Die 11 des Spieltags (9)

0:0 gewonnen

Die Gladbacher erhalten zumindest die Hoffnung am Leben, in Frankfurt verabreden sich die Abwehreihen zum Blinde Kuh spielen und in Dortmund kriselt es wie lange nicht. Muss jetzt weiter hart arbeiten und geht da bestimmt gestärkt draus hervor - die 11 des Spieltags

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Borussia Mönchengladbach
Gratulieren wollen wir eingangs dem gesamten Team aus Gladbach, dem tatsächlich das Kunststück gelang, gegen die Außerirdischen vom FC Bayern München ein Fußballspiel nicht nur nicht zu verlieren, sondern ganz im Gegenteil sogar mehr als deutlich am Sieg zu schnuppern. Nach dem Remis sind die Bayern zwar immer noch Tabellenführer vor dem Tabellenzweiten aus Gladbach, immerhin aber ist der Rekordmeister nicht schon komplett enteilt und unaufhaltsam auf dem Weg zur nächsten Fantasierekord-Dominanz-Demütigungs-so-macht-das-echt-keinen-Spaß-mehr-Meisterschaft. Unsere zarte Hoffnung heißt also Gladbach, auf dass die Fohlen das Meisterschaftsrennen zumindest eine Weile lang semi-spannend halten. Und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt bzw. wahrscheinlich dann, wenn Matthias Sammer sie ins Jenseits motzt. Was die Gladbacher angeht, bleibt ihnen derweil gar nichts übrig als oben dranzubleiben. Denn beim »Völlig-Egal-Cup für Retorten-und-Werksvereine«, den die Verfolger aus Hoffenheim, Wolfsburg und Leverkusen unter sich ausspielen, dürfen die Gladbacher nicht mitmachen. 

Hakan Calhanoglu
Während Hakan Calhanoglu am Sonntag zuhause Rubic’s Cubes mit dem Außenrist löste, Sonaten von Bach mit dem Vollspann fehlerfrei auf dem Klavier spielte oder im Haushalt half, indem er das Geschirr per Freistoß in die Küchenschränke schoss, versammelten sich Teile der Redaktion auf dem Bolzplatz um die Ecke, um Calhanoglus Freistoßtechnik dem Praxistest für schmärbäuchige Schreibtischhengste zu unterziehen. Mit traurigen Ergebnissen. Mehrere Kollegen kugelten sich beim verschämten Kopfschütteln das Genick aus, irgendwann fragten empörte Passanten, warum wir Freistöße so hassen würden und schließlich erreichte uns eine Unterlassungsklage des DFB, mit der richterlichen Anordnung, die ehrenwerte Praxis des Freistoßschießens nicht weiter in den Dreck zu ziehen. Also gingen wir nach Hause und sahen uns Calhanoglus wunderbares Freistoßtor gegen Schalke wieder und wieder an, bei dem er den Ball so derart gefühl- und liebevoll zum Siegtreffer über die Mauer hob, dass der Valentinstag in Leverkusen spontan auf den 25. Oktober verlegt wurde und sich die Menschen dort Herzen mit Fußballmuster oder kleine Calhanoglu-Freistoßmauern aus Marzipan schenken.

Tin Jedvaj
Vor nicht allzu langer Zeit spöttelten wir an dieser Stelle über Leverkusens Tin Jedvajs unschuldiges Pennäler-Aussehen. Das möchten wir nun in aller Höflich- und Demütigkeit zurücknehmen, damit wir nicht im Falle eines persönlichen Aufeinandertreffens von Jedvaj beidbeinig in die Berufsunfähigkeit geblutgrätscht werden. Gegen Schalkes Jan Kirchhoff legte Jedvaj nämlich eine derart räudige Sense aufs Parkett, dass er per DFB-Order nach seiner abgesessenen Rotsperre nur noch im schwarzen Kapuzenumhang wird auflaufen dürfen. Und wir werden ab sofort abends vor dem Schlafengehen unter dem Bett nachsehen, ob nicht ein Jedvaj darunterliegt, immer bereit, uns noch in unseren Alpträumen mit einer gezielten Blutgrätsche auf Knöchelhöhe zu verfolgen.

Alexander Madlung 
Alexander Madlung ist ja eher ein Mann fürs Grobe. Bälle aufs Stadiondach knüppeln, gegnerischen Spielern per Bodycheck Visa für das Land des Schmerzes ausstellen oder Bälle derart wuchtig aus dem Strafraum schädeln, dass wir uns sicher sind, dass Madlung die Nägel zuhause per Kopfnuss in die Wand schlägt, wenn er mal ein Bild aufhängen will. Umso schöner finden wir es, dass Madlung auch in den seltenen Momenten, in denen er offensiv zum Spiel beiträgt, seiner Linie treu bleibt. Seine beiden Tore gegen Stuttgart waren exakt jene Art von Treffern, die man von einer Abwehrkante wie Madlung erwartet. Das erste Tor humorlos aus einem Meter über die Linie geprügelt, den zweiten Treffer per Kopf ins Eck gedrückt. Schönheitspreise gewinnt Madlung so nicht. Spiele leider auch nicht, wie das spektakuläre 4:5 der Eintracht bewies. Aber immerhin unsere Anerkennung.

Haris Seferovic
Gratulieren wollen wir an dieser Stelle ganz herzlich Frankfurts Haris Seferovic und salutieren dem Schweizer an dieser Stelle mit der »Du Blinder!«-Brillen-Geste, schließlich war es ebendiese Geste gegenüber dem Linienrichter, für die Seferovic im Spiel gegen Stuttgart die Rote Karte sah - insgesamt der 2000. Platzverweise der Bundesligageschichte. Wir hätten uns zu diesem Anlass natürlich lieber etwas Spektakuläreres gewünscht, einen konsequenten Mittelfinger vielleicht, im Idealfall ausgeführt noch während einer saftigen beidbeinigen Blutgrätsche samt anschließender Rudelbildung plus Gegner anspucken und auf dem Weg in die Kabine Ordner umschubsen und Zuschauer beleidigen oder so, aber gut, man kann ja auch nicht alles haben. Und bei dem 4:5-Spektakel gegen den VfB, das Seferovic mit seiner Roten so stilvoll abrundete, wollen wir auch gar nicht meckern.