Die 11FREUNDE-Blogschau

»Spitzenzweiterreiter, hey!«

Auf Dortmund wimmelt es vor Baustellen und im Berliner Spiel vor Zahlen. Kölns Mondragon wartet auf den Bus und die Werder-Fans erklären uns, wie es mit dem Toreschießen gegen Bremen klappt. Die 11FREUNDE-Blogschau. Die 11FREUNDE-BlogschauImago Wie gut, dass die Fußball-Bundesliga wieder begonnen hat. Schluss mit den Prognosen, Schluss mit vagen Hoffnungen und stillen Wünschen! Endlich treffen die Gedankenspiele der Sommerpause auf die Realität, endlich zeigt sich was Traum und was Wirklichkeit ist... oder? Ein Blick in die bekanntesten Fanblogs zeigt, dass sich eigentlich kaum etwas geändert hat. Zwar nehmen die Anhänger die Ergebnisse des ersten Spieltags wohlwollend hin, so wirklich abrücken von ihren Saisonprognosen möchten sie aber noch nicht.

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So fragt zum Beispiel samba-koeln im Nachbericht zur Niederlage des 1.FC Köln gegen Wolfsburg: »Aber mal ganz ehrlich: Welche Mannschaft ist am ersten Spieltag der Saison schon Meister geworden, welche ist am ersten Spieltag abgestiegen??« Richtig, noch keine. Obwohl letztes Jahr zwei der letzten Drei in der Tabelle des 1. Spieltags zu den späteren Absteigern gehörten: Rostock und Nürnberg. Und der Tabellenführer des 1.Spieltags später auch Meister wurde. Aber wer will denn unken... Genauso nüchtern wird das Spiel des 1.FC Köln übrigens auf der Südtribüne betrachtet, der Treffer zum 1:2 war ja auch vorhersehbar: »Auch dass ein Torwart, der mit einer Körperspannung vor seinem Kasten steht, als wäre das hinter ihm ein Wartehäuschen und er würde hier nur mal eben auf den Bus warten, während ein Angriff auf sein Tor läuft, anschließend einen blöden Fehler macht, war abzusehen.«

Weniger vorhersehbar war das 2:2 der Bayern gegen den Hamburger SV. Doch einen echten Bayernfan wie Breitnigge wirft das nicht aus der Bahn. Wie nach einem Blitz-Rendevouz mit Klinsmanns Buddha analysiert er das Spiel zwar mit scharfem und kritischen Blick, am Ende steht aber die versöhnliche Erkenntnis: »Ich glaube seit gestern abend, 6 Minuten nach dem Spiel, wieder daran, dass alles gut wird.« Irgendwie muss diese Gelassenheit in der Münchner Luft liegen, denn auch bei probek konzentriert man seine Wut auf ganz andere Dinge als Fußball: »In einer Arena treten Opernsänger vor Opernpublikum auf. Passt doch. Soll sich aber dann später keiner über die Scheiß-Stimmung aufregen.« Keine Sorge, tun wir nicht.

Stattdessen widmen wir uns lieber dem »Fußball-Lehrgang: So schießt man ein Tor gegen Werder Bremen« auf werderblog.net. Wer weiß, wann man es noch mal gebrauchen kann. Schuld am zweimaligen Ausgleich der Arminen war aber nicht die Abwehr Bremens. Nein, die Gründe liegen ganz woanders, behauptet zumindest blog5: »Schuld war Mario, der neue Einpeitscher von Block 5 äh 2, der in seinem Südafrika-Urlaub in wochenlanger Kleinarbeit gelernt hat, überaus kunstvoll auf seiner „Boogie Blast - The Original Vuvuzela“ den müden Arminen-Kickern den Marsch zu blasen« Nach dem zwei zu zwei gegen Arminia Bielefeld hat Werder in gewohnter Manier einen Patzer des direkten Meisterschaftskonkurrenten Bayern München nicht ausnutzen können. Anders als Schalke 04, das mit einem souveränen drei zu null gegen Hannover 96 von der Tabellenspitze grüßt. Aber kein Grund schwarz zu sehen, meint zumindest weser-blog.

Bei Schalke dagegen feiert man schon jetzt den Tabellenzwischenstand. »Spitzen(zweiter)reiter, Spitzen(zweiter)reiter hey hey…….« lautet die Überschrift zum detaillierten Spielbericht mit Fotostory-Charakter auf schalker.wordpress. Weniger euphorisch geht es dafür bei dreieckeneinelfer zu, wo man grundsätzliche Fragen erörtert: »Wieso werden Schalker Spieler eigentlich grundsätzlich wieder auf den Platz geschickt, bevor sie kurze Zeit später für 4 bis 6 Wochen ausgewechselt werden?« Und auch auf die neue Regelauslegung der Schiedsrichter für Halten im eigenen Strafraum wird in einem prickelnd erotischen Erlebnisbericht eingegangen: »Ich war nah dahinter. Berührt ja, gedrängelt habe ich nicht. Ob meiner Größe war ich eh im Vorteil. Ich ergriff die Initiative und konnte die Situation klären. In dieser jungen Bundesligasaison hätte ich wohl die rote Karte gesehen und es wäre auf Strafstoß entschieden worden. Daheim im Bad mit meiner Frau, vor dem Schränkchen mit den Zahnbürsten, ging der Tag harmonischer zu Ende.« Glück gehabt, Herr Wieland.

Die Meisterfeier der laufenden Saison findet übrigens auf dem Balkon des Bloggers Easyfunk von welt-hertha-linke statt. »Denn mit Hertha geht es wieder vorwärts, aufwärts«, schreibt er. Anschließend hält er ein Kurzseminar über »Polyvalenz« im System von Hertha und die komplizierte Arithmetik im Berliner Spiel. So ein 2:0 Auswärtssieg gegen Eintracht Frankfurt beflügelt anscheinend theoretische Interpretationen, denn auch der Hertha-BSC-Blog befasst sich eingehend mit der Berliner Taktik. Gipfelnd in der Aussage: »Die Hertha spielte als weißes Ballett, und deutete an, dass sie etwas in diese Richtung im Sinn (und im Vermögen) hat.« Weniger gute Stimmung herrscht dagegen erwartungsgemäß bei den Fans von Gegner Frankfurt. Insgesamt regiert aber auch hier die Zuversicht. Blog-G lässt sich »die Laune nicht verderben« und auf Eintrachtadler formuliert man es knackig und pragmatisch: »Schlecht gespielt, verdient verloren. Nächstes Spiel in Köln besser machen.«

Das nächste Spiel für Borussia Dortmund findet daheim gegen Bayern München statt und während dieser Zeit kann sich Trainer Jürgen Klopp als Bauleiter beweisen, glaubt man Schwatzgelb und ihrem ausführlichen Spielbericht. Allerdings führte der 3:2-Sieg von Dortmund nicht bei allen Dortmund-Fans zu Freudensprüngen, was vor allem an den Ausfällen von Dede und Weidenfeller sowie dem Wechsel von Petric zum Hamburger SV liegt. Die Situation treffend beschreibt Anygivenweekend: »War das nicht ein echtes Klopp-Spiel zum Auftakt? Leben, Spielfreude, Drama. Und am Ende gelingt der ersehnte Auswärtssieg, der erste seit fast 30 Jahren zum Auftakt. Aber leider bleibt ein ganz bitterer Nachgeschmack…«

Mehr als ein bitterer Nachgeschmack verdirbt den Bloggern von Borussia Mönchengladbach die Laune. VFLog beispielsweise schreibt: »Ich mag nicht mehr. Wirklich! Natürlich wussten wir in diesem kleinen Blog auch, dass die erste Bundesliga nicht die zweite ist. (Soviel Mathe können auch wir.) Dass also, wo einst Tabellenführung angesagt war, nun wieder Abstiegskampf kommen würde. Aber insgeheim, quasi an unserem Verstand vorbei, hat unser Herz uns doch eingeflüstert, dass dieses Team mit diesem Trainer Großes zu leisten imstande ist. Und dann das! Drei Tore wie drei Spaziergänge. Der Borussiapark gleich im ersten Heimspiel keine Festung, sondern eine Gummihüpfburg, die allen Besuchern Freude macht.« Auch bei Entscheidend-is-auf’m-Platz kann man sich nicht so recht mit dem Saisonstart anfreunden. Dafür gibt es versteckt in einem sehr ausführlichen Erlebnisbericht andere interessante Details zu erfahren, wie zum Beispiel das vom Gladbacher »Stadionsprecher, der sich in der Obi-Werbung neuerdings von Frauen mit russischem Einschlag durch die Blume zum Sex einladen lässt.« Das war uns neu, ist aber für den Plausch am Stammtisch zwischengespeichert.

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