Die 11FREUNDE-Blogschau

Fear & Loathing in Wolfsburg

Eine Liga im Vollrausch! Alte Säcke zum Nulltarif auf Schalke, Fallobst in München, LSD-Trips in Wolfsburg und the next Gerd Müller in Hannover. Esst was Fettiges und taucht ein in unsere Antwort auf den »Sommer of love«: die Blogschau. Die 11FREUNDE-BlogschauImago TSG Hoffenheim - FC Schalke 04 0:0

Akademiker Fanclub Hoffenheim schreibt: »Die Taktik von Felix Magath erinnerte teilweise an D-Jugend-Anweisungen. So muss er seinem Spieler, der Eduardo decken sollte, vor dem Spiel gesagt haben: ›Du bleibst bei der 10 - und wenn die aufs Klo geht, gehste mit!‹ Zudem kamen viele Fouls, so dass unsere Mannschaft erst gar nicht ins Kombinieren kommen konnte. So gesehen hatte der Destruktivismus Erfolg.«

Schalkefan schreibt: »Hervorheben muss man aber vor allem den brasilianischen Neuzugang Minero. Mit überragendem Stellungsspiel und großem Einsatz zog der ›alte Sack zum Nulltarif‹ den Hoffenheimer Kreativen ein ums andere mal den Zahn. Beachtlich, wirklich beachtlich! Nicht minder beachtenswert war auch die Leistung von Christoph Moritz, der sich auch in seinem dritten Ligaspiel perfekt in die Mannschaft einfügte.«

11FREUNDE meint: Sehen wir den Tatsachen ins Gesicht: Die Liga ist besoffen! Was uns da am dritten Spieltag geboten wurde, bezeichnet den Unterschied zwischen
»0,0 Promille« und »morgens halb zehn auf deutschen Baustellen, wenn der Kapo mit Schlagseite das Knoppers in den Dornkaat tunkt«. Erst der neue Spieltag, der eigentlich kein Spieltag sondern der 72-Stunden-RTL-Domino-Liveday für Fußballfans ist, und jetzt das. Ein 0:0 zwischen Hoffenheim und Schalke. Wie der normale Fan das aushalten soll? Keine Ahnung. Vielleicht mit Galgenhumor. Auf die Frage nach einem Einstiegswitz in diese nach Alkohol stinkende Blogschau schickte der bekennende Schalke-Fan Nedowan über Twitter folgende Zeilen: »Gott fragte Mineiro: Was willst du lieber? Fußball spielen oder die Ohren ganz nah am Kopf?« Manchmal genehmigt sich wohl sogar der liebe Gott ein kleines, getuntes Knoppers.


FSV Mainz 05 - FC Bayern München 2:1 (2:0)

05er Fanblog
schreibt: »Ich verneige mich vor diesem heldenhaften Auftritt der gesamten Mannschaft. Ihr alle seid wahre Helden! War für mich - was die Stimmung angeht - bisher das 100-jahre Spiel im Jahr 2005 gegen den FC Schalke 04 (das Mainz 2:1 gewann) bisher das Nonplusultra gewesen, so wurde es heute durch diese Leistung, durch dieses Publikum und durch diese wahre Stimmungsexplosion noch übertroffen. Noch nie hatte ich nach dem Abfiff so lange das Bedürfnis noch auf meinem Platz zu stehen, zu klatschen und zu jubeln - und noch nie hatte ich so lange eine solche Gänsehaut wie heute!«

Fehlpass schreibt: »Qualität wie Ze Roberto und Lucio abzugeben, Fallobst wie Sosa und Lell zu behalten, keinen besseren Torwart zu holen und dazu nur Spieler eines Kalibers wie Pranjic und Braafheid zu kaufen, aber den Substanzverlust dann mit einem neuen System auffangen zu wollen, klingt für mich mehr als naiv. Da muss sich der Vorstand mal an die Nase fassen und zwar gewaltig.«

Mingablog schreibt: »Wir erleben derzeit eine recht miese Phase beim FC Bayern, langfristig die Machtära Rummenigge, kurzfristig ein paar nicht gewonnene Spiele und schwache Leistungen, aber ich würde es begrüßen, wenn man nicht bei jedem Gegentor den Untergang des Abendlandes heraufbeschwören würde. Sowas hab ich bisher sonst nur in Schalke-Foren gesehen, es wäre angenehm zu beobachten, wenn Bayern-Fans in schlechten Zeiten etwas mehr Würde zu zeigen in der Lage wären.«

11FREUNDE meint: Wie es am Freitag angefangen hat, ging es gleich weiter in der Bundesliga. Beduselt, torkelnd, merkwürdig. Da nehmen sich die Teilzeitgötter aus München extra die Zeit, um auf Mainz herab zu steigen und der katholischen Kirche eine neue Heiligensichtung zu schenken. Und was machen die Mainzer? Ziehen die bajuwarischen Götter an ihrem gesegneten Nasenring durchs Stadion. Kein Platz für Pietät bei Tuchels heidnischen Helden. 90 Minuten Fegefeuer später wartet auf die Bayernfans der siebte Kreis der Hölle: Ein Vergleich mit Schalke 04 aus den eigenen Reihen. Und auf dem Trainermarkt scharrt Lothar Matthäus mit den diabolischen Hufen. Warum man da nicht den Untergang des Abendlandes ankündigen darf, bleibt mir ein Rätsel. Sehet die Zeichen und tut Buße!


SC Freiburg - Bayer Leverkusen 0:5 (0:1)

Scfreiburg1904
schreibt: »Wie schon erwähnt gehörten die ersten Minuten klar den Freiburgern. Es machte sich Hoffnung im Stadion breit, doch diese Hoffnung wurde bald zu Verzweiflung. So rannten die Freiburger im Minutentakt auf das Tor von René Adler zu, doch konnten sie diese Überlegenheit nicht in Tore umsetzen. Diese Situation ist nicht unbedingt neu für das Team von der Dreisam, doch spielte man vergangenes Jahr gegen Mannschaften, die auch auf dem Blatt Papier deutlich unterlegen waren. Irgendwann landete gegen die Zweitligaklubs der Ball im Netz – die drei Punkte waren gesichert. Doch die erste Liga ist eben ein anderes Pflaster«

Catenaccio schreibt: »Was war das? Leverkusen siegt 5:0. Und spielt keinen Tempofussball, sondern bedacht und überlegt. Die Werkself kassiert keinen Anschlusstreffer, läuft nicht ins offene Messer und holt sich auch keine dumme rote Karte ab. Dank Jupp Heynckes. Der scheint der Mannschaft ein Konzept aufgedrückt zu haben, dass sie umsetzen kann. Heynckes reagiert auch nicht erst in der Halbzeitpause, wenn ein Spieler in Gefahr läuft, eine gelb-rote Karte zu kassieren.«

11FREUNDE meint: Schön, dass sich wenigstens manche Dinge nicht ändern. Freiburg spielt schön, Freiburg stürmt aufs gegnerische Tor, Freiburg stirbt einen klassischen Künstlertod: an sich selbst berauscht und tragisch. Oder um es mit den Freiburger Bloggern zu sagen: Hoffnung wird zu Verzweiflung. Wenigstens ein Spiel, das an diesem Wochenende einen geregelten Ausgang genommen hat! Denn ein 5:0 ist für Bayer mit seinem jungen Trainer Bruno Labbadia nun wirklich nichts Besonderes.

1.FC Nürnberg - Hannover 96 0:2 (0:1)

Clubfans-United
schreibt: »1 Punkt aus drei Spielen, darunter zwei Heimspielen. Das ist schlecht. Das hätte man sich anders erhofft, aber mal zurück zum Anfang und noch bisschen weiter vor. Denn wie hier auch in den Kommentaren zu Recht angemerkt sollte man sich nur mal zum Jahresbeginn zurückerinnern, da hatte die ganz breite Basis nicht nur den Aufstieg schon faktisch abgeschrieben, da hatten alle auch absolutes Verständnis dafür und breite Unterstützung, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist.«

Fußball von unten schreibt: »Erst eine Niederlage gegen Hertha BSC, darauf ein Remis gegen Mainz 05. So war der Sieg gegen den 1. FC Nürnberg eine logische Folge, um wieder völlig ausgeglichen in der Bundesliga dabei zu sein. Platz 11 lautet das Ziel, damit die Könige des Mittelmaßes ihre Doppeleins erneut verteidigen. Das sollte kein Problem sein, Dieter Heckings Rücktritt war dafür überflüssig. Es gehört lediglich zur Vereinstradition, regelmäßig ein anderes Gesicht auf der Bank zu präsentieren.«

