Die 11 des Spieltags (9)

Handshake des Grauens

Die HSV-Fans feiern, Goretzka und Meyer brillieren und Martin Kind und Gerhard Schröder schocken uns. Zittert noch immer: unsere 11 des Spieltags.

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Die Fans des HSV 

Die Stimmung im Volksparkstadion glich gegen die Bayern einer Beamtenstube am Freitagmittag: jede Minute, in der keiner reinkommt, wird frenetisch gefeiert. Als sich der HSV dann auch noch erste Halbchancen (Eckball (kurz ausgeführt), missglückte Flanken und harmloser Pass in den Sechzehner) herausspielte, durften Hamburgs Fans zum ersten Mal seit dem letzten Nichtabstieg wieder so richtig frenetisch feiern. Mit Auf-der-Sitzschale-stehen, lauten HSV-Rufen und diesem ganzen schlagermoveartige Quatsch. Ach, was könnte das für ein Verein sein, wenn da unten jede Woche eine Fußballmannschaft stehen würde. Ob sich der HSV allein per Stimmung für den Europapokal qualifiziert hätte, konnte sich nach der Roten Karte (aka der eine Bürger, der sich unbedingt vor dem Wochenende noch ummelden will) an Gideon Jung nicht mehr zweifelsfrei sagen lassen. 

Der Handshake zwischen Schröder und Kind

Es gibt Dinge, die wollen wir unbedingt und immer wieder sehen: das WM-Finale von 1978, wie uns ein Flamingo im Ober-Kostüm während der Arbeit Drinks serviert und diese Parfümwerbung mit Sienna Miller. Dann gibt es Dinge, die wir gesehen haben und die wir nie wieder sehen wollen: unseren eingewachsenen Zehennagel und wie er entfernt wurde, die Liebes-SMS an unsere Ex-Freundin oder die neuen Star-Trek-Filme. Und dann gibt es den Torjubel zwischen Gerhard Schröder und Martin Kind. Etwas, das wir sehen mussten, weil uns jemand überredet hat und das wir nie wieder vergessen können. Wie eine Umarmung zwischen Darth Vader und Sauron. Oder einem Film mit zwei Frauen und einem Becher. Oder dem hier:

Leon Goretzka und Max Meyer (zum zweiten Mal)
Letzte Woche hatten wir Leon Goretzka und Max Meyer als das nächste Traumduo der Bundesliga ausgesprochen. Als die kongeniale Zinedine-Zidane-Patrick-Viera-Kombination, die Schalke nie hatte. Als das genaue Gegenteil von Gerhard Schröder und Martin Kind. Und jetzt sitzen wir hier und müssen bekräftigen, dass Goretzka und Meyer das beste Duo seit der Erfindung des Safri Duos sind. Wenn das so weiter geht, wir die beiden also auch in einer Woche wieder in die »11 des Spieltags« schreiben müssen, können Chip und Chap wahrscheinlich Rente anmelden. Glückwunsch dazu. Vor allem an alle Fans von Schalke 04. 

Kai Havertz

Bayer Leverkusen schoss in Mönchengladbach fünf Tore. Und keins davon schoss Kai Havertz. Trotzdem steht der 18-Jährige in der 11 des Spieltags. Und das nicht nur, weil er gleich bei drei Toren entscheidend mitwirkte, sondern auch sonst jeden Angriff in der zweiten, und damit deutlich besseren Halbzeit aus Leverkusener Sicht mit derart viel hoher Geschwindigkeit einleitete, dass die Deutsche Bahn schon die besten Ingenieure auf den Weg geschickt hat, um Havertz zu testen. Wahrscheinlich werden sie nichts finden, außer einen jungen Profi, der zuverlässig seine Arbeit macht und dabei meistens cool bleibt. Aber das wäre für jeden Pendler der Bundesrepublik ja auch schon ein Fortschritt.

Niklas Füllkrug

Der Stürmer von Hannover 96 sorgte eingewechselt beim Stand von 0:1 für das stärkste Comeback seit unserer Rückkehr in die Stammkneipe am Dienstagabend. Schoss die Niedersachsen innerhalb von zwölf Minute zum Sieg und war damit auch Grund für die Umarmung von Schröder und Kind (siebe oben), worüber wir einfach mal hinwegsehen. Füllkrugs Spitzname ist übrigens »Lücke«, was eigentlich nur damit zusammenhängen kann, dass er diese besser füllt als jeder Zahnarzt.