler, der immerhin heute zur Tabellenführung reichte. […] Schalke ist der nächste Prüfstein für die Werkself. Zuhause wäre ein Dreier gegen den direkten Konkurrenten um den internationalen Wettbewerb äußerst wichtig.«

Im Rennen um den internationalen Wettbewerb musste auch der VfB Stuttgart am Sonntag einen Dämpfer hinnehmen. Gegen Frankfurt reichte es nach 0:2-Rückstand nur zu einem 2:2-Unentschieden. Für Blogger Hirngabel wird die Situation langsam bedenklich: »Noch ist es nicht zu dramatisch, aber es sind derzeit einfach zu viele Teams im Rennen um die UEFA-Cup-Ränge, als dass man sich eine ernsthafte, lange Schwächephase erlauben könnte. Gegen Bielefeld muss nächste Woche zwingend ein Sieg her!«

Auf Frankfurter Seite dagegen wundert man sich im Blog-G über die merkwürdige Metamorphose des Teams. »Eintracht Frankfurt ist Mitte November eine ganz andere Mannschaft als noch vor drei oder vier Wochen. Woran es liegt, vermag der Außenstehende kaum zu beurteilen. Die Protagonisten sind weitestgehend dieselben nur die Art des Auftretens hat sich geändert. Man kann als Anhänger nicht gerade traurig darüber sein.«

»Keine Ahnung, welche Qual das in den vergangenen Jahren oft war«

Wenig traurig ist man auch bei Herthabsc.blogspot über den 1:0-Sieg gegen den ehemaligen Tabellenführer aus Hoffenheim. Doch wie es oft im Moment des Triumphes ist, erinnert man sich hier auch an die vergangenen Leiden: »Wer gestern nur eben mal vorbeischaute, hat ja keine Ahnung, welche Qual das in den vergangenen Jahren oft war.«

Für die Hoffenheimer Fans sind die »Qualen« eines Punktverlustes allerdings neu. »Der verwöhnte Fan hatte so seine Schwierigkeiten mit der Akzeptanz der Normalität. Kaum Torraumszenen, kaum Einzelaktionen, ein Spiel, bei dem Kommentatoren ihre Synonymschatzkiste herausholen durften«, hält der Akademische Fanclub Hoffenheim fest.

Aber Hoffenheim wäre nicht Hoffenheim, wenn eine solche Feststellung nicht in ein optimistisches Fazit münden würde: »Schreiben wir halt nächste Woche ein weiteres Kapitel Fußballgeschichte und konzentrieren uns dabei wieder auf das Ergebnis. Der 15. November ist dafür auch ein gutes Datum, denn an diesem Tag vor exakt fünf Jahren feierte die Deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen den höchsten Sieg seit ihrem Bestehen: ein 13:0 gegen Portugal. Nehmen wir das einfach mal als gutes Omen ...« Angeblich soll an diesem Tag auch Frau Ute K. aus Freiburg ein Waschlappen aus der Hand geglitten sein. Sie hat ihn wieder aufgehängt. Bestimmt auch ein gutes Omen für Hoffenheim.

Im letzten Sonntagsspiel kam es zum Klassiker Schalke 04 gegen Bayern München. Obwohl Schalke zwischenzeitlich so überlegen wie ein Porsche gegenüber einem Dreirad war, gewannen die Münchner mit 2:1. Den Grund weiß Königsblog: »In der zweiten Hälfte ließ der große Stratege Jürgen Klinsmann seine Mannschaft dann wie Energie Cottbus spielen, mit dem Unterschied, dass Cottbus zur Halbzeit selten mir 2:1 führt. Aber es reichte, Schalke 04 spielte zwar auch die zweiten 45 Minuten nach vorne, brachte aber nicht genug Kreativität auf, um das Bollwerk der eingeigelten Bayern zu durchbrechen.«

Oder um es mit Fernglasfcb zu sagen: »Schön haben die Bayern gestern zumindest eher selten gespielt, aber dafür stimmte die Defensivarbeit - und das ist 'ne ganze Menge Verbesserung, wenn man die letzten Wochen rückbetrachtet. Die gute, alte Bayern-Schule eben.« Von wegen »gute, alte Zeit«, werden sich die Schalker denken.