11FREUNDE meint: Langsam gehen mir die Drogenmetaphern aus, aber was diesen Spieltag passiert ist, kann ja wohl nicht mehr anders als mit »Vollrausch« beschrieben werden. Jiri Stajner wird zum neuen Grafite, zum neuen Toni, ach was zum neuen Gerd Müller! Jetzt macht der sogar in der Hinrunde seine Tore? Wo soll denn das enden? Die Meisterschaft kann da nicht mehr das einzige Ziel sein, das wäre zu klein. Aber was kommt danach? Wo will Hannover mit dieser Mensch gewordenen Tormaschine hin? Zum Champions League Sieg? Zum Weltpokalsieg? Zum Sparkassencup Niedersachsen Mitte? Wenn das so weiter geht, könnte Real Madrid noch mal auf dem Transfermarkt aktiv werden. Kleiner Tipp von mir: Snejider + van der Vaart + 40 Millionen wären angemessen für einen Verkauf Stajners.


Borussia Dortmund - VfB Stuttgart 1:1 (1:0)

Schwatzgelb
schreibt: »Wir wollen jetzt nicht ellenlang lamentieren, wie übel der Borussia doch mitgespielt wurde. Das 1:1 ist weitgehend leistungsgerecht und die Fehlentscheidungen fielen ganz sicher nicht allein zu schwarzgelben Ungunsten. Die Summe der übersehenen Tätlichkeiten, nicht gegebenen Elfmeter und zu Unrecht abgepfiffenen Angriffe ist für ein Schiedsrichtergespann der obersten Spielklasse [aber] schwerlich tolerierbar.«

Brustring schreibt: »Für den VfB ist das 1:1 sicherlich schon okay, vor allem im Vergleich zur vergangenen Saison, wo man zwar nicht wesentlich schlechter spielte, aber eben am Ende mit 0:3 deftig nach Hause geschickt wurde. Somit hat man sich schon zum zweiten Mal ergebnistechnisch im Vergleich zum letzten Jahr verbessert, nachdem man in Wolfsburg dieses Jahr nur 0:2 statt 1:4 verlor…«

11FREUNDE meint: Das ist ein feiner Zug der Kollegen von Schwatzgelb, nicht zu lamentieren wie übel der Borussia mitgespielt wurde. Im Gegenzug werden wir es uns auch ersparen, darüber zu lamentieren wie übel die Borussia mitgespielt hat. Denn ein bisschen mehr wäre schon drin gewesen. Trotz Schiedsrichter, Gegner und dieser fiesen Sonne. Aber gut, warum soll sich die Borussia auch zerreißen, wenn man doch jetzt schon geschmeidige zwei Punkte vor den Bayern liegt.



1.FC Köln - Eintracht Frankfurt 0:0

Sportteil
schreibt: »Für Kommentatoren, die dem FC gerne Mieses nachsagen, boten sich gestern einige Anekdoten, die solche Kritik unterstützen. Zum Beispiel, als Lukas Podolski vor dem Anpfiff fast das Ritual des Kreisbildens der Mannschaft verpasste und von Mondragon in den fast geschlossenen Ring gerufen werden musste. Oder die tatsächlich recht lächerliche Angelegenheit, als sich Podolski, Novakovic, Petit und Brecko drum käbbelten, wer denn jetzt den Freistoß in die Frankfurter Mauer hauen darf. Aber es lässt sich zunächst feststellen: Unsere erste Elf sieht verdammt gut aus. Mit Ausnahme von Brecko spielt in dieser Elf keiner, dem ich das nicht zutrauen würde.«

Blog-G schreibt: »Gut eine Viertelstunde nach dem Spiel, in den Katakomben des Müngersdorfer Stadions, musste Patrick Ochs erst von Journalisten daran erinnert werden, dass es sich nach einem Platzverweis durchaus strafmindernd auswirken könne, sich beim Gefoulten zu entschuldigen. Und so ließ der in der 55. Minute nach einem üblen Tritt an seinem Gegenspieler Ehret vom Platz gestellte Frankfurter Rechtsverteidiger die Meute stehen und machte sich auf den Weg Richtung Kölner Kabine.«

11FREUNDE meint: Klar, so eine Nullnummer gegen eine Funkel-Gedächtnis-Mannschaft aus Frankfurt geht ans Gemüt. Trotzdem muss die Frage erlaubt sein: Was ist dem armen Brecko nicht zuzutrauen? Gut auszusehen so wie der Rest der ersten Elf? Einen Freistoß in die Mauer zu holzen? Poldi vor Anpfiff in den Kreis der Familie zu holen? In der ersten Elf zu spielen? Christoph Daums Laptop zu klauen? Ein Palindrom aus seinem Namen zu basteln? Naja, ist ja egal. Hauptsache die anderen zehn in der Startelf machen das, wofür sie bezahlt werden: gut aussehen.

