Die 11Freunde-Blogschau

Spannend wie Derrick

Die Kidderminster Harriers und Olli Kahn entern die Allianz Arena, Rob Friend erwischt die Schwalbentaste und Harry holt für Derrick in Cottbus den Wagen. Die 11FREUNDE-Blogschau. Die 11Freunde-Blogschau Es gibt Tage, an denen lohnt es sich nicht einmal, morgens aufzustehen. So einen Tag hatte der FC Bayern am Samstag: Die Frühstückscroissants zu weich, der Original Cafe Latte von Chef Tony zu heiß, der Frotte-Bademantel nicht fluffig genug und sogar die lächelnden Buddhas sind aus der Säbener Straße verschwunden. Klar, dass man da am Nachmittag keine Lust auf Fußball hat. Dann verliert man eben auch einmal mit 2:5 gegen den Werder Bremen.

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So oder so ähnlich kann man sich die Heimniederlage der Bayern erklären. Muss man aber nicht, wie ein Blick in die Blogs der Republik zeigt. Bayernfan Breitnigge etwa hat es im Vergleich zu Kollegen wie Fehlpass nicht die Sprache verschlagen, weshalb man in seinem Blog eine ausführliche Analyse des Spiels aus bajuwarischer Sicht nachlesen kann. Quintessenz des Textes: »Der FC Bayern ist zurück! Und zwar als perfekter Aufbaugegner.« Das Spiel scheint traumatische Auswirkungen auf den guten Breitnigge gehabt zu haben – zwar ist seine Analyse so nüchtern wie Berti Vogts im Interview nach einem 1:0-Sieg, während des Spiels hatte er aber erschreckende Visionen vor Augen: »Dagegen dachte ich beim 0:2 spontan an englische Fünftligisten, beim 0:4 schon an gar nichts mehr. Denn sowas hatte ich beim FC Bayern noch nie gesehen. Spätestens beim 0:5 erschien mir der Titan.« Die Kidderminster Harriers zusammen mit Oliver Kahn in der Allianz Arena – eine Kombination mit der Sprengkraft des Hosenbundes von Ottfried Fischer.

Während sich Breitnigge mit solchen Bildern vor Augen durch das Spiel quälen musste, gab es auf Seiten der Bremer mehr zu lachen. »Als die Premiere-Kameras irgendwann zwischen dem 3 und 4 zu 0 die Bayrischen Urgesteine ins Fadenkreuz holten, konnte ich nicht mehr an mich halten. Dazu kam dann noch der immer depressiver werdende Marcel Reif, der anscheinend Angst um seine Freibier nach Spielende hatte und sie daher bereits während der 2. Halbzeit verköstigte«, freut man sich bei Werderblog. Allerdings ist das bemerkenswerterweise die einzige kleine Spitze in Richtung München. Die restliche Spielanalyse überzeugt durch eine Souveränität, die an den Bremer Double-Gewinn 2004 erinnert.

Die beiden Gegner des Wochenendes gehen erstaunlich sachlich mit dem Kantersieg der Werderaner in München um. Die wahren Ausmaße Bayern-Niederlage offenbaren sich deshalb erst, wenn man den Spaziergang durch die einschlägigen Vereinsblogs fortsetzt. Selten wurde ein Spiel an so vielen verschiedenen Stellen erwähnt. Entscheidend is auf’m Platz bringt die bundesweite Verwunderung auf den Punkt: »0:1, 0:2, 0:3, 0:4, 0:5 – nach 70 Minuten hat es den Anschein, die Einblendungen auf der Videowand sind Teil des Deeskalationsprogramms, das auf den Rängen für Ruhe und Gelassenheit sorgen soll. […] Erst zuhause und zumindest beim ungläubigen Telefonieren nach dem Spiel wird allen klar: Alles doch nicht fake, Bayern und Köln sind tatsächlich die Deppen des Tages.« Wenig überraschend auch der euphorische Bericht im Schalke-Blog Auswärtssieg!: »Großer Jubel ertönt nur noch dann, wenn mal wieder ein Treffer aus München vermeldet wird. Aus München? Ja, natürlich nicht für, sondern gegen die Bayern. 0:3 schon zur Pause liegen die hinten gegen Bremen, unter anderem durch ein Granatentor unseres Mesut, der heute offenbar einen ahnetag erwischt hat. Inzwischen also 0:4, dann gar 0:5 - unglaublich.«

