Die 11 des Spieltags (9)

Leon, der Profi

Leon Andreasen spielt Handball, Thomas Müller thomasmüllert und Vedad Ibisevic packt die Sense aus. Geht mit gestreckten Beinen voraus – unsere 11 des Spieltags

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Leon Andreasen
Der Aufreger des Spieltags war sicherlich Leon Andreasens Hand-Tor im Spiel gegen Köln. In der 38. Minute bugsierte Hannovers Mittelfeldmann eine verlängerte Ecke so deutlich mit der Hand ins Netz, dass irgendwo in Frankreich Thierry Henry spontan Ausschlag auf dem linken Unterarm bekam. Schön auch, wie sich Andreasen direkt im Anschluss mit Trainer Michael Frontzeck beriet. Dabei soll es freilich um Taktik gegangen sein, und nicht etwa darum, wie Andreasen mit der Situation umzugehen habe, seine Hand gerade schamloser eingesetzt zu haben als weiland George Michael auf einer öffentlichen Toilette.

Bastian Dankert
Jagut, seit der Sache mit den Knoblauchchampignons und der anschließenden Kettenkarussel-Fahrt auf der letzten Kirmes wollten wir uns in Sachen Fehlentscheidungen eigentlich nicht mehr so weit aus dem Fenster lehnen. Aber Leon Andreasens Handtor war so offensichtlich, dass jeder Brillenträger im Stadion beim Anblick der Szene spontan ein paar Dioptrien hinzugewann. Nun ist es eben so, dass man manchmal Dinge einfach nicht sieht, so wie wir unseren Namen auf dem Putzplan in der Redaktionsküche. Dankerts eigentlicher Fehler war also, dass er Andreasen nicht einfach gefragt hat, ob er den Ball mit der Hand ins Tor bugsiert hat. Woraufhin Michael Frontzeck aber wahrscheinlich spontan Oliver Held eingewechselt hätte.

Franz Beckenbauer
»Ja mei, der Franz!?«, mag an dieser Stelle der ein oder andere Leser ob des Kaisers Nominierung für die 11 des Spieltags denken, schließlich datiert Beckenbauers letzte sportliche Höchstleistung von der FCB-Weihnachtsfeier 1999. Nun sind wir bekanntermaßen nostalgische Menschen und wollen daher die Chance am Schopfe packen, Franz Beckenbauer ein möglicherweise letztes Mal zu ehren, bevor im Zuge des Skandals um die WM 2006 alles den Niersbach runtergeht und sich Beckenbauers Andenken unumkehrbar wandelt. In diesem Sinne: Ja mei.

Thomas Müller
Prinzipiell müsste Thomas Müller eine Wild Card für die 11 des Spieltags haben, denn in all seiner thomasmüllerigen Thomasmüllerhaftigkeit wirkt der Bayern-Stürmer oft so gar nicht wie die maschinenhaften Spitzenathleten, die ihn umgeben, sondern eher wie ein von einem Think Tank aus Augsburger-Puppenkiste-Designern, FCB-PR-Leuten und dem Satirefachblatt »Titanic« ausgedachter Gegenentwurf. Was den Müllerthomas natürlich nicht daran hindert, am laufenden Band Tore zu müllern und Titel und Rekorde zu sammeln wie andere Leute Briefmarken. Am Samstag nun schoss Müller den FCB zum nächsten Rekord: Nie zuvor hat eine Mannschaft die ersten neun Saisonspiele gewinnen können. Womit wir bei...

Norbert und die Feiglinge
....wären, jener lustigen Musikgruppe, die unsere vor Neid und Missgunst ganz verwelkten Herzen einst mit dem Überhit »Bayern hat verloren« erfreute. Nun ist es aber leider so, dass die Bayern nicht mehr verlieren, nie wieder verlieren werden, so wie es aussieht, niemand also mehr das Lied hört und »Norbert und die Feiglinge« wegen ausbleibender Tantieme höchstwahrscheinlich die Miete nicht mehr zahlen können. Spenden sind daher gerne gesehen, weitere Infos gibt es unter wieeeeeeee.amateure@11freunde.de