Vfl Wolfsburg - Hamburger SV 2:4 (0:2)

Vfl Wolfsburg Blog
schreibt: »Der VFL verliert erstmals seit April 2008 ein Heimspiel, welches an Spannung und Klasse nicht zu überzeugen war. Ein Nordderby wie man es sich wünschte, abgesehen vom Ergebnis.«

Pleitegeiger schreibt: »Ich weiß nicht, ob es Euch aufgefallen ist - über ca. 60, 70 Minuten wurde fast ausschließlich auf ein Tor gespielt. Das vor den Wolfsburg-Fans. Oder besser gesagt den Laien-Schauspielern, die man gegen eine geringe Bezahlung als solche verkleidet hatte. Anfangs dachte ich, im Ball sei Eisen, und unter der Tribüne der Heimfans ein starker Magnet. Später wurde mir klar: Die Erdbewegung ist schuld. Man läßt ja gerne mal außer acht, daß sich die Erde um sich selbst dreht, und wir mal oben drauf, und mal unten drunter sind. Und manchmal eben seitlich. So wie gestern.«

11FREUNDE meint: Sollte irgendjemand daran gezweifelt haben, dass sich die Bundesliga derzeit so nüchtern verhält wie Fear and Loathing in las Vegas, wurde er mit diesem LSD-Trip der fußballerischen Art widerlegt. Was man sich in Wolfsburg in den Pausentee schmeißt, wissen wahrscheinlich nur Pete Doherty und Amy Winehouse. Ein Spiel, das auf jeden Fall an Spannung und Klasse nicht zu überzeugen war. Und immer mit dabei: der Anwalt.



Werder Bremen - Borussia Mönchengladbach 3:0 (2:0)

Werder-Exil
schreibt: »Ist oder war die Mannschaft so von Pizarro abhängig? Fast scheint es so. Er war gestern der Matchwinner beim 3:0 gegen Gladbach. Allerdings gegen unterirdisch schlechte Gladbacher.«

Fohlenkommando schreibt: »Borussia hat in Bremen, wo selbst kasachische Freizeitkicker drei Buden machen, schlecht gespielt und verdient verloren. Die Bremer Flaute hält also ein weiteres Jahr an und wird wahrscheinlich bis zum Sankt Nimmerleinstag nicht enden. Und am Freitag(!?) (spielen wir diese Saison auch mal am Samstag?) hält zu allem Übel auch noch Thomas Tuchel mit seinem närrischen Hofstaat Einzug im Borussia-Park.«

11FREUNDE meint: »Ist Werder von Pizarro abhängig?« fragt Werder-Exil und wir helfen gerne weiter. Werfen wir doch mal einen Blick in den Bremer Sturm: Sanogo. Hunt. Rosenberg. Almeida. Moreno. - Das ist, als würde man sich Metadon besorgen, das zu hundert Prozent aus Puderzucker besteht. Kein Wunder, dass Allofs und Co. rückfällig geworden sind.


Vfl Bochum - Hertha BSC Berlin 1:0 (0:0)

hbsc1892
schreibt: »Hertha geht wohl in eine ganz schwere Saison. Schwerer wahrscheinlich als die Euphorie der letzten Saison zulässt. Hertha ganz schnell nicht mehr so ›Sexy‹ wie in der letzten Saison sein und die Zuschauerzahlen werden nach Spielen gegen Bochun, Bröndby und Gladbach wieder sinken. Publikumslieblieblinge und Identifikationsfiguren sucht man neben Dardai, Kacar, Drobny und Friedrich vergebens.«

Herthabsc schreibt: »Die Ausrede mit dem mangelnden Geld für Investitionen zieht jetzt schon nicht mehr, denn die Tugenden, die Hertha im Moment fehlen, kosten nichts. Die Mannschaft ist schlecht auf- und eingestellt, von selbst findet sie nicht zu einer Identität. Der Trainer muss ihr etwas anbieten, das konkret ist - keinen utopischen Kombinationsfußball, sondern ein Ethos der Professionalität, das allein da unten im Armenhaus der Tabelle weiterhilft.«

11FREUNDE meint: Es war ja klar, dass dieser hochprozentige Spieltag noch einen abschließenden Rülpser als Pointe für uns bereit hält. Hertha verliert mit 0:1. Irgendwie schon witzig, diese neue Drogenliga.

 

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