Während sich ein Großteil der Blogger die Palette an Emotionen auf mehr oder weniger verhohlene Schadenfreude begrenzt, geht Frau Pleitegeiger einen Schritt weiter und hinterfragt die Niederlage geradezu investigativ: »Oder steckte hinter dem ganzen Debakel am Ende eins-zwei-drei-vier-Beckstein, alles muß versteckt sein? Hat er vielleicht nicht nur behauptet, man könne nach zwei Maß noch Auto fahren, sondern auch noch Fußball spielen? Zumindest beim FC Bayern hatte ich die Vermutung, daß die vorm Spiel gegen die Fischköppe noch schnell auf dem Oktoberfest waren. Schließlich is o’zapft.« Erschrocken stellen wir fest: An dieser Behauptung ist einiges dran. Immerhin ist Beckstein bekennender Fan des Bayern-Rivalen 1.FC Nürnberg. Nur Edmund Stoiber mag sich ausmalen können, welche hinterlistigen Aussagen sein Nachfolger Beckstein vor dem kommenden DFB-Pokalspiel zwischen Bayern und Nürnberg treffen wird. Also Vorsicht, liebe Bayernspieler: Auch eine Aussage á la »Nach ein paar Tropfen LSD im Wasser kann man immer noch Fußball spielen« sollte kritisch hinterfragt werden!

Besonders kritisch hinterfragt wird nach diesem 5.Spieltag auch die Leistung von Schalkes Kevin Kuranyi. Nachdem er beim 1:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt vom eigenen Publikum ausgepfiffen wurde, befassen sich die Blogger eingehend mit der Frage, ob das gerechtfertigt sein kann. Einhellige Meinung der Schalke-Blogger: »Nur Pfeifen pfeifen«, wie Corius es formuliert. Der einzige Schreiberling, der das anders sieht, ist bezeichnenderweise mit Entscheidend is auf’m Platz ein Gladbacher: »Kevin Kuranyi ist […] kein armes Opfer, sondern ein Spieler, der lediglich die Audioversion seines Formtiefs von den Fans zu hören bekommt.« Das Spiel gegen Frankfurt selbst wird von den Bloggern mit der Routine abgehandelt, mit der Johannes B. Kerner seine Gesprächspartner verbal einölt. Blogundweiss hält fest: »Wie die Bayern in ihren besten Tagen« und meint damit wahrscheinlich nicht die Bayern vom Samstag, den 20.September. Schalkefan dagegen zahlt ins virtuelle Phrasenschwein ein: »Es war ein schmutziges 1:0 in einem schmutzigen Spiel. Doch die Punkte stinken nicht.« Blog-G und Auswärtssieg! machen es dafür wie das DSF und peppen ihre Spielberichte mit kleinen Rätseln auf. Wer also weiß, welche beiden Spieler bei Frankfurt indiskutable Leistungen bringen und was »Läwedeäschällersche« oder »Äbussebejel« bedeuten könnte, muss nur auf die Hot-Button-Runde dieser Blogs warten. Eine Automarke mit A wird außerdem jederzeit noch gerne genommen.

Richtig was zu Lernen gibt es dafür in der Nachbetrachtung des Spiels zwischen Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC Berlin. Herthabsc.blogspot erklärt uns, was »Konsolidierungsspieler« sind und Entscheidend is auf’m Platz weiß, warum Rob Friend so manche Chance liegen hat lassen: Er ist fremdgesteuert. »Friend ist vom Abpraller so überrascht, dass er in den Fünfmeterraum segelt, als habe der Spieler am Playstation-Kontroller aus Versehen die Taste gedrückt, mit der man Schwalben simulieren kann.« Anscheinend ist dem Herren am Gamepad in diesem Spiel wenig gelungen – Hertha gewann in Gladbach mit 1:0.

