Die 11 des Spieltags (5)

Yunus Knalli

Yunus Malli lädt zur Hochzeitsparty, Lucien Favre schmeißt hin und Jürgen Klopp ist wieder da. War nie weg: unsere 11 des Spieltags.

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Yunus Malli
Was ist nur mit Yunus Malli passiert? Noch letztes Jahr umwehte Mainz` Mittelfeldmann der Hauch des melancholisch-sensiblen Spielmachers, der ab und an einen Weltklassepass aus dem begnadeten Fußgelenk schüttelt, dann aber wieder ein ganzes Spiel abtaucht und mit gesenktem Kopf über den Platz trabt, ganz der ach so grausamen Welt und dem Schicksal ergeben. Und nun? Nun kann man praktisch die Hornhaut auf Mallis Oberarmen sehen, vom ständigen Ärmelhochkrempeln. Am Freitag dreierpackte Malli überforderte Hoffenheimer quasi alleine aus dem Stadion, bereits in der Vorwoche traf er gegen Schalke und ist insgesamt seit Wochen in derart guter Form, dass Detlef D! Soost bereits angefragt hat, ob er Fitnesskurse bei ihm belegen könne. Die neugewonnene Klasse liegt auch darin begründet, dass Malli unter der Woche geheiratet hat, wie Trainer Martin Schmidt sagte: »Die Heirat hat ihm gutgetan - und damit auch uns.« Wahrscheinlich hat seit Anna-Nicole Smith niemand mehr derart von einer Hochzeit profitiert.

Lucien Favre
Grabesstimmung in der Redaktion, Trauerflore um die Frühstücksfleischwurstringe, andächtig hauchen wir hin und wieder ein »Schadöh« oder »Sacrebleu« vor uns hin, denn: Lucien Favre hat in Gladbach hingeschmissen. Das ist nicht nur bedauerlich, weil Favres samtig-weich dahinfranzöselte Interviews in unserer Betriebs-Yogagruppe seit längerem schon die entspannenden Walgesänge abgelöst haben, sondern vor allem weil der Liga ein Trainer verlorengeht, der aus einem darbenden Abstiegskandidaten in nur vier Jahren einen Champions-League-Teilnehmer formte. Damit hat Favre das letzte Fünkchen Glauben an die Fußballromantik in uns am Glimmen gehalten, und daran, dass in diesem Sport alles möglich ist. Von seinem Rücktritt darf man halten, was man will, aber allein dafür gebührt ihm Dank. Au révoir, Lucien.

Alexander Zorniger
»Deswegen kommen die Leute ins Stadion«, jubilierte Stuttgarts Coach Alexander Zorniger nach dem Spiel gegen Schalke, höchstwahrscheinlich bevor er noch mal aufs Feld ging, eine Ehrenrunde drehte und vor der Kurve triumphierend zum Diver ansetzte. Was komisch ist, schließlich dachten wir immer, dass die Leute ins Stadion gehen, um ihre Mannschaft siegen zu sehen, und nicht, weil sie zum fünften Mal in Folge mitverfolgen wollen, wie die eigene Mannschaft das bessere Team ist, Torchancen im mittleren dreistelligen Bereich versemmelt und am Ende ohne Punkte dasteht. Aber gut, möglicherweise ist das in Stuttgart einfach anders, und zur nächsten Niederlage, die einen ewigen Start-Minusrekord bedeuten würde, gibt es von den Fans eine aufwändige Choreo und Freibier vom Hauptsponsor.

Timo Werner
Wobei es bei den Stuttgartern natürlich auch Positives zu vermelden gibt. Etwa die Art und Weise, wie Timo Werner in die Mannschaft zurückkehrte. Erst vor kurzem machten Gerüchte die Runde, der VfB habe Werner im Sommer für schlanke zehn Millionen Euro englischen Klubs angeboten, was uns, wenn das stimmen sollte, daran zweifeln ließe, ob Robin Dutt sich über die Bedeutung des Wortes »Tafelsilber« gänzlich im Klaren ist. In der Vorwoche wurde Werner zudem noch von Trainer Zorniger rasiert und zum ersten Mal in seiner noch jungen Profikarriere nicht für den Kader nominiert. Gegen Schalke durfte Werner nun wieder mittun, und war direkt bester Mann auf dem Platz, auch wenn er selber freilich ebensowenig traf wie seine Kollegen. Aber das scheint ja eher ein generelles Problem der Stuttgarter zu sein, die derzeit wahrscheinlich nicht einmal den Boden treffen würden, wenn ihnen der Ball aus der Hand fiele.

Ralf Fährmann
Man kann die Dinge natürlich auch nüchtern betