Die 11 größten Halbfinalspiele der WM-Geschichte

Jahrhundertschlachten und eine Klatsche

3. Deutschland - Frankreich 8:7 n.E., 1982
Ein Jahrhundertspiel? Nicht schon wieder! O doch. Pierre Littbarski trifft zum 1:0, Michel Platini gleicht aus. Schumacher nagelt Battiston um (»Es war wirklich keine Absicht«), Amoros trifft in der 90. Minute nur die Latte, und Fischer scheitert auf der Gegenseite. In der Verlängerung führen die Franzosen schon mit 3:1 nach Toren von Marius Tresor und Alain Giresse. Was dann folgt, soll der ehemalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach erzählen, der zu dieser Zeit noch als Journalist für den Sport-Informationsdienst tätig ist: »Niemand merkt, dass sich auf der Gegenseite ein Mann namens Rummenigge die Trainingsjacke auszieht und mit seiner Einwechslung den vierten Akt einleitet. Er steht unter dem Motto der Auferstehung einer fast schon aussichtslos geschlagenen Mannschaft. Rummenigge und Fischer schaffen das, was niemand für möglich hielt und Portugals ehemaligen Weltstar Eusebio sagen lässt: Die Deutschen besitzen eine Kondition aus Stahl.'« Nicht nur das: Die Deutschen gewinnen auch im Elfmeterschießen.

2. Brasilien - Deutschland 1:7, 2014
War das noch real oder nur die Wiederholung? Nur der Spielstand gab Gewissheit in diesen irren fünf Minuten. Thomas Müller und Miroslav Klose, der damit zum besten WM-Torjäger der Geschichte wird, hatten schon getroffen. Und jetzt rollte der Zug bestehend aus Toni Kroos, Sami Khedira und Mesut Özil schon wieder auf einen Haufen desillusionierter Brasilianer zu. Am Ende steht ein 1:7, dass sich als »Mineiraço« tief in die Seele des Gastgebers brennt. Nur eine interne Absprache in der Halbzeit, beim Stand von 5:0, soll dafür gesorgt haben, dass diese Klatsche nicht noch härter ausfiel.

1. Italien - Deutschland 4:3 n.V., 1970
Das Spiel der rasselnden Lungen. So erinnerte sich jedenfalls Gianni Rivera, Stürmerstar der Italiener, an das Halbfinale von 1970. Die Hitze in der Nachmittagssonne und die Höhenluft ließen das Duell zu einer Tortur für jeden Raucher auf dem Platz werden. Das 1:0 der Italiener nach neun Minuten schien Deutschland schon nicht mehr ausgleichen zu können, da traf Karl-Heinz Schnellinger (»ausgerechnet Schnellinger!«) in der Nachspielzeit. Sein einziges Länderspieltor. In der Verlängerung kämpften beide Mannschaften bis zur totalen Erschöpfung, Franz Beckenbauer spielte trotz Schultereckgelenksprengung durch. Zweimal traf Gerd Müller, zweimal die Italiener. Doch Gianni Rivera, der Golden Boy Italiens, schoss in der 111. Minute das entscheidende 4:3. Vier Tage zuvor hatten die deutschen Journalisten bereits das Viertelfinale gegen Weltmeister England, das die deutsche Elf nach einem 0:2-Rückstand mit 3:2 in der Verlängerung gewonnen hatte, als Jahrhundertspiel bezeichnet. Nach dem Italienspiel mussten sie diese Einschätzung noch einmal revidieren. Am Azteken-Stadion erinnert mittlerweile eine Gedenktafel an die »Partido del Siglo«.