Überraschend verloren hat am vergangenen Wochenende nicht nur der FC Bayern München. Auch die Niederlage von Hamburg bei Wolfsburg erstaunt, zumindest in der Art und Weise wie sie entstanden ist. Mit 3:0 schossen Magaths Wölfe den HSV aus dem Stadion und nahmen ihm damit die Chance auf die Tabellenführung. In einer anderen Wertung mischen die Hamburger dafür weiterhin vorne mit, meint zumindest Pleitegeiger: »Ich muß in Zukunft wirklich aufmerksamer den Sportteil lesen. Dann hätte ich letzte Woche sicherlich mitbekommen, daß die DFL einen spontanen Wettbewerb ausgerufen hat. Gesucht wurde der dümmste Verein die Schießbude der Liga. Besonders engagiert nahmen an diesem Wettbewerb Hannover 96, Bayern München, der HSV und der BVB teil. And the winner is… Nee, das verrat ich vielleicht ein anderes Mal.« Vielleicht gibt ja schon das nächste Heimspiel gegen Gladbach Aufschluss über die Titelchancen des HSV – in welcher Wertung auch immer.

Warum die TSG Hoffenheim besser als Schalke 04 ist, erfährt der geneigte Leser bei schwatzgelb: »Das 4:1 nach 90 Minuten muss man sogar als schmeichelhaft bezeichnen. Hoffenheim war in allen Belangen überlegen. Läuferisch, taktisch, in Sachen Ballsicherheit, in der Raumaufteilung, beim Verschieben der Mannschaftsteile. Was Gelsenkirchen im Derby nur über 60 Minuten abrufen konnte, hat Hoffenheim über 90 Minuten demonstriert.« Schade, und wir dachten, der Grund wäre Ex-Schalke-Trainer Ralf Rangnick. In einer Hinsicht hat Hoffenheim aber auf jeden Fall Nachholbedarf und angesichts der herben Niederlage der Dortmunder wird das von deren Fans auch schonungslos angesprochen. So schreibt Anygivenweekend: »Die Fans der Gastgeber sind zwar noch weit von der ersten Liga entfernt, deren gesangliches Repertoire beinhaltete nicht viel mehr als ›wenn wir wollen, kaufen wir euch auf‹ und ›einer geht noch…‹ und verbreitete damit eher Oktoberfest- als Fußballstimmung«. Trotzdem schränkt man ein: »Aber die Hoffenheimer Mannschaft findet sich in der höchsten Spielklasse bisher sehr gut zurecht.«

Während Hoffenheim gegen Dortmund tollen Fußball auf den Rasen zauberte, hatte die Partie zwischen Energie Cottbus und dem VfL Bochum das »Spannungslevel einer alten ›Derrick‹-Folge«, wie Zum blauen Blog es formuliert. Dem kargen 1:1-Unentschieden kann er wenig abgewinnen. »Spielkultur hatte heute mal wieder frei. Unterhaltungswert boten – wenn überhaupt – die stümperhaften Versuche auf beiden Seiten, irgendwie in Tornähe zu kommen.« Bei solchen Worten der eigenen Fans sind wir froh, dass die Partie Cottbus-Bochum in der Abstimmung über den 11FREUNDE-Ticker es gehalten hat, wie die Bayern-SPD: unter 20 Prozent.

Deutlich größer war da schon die Stadionauslastung bei der Partie Arminia Bielefeld gegen den 1.FC Köln. Allerdings: Den Bloggern der Arminia ist die neue Haupttribüne immer noch nicht voll genug. »Sei mir erlaubt an dieser Stelle davon zu träumen, was wäre wenn die Osttribüne zu angemessenen Preisen mit tausenden weiteren Armina-Fans gefüllt wäre, die nahezu gleichwertig ihre Arminia euphorisch unterstützen würden … aber das Ende vom Traum verrate ich nicht!«, schreibt Gegenüber Arminia. Auch im Blog 5 überwiegt der Zorn über den Stadionumbau die Freude über den 2:0-Sieg gegen Köln. Er ärgert sich, »dass auch an diesem Spieltag große blaue Hartschalen, pardon: Hochpolstersitzplatz-Lücken auf der neuen Osttribüne zu sehen waren«, relativiert allerdings: »Andererseits: 24.400 Zuschauer gegen so einen Emporkömmling wie den FC Köln sind eigentlich ganz o.k.« Na dann ist doch alles in Ordnung.

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