Die 11 des Spieltags (7)

Small in Japan

Japanische Wochen in der Bundesliga: Haraguchi verscheißert die Bayern, Kagawa hat eine geniale Idee und Ito sorgt für Euphorie beim HSV. Kennt Euphorie nur vom Hörensagen: die 11 des Spieltags. 

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Genki Haraguchi
Zugegeben: Es ist erst acht Tage her, dass ein einzelner Mann mit ulkigem Vornamen (Horst) halb Bayern der Lächerlichkeit preisgab, aber im Fall von Genki (Haraguchi) hatte das ganze zum Glück nichts mit der CSU zu tun und sah darüber hinaus noch wunderschön aus. So umkurvte der Japaner erst Robben, dann Kimmich, dann Boateng und dann Hummels, bevor er den Ball lässig an Ulreich vorbei und direkt auf den Fuß von Kollege Duda passte, der nur noch einzuschieben brauchte. Wer in Zukunft also mit Schaum vorm Mund die Worte »young«, »asian« und »Solo-Show« in seinen Computer eingibt, sollte nicht mit unanständigen Filmchen rechnen. Wobei: Geil war die Szene allemal.

Shinji Kagawa
Allerdings war es nicht die geilste Szene eines Japaners an diesem Wochenende. Für die nämlich war Dortmunds Kagawa verantwortlich. Der nicht nur den Ball aus unmöglichem Winkel per Lob ins Tor streichelte, sondern der mit seinem Treffer gegen Augsburg auch noch zum Rekord-Japaner der Bundesliga wurde. Vor einem Mann wie Takahara. Glückwunsch. Und eine Bitte ans Karma. Sollte ob unserer bisherigen Sünden eh keine Chance mehr bestehen, als Weltherrscher oder zumindest als dessen verzogener Sohnemann wiedergeboren zu werden, würden wir statt der Regenwurm-Option gerne ein nächstes Leben als Idee in Kagawas Kopf führen. Die sind nämlich immer großartig.

Yoshinori Muto
Noch ein Japaner in der 11 des Spieltags, noch ein Traumtor, an dem wir nicht vorbeikommen. Denn wie der gar nicht mal so große Mainzer Stürmer den Ball gegen Wolfsburg in den Giebel nickte, war schlicht phänomenal. Hätten wir nur annähernd soviel Gefühl in der Stirn, wir hätten uns nicht schon so früh in der eigenen Karriere auf Kopfnüsse als einziges taktisches Mittel festgelegt. Aber: zu spät. Immerhin wird …

Tatsuya Ito
…, Hamburgs neuer Lieblingsmensch und - natürlich - Japaner, wohl ebenfalls nie einen Ball mit seinem Kopf berühren. Was nicht (nur) daran liegt, dass der so klein ist. Sondern - vertraut man auf die Vorhersagen genügsamer HSV-Fans - viel mehr daran, dass der junge Mann in Zukunft 90 Minuten lang den Ball selbst am Fuß hat. Und dann Spiele alleine entscheidet. Mindestens. Dabei gelang dem Elbmessi, wie ihn genügsame HSV-Fans längst heimlich im Kopf nennen, bei weitem nicht alles. Aber um den Menschen in Hamburg in diesen Zeiten Hoffnung zu schenken, reicht es eben, sich bei Tritten gegen Eckfahnen nicht das Kreuzband zu reißen.

Aubameyang

Elfmeter haben schon viele vergeigt. Zu hoch, zu weit daneben, zu kraftlos, zu unentschlossen - alles scheiße. Aber die beschissenste Variante des Vergeigens ist nach wie vor der arrogant in die Mitte gelöffelte Ball - den der Torwart dann im Stehen mit der Mütze fängt. Zu Aubameyangs Verteidigung muss man allerdings sagen: Marwin Hitz konnte schon immer super fangen. Außerdem muss man sich um den BVB-Stürmer ohnehin keine Sorgen machen. Denn seine »Frisuren« der letzten Jahre verraten: Der Mann kennt keine Scham.