Die 11 des Spieltags (9)

Bud Spencer beim Ballett

Leon Goretzka
Glückwünsche gehen in dieser Woche an Schalkes Nachwuchs-Mittelfeldspieler Leon Goretzka. Der war im Sommer unter lautem Getöse von Bochum nach Schalke gewechselt und ist dort zurzeit noch eher Ersatzspieler, während im Schalker Mittelfeld ordentlich gedraxlert, geboatengt und neuerdings auch gemeyert wird. Im fröhlichen Abstauberfestival, das die Gelsenkirchener am Samstag in Braunschweig feierten, kam Goretzka aber nach einer Verletzung von Marco Höger zu seinem sechsten Bundesligaeinsatz und kickte den Ball anschließend aus gefühlten zwanzig Zentimetern und dem Gewühl heraus ins Tor – die schmutzige Mutter aller Abstauber. Dem Jungen wird allenthalben eine große Karriere vorausgesagt und auch wir glauben daran; vielleicht sollte er aber darüber nachdenken, seinen Enkeln in ferner Zukunft eventuell ein anderes der sicher noch folgenden Bundesligatore als seinen Debüttreffer zu verkaufen, denn sein Premierentor war in etwa so schön anzusehen wie Peggy Bundy nach einer durchzechten Nacht.

Antonio Rüdiger
Der »11FREUNDE-Leberhaken in Gold« geht diese Woche an Stuttgarts Antonio Rüdiger, wobei es sich bei genauerer Betrachtung der Bilder tatsächlich eher um ein Leberhäkchen handelte als um den gnadenlosen Martial-Arts-Punch, den Rafael van der Vaarts Abrollen zunächst vermuten ließ. Weshalb wir darüber nachdenken, Rüdiger den goldenen »11FREUNDE-Esel« direkt mitzuverleihen, weil sein trauriger Diminutiv von einer Tätlichkeit wirklich vollkommen unnötig und überflüssig war. Aber gut, einerseits sind Tätlichkeiten immer unnötig und überflüssig, selbst wenn sie nur die hauchzarte Andeutung eines Leberhakens sind. Andererseits ist Stuttgarts Innenverteidiger noch jung und hat also noch ausreichend Zeit, sich kleine Stupser in gegnerische Rippenbögen abzugewöhnen.

Martin Stranzl
Die Eselhaftigkeit der Rüdigerschen Tätlichkeit ging Martin Stranzls Gelb-Roter Karte am Samstagabend zwar ab, dennoch ist dieser Platzverweis eine Erwähnung wert. Im Spiel gegen die Hertha wurde Gladbachs Innenverteidigungs-Veteran nämlich für zwei Fouls verwarnt, die derart harmlos waren, dass Maik Franz auf der Tribüne wahrscheinlich Tränen lachte. Innerhalb von zwei Minuten ging Stranzl zweimal in den Luftkampf und wurde zweimal mit Gelb bedacht. Dumm gelaufen. Neben der zeitlichen Nähe ist es aber vor allem Stranzls ehrlicher, wilder Zorn ob dieser Ungerechtigkeit, der ihm seinen Platz in unserer 11 sichert.  Motzend und zeternd schlich der Verteidiger im Nachgang der Entscheidung um Schiri Dr. Jochen Drees herum und man musste sich kurzzeitig Sorgen machen, ob er sich vielleicht zu dem hinreißen ließe, was man in Rumänien den »Ganea machen« nennt. Schließlich stampfte Stranzl aber vom Platz, versorgte den vierten Offiziellen noch mit einem großen Löffel Stranzlscher Galle und stürmte in die Katakomben, wo er, wie wir vermuten, den erstbesten Ordner umschubste. Vor unserem inneren Auge brüllte Janusz Gora »Schkandall« und Jürgen Klinsmann trat wütend Löcher in Tonnen. Dieser Sport ist, wie wunderschön, einfach sehr emotional. Auch wenn es mitunter ungerecht zugeht.
 
Vedad Ibisevic
An dieser Stelle sollte eigentlich Stuttgarts Alexandru Maxim stehen, der derzeit im Wochentakt eine Sahnevorstellung an die nächste reiht; wir haben uns aber für Vedad Ibisevic entschieden, weil es uns als die Feierbiester, die wir sind, zu gleichen Teilen löblich und unverständlich erscheint, wie Ibisevic am Sonntag gegen Hamburg schon wieder derart fit über den Rasen jagen konnte. Am Dienstag nämlich schoss Ibisevic das Tor zur erstmaligen WM-Qualifikation Bosnien-Herzegowinas, woraufhin im Balkanstaat eine Party von derart epischen Ausmaßen ausbrach, dass wir allein beim Gedanken daran ein paar Gehirn- und Leberzellen einbüßen und uns mit Kater auf die Redaktionscouch schleppen, um Aspirin und Junkfood zu konsumieren. Ibisevic aber scheint die Sause gut weggesteckt zu haben, denn beim 3:3 seiner Stuttgarter in Hamburg spielte der Stürmer, als wäre nix gewesen, legte ein Tor auf und zwang seinen Gegenspieler Djourou im Zweikampf zum Gegentor. Da ziehen wir anerkennend die Sixpack-Pappverpackungen, die wir vom Wochenende noch auf dem Kopf haben.

William Kvist
»Fußball ist ding, dang, dong«, sagte einst der große Giovanni Trapattoni und wer wollte bei derart klugen Worten widersprechen? Wir jedenfalls nicht, fügen aber demütig an, dass Fußball manchmal auch »stolper« und »rutsch« ist. Wer das nicht glaubt, kann getrost bei Stuttgarts William Kvist nachfragen, der am Sonntag im Spiel gegen den HSV zunächst den Ball verstolperte und bei dem kurz darauf folgenden Klärungsversuch auch noch wegrutschte. In beiden Situationen sah der Däne in etwa so elegant aus wie Bud Spencer beim Ballett tanzen – der Weg zum Hamburger 1:1 durch Pierre-Michel Lasogga war frei. Aber kann ja mal passieren. Und außerdem kann man es ja auch positiv sehen: Dass es in Hamburg überhaupt zu einem solchen Spektakel kam, lag auch an William Kvist. Vielen Dank dafür. 

Luiz Gustavo
Es ist eine Floskel als Antwort auf eine andere Floskel und somit eine Art Superfloskel, die wir hier bemühen, aber: Geld schießt eben doch Tore. Erneut unter Beweis gestellt hat diese, *hüstel*, Weisheit am Sonntag Wolfsburgs Luiz Gustavo, der den Spielverlauf mit seinem Kopfball zum 2:1 im Spiel gegen Augsburg aber mal gehörig auf den Kopf stellte. Gustavo hat den VfL im Sommer wahrscheinlich mehr gekostet, als den FC Augsburg der Bau des Stadions und die leidenschaftlich kämpfende und Chancen versemmelnde Augsburger Mannschaft wurde durch die Eiseskälte eben dieses internationalen Topspielers bestraft. Und wir sehen uns, mal wieder, in unserer Floskelhaftigkeit bestätigt.