Die 11 des Spieltags - Oscar-Edition

Und der Oscar geht an…

Große Dramen, fantastische Schauspieler und brilliante Underdog-Geschichten – hier kommen die 11-des-Spieltags-Oscars 2018.

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Bester Hauptdarsteller – Tayfun Korkut

Seit »Rocky« hat es ein derart fulminantes Underdog-Drama nicht mehr gegeben. Nach diversen Fehlschlägen kriegt der sich eigentlich auf dem absteigenden Ast befindliche Fußballtrainer Tayfun Korkut durch eine wahnwitzige Management-Entscheidung noch eine allerletze Chance. Die Stimmung im ansonsten so beschaulichen Schwabenländle ist aufgeheizt, ihm schlägt offene Ablehnung entgegen. Doch Korkut beißt sich durch, mit Hilfe seines Sidekicks Mario Gomez legt er eine beachtliche Siegesserie hin. Klassische Tellerwäscher-zum-Millionär-Story mit schwäbischem Lokalkolorit. Ebenfalls überzeugend: Michael Reschke als Bösewicht, der versucht, den Klub durch unnötig viele, anderswo ausrangierte Altstars von innen zu schwächen.

Bester Nebendarsteller – Miiko Albornoz

Mit seiner dreisten Schwalbe im Spiel gegen Eintracht Frankfurt legte Hannovers Miiko Albornoz die filmisch vielleicht beste Flugeinlage sei Tom Cruises Salto in »Top Gun« hin. Eine Schwalbe, die so gut war, dass sie sich Schiri Marco Fritz in der Video-Area direkt noch einmal ansehen wollte, was in einem zurückgenommenen Elfer und eine Gelbe Karte für Albornoz zur Folge hatte. Von uns gibt es direkt die nächste Auszeichnung, Seriensieger Arjen Robben geht diesmal leer aus. Gratulation. 

Bester Film – Die Saison des HSV

Es ist ein Horrorschocker vom Feinsten: Eine Gruppe von Chaoten übernimmt den Jurassic Park, dummerweise hat man in der Führungsriege keinerlei Ahnung davon, wie man ein Geschäft mit Ruhe und Augenmaß führt, zudem sind die Tierpfleger allesamt eher zweitklassig. Und so kommt es zu einer cineastischen Volte, die man selten sieht: Noch bevor der Dino ausbrechen und sich ein spannender Film entwickeln kann, ist er tot, zugrunde gerichtet von inkompetenten Managern, Vorsitzenden, Präsidenten und viel zu vielen Trainern. Eine wunderbare Parabel auf unsere Leistungsgesellschaft, berührend und aufrüttelnd zugleich, vor allem wenn man bedenkt, dass der gesamte Film – auch die Fußballspiele – mit Laienschauspielern gedreht wurde. 

Beste Regie – Michael Frontzeck

Frontzeck, der auch als Mitfavorit auf den Oscar als bester Hauptdarsteller galt, bekommt völlig verdient den Oscar für die beste Regie. In 90 Minuten schaffte er im Spiel gegen Union Berlin mit seinem Ensemble einen Spannungsbogen, den gerade die Pfalz lange nicht gesehen hatte: 4:3 nach viermaliger Führung, und eine Entschlossenheit, die man ansonsten nur von Bruce Willis kennt, mit dem Frontzeck vielleicht verwandt ist. Auch das offene Ende des Pfälzer Dramas macht Lust auf mehr und lässt gekonnt die Hintertür für ein Sequel offen.

Bestes adaptiertes Drehbuch – Christian Streich beim FC Bayern

Es ist eine Groteske, die wir in dieser Qualität seit »Birdman« nicht mehr hatten. Durch eine Reihe absurder Umstände und kurioser Verkettungen kommt der verschrobene Kleinstadt-Fußballlehrer Christian Streich zum Trainerposten beim großen FC Bayern. Was folgt, ist feinstes Humor-Kino im Stile der großen Screwball-Komödien der Dreißiger und Vierziger Jahre. Christian Streich im Schlafanzug auf einer PK vor dem Champions-League-Finale. Christian Streich mit aufrüttelnder Rede zum Stand der Menscherechte – im FCB-Trainigslager in China. Christian Streich, der sich von Mats Hummels erklären lässt, was ein Kamm ist und wie dieser funktioniert. Christian Streich, der stoisch eine wütende Bankettrede Kalle Rummenigges über sich ergehen lässt. Christian Streich in Lederhosen auf der Wiesn, wie er zum Amüsement aller einen Brennesseltee bestellt. Ein fulminantes, ein absurdes Drehbuch. Und ein wichtiges, gäbe dieses Chaos der Liga doch die verloren geglaubte Spannung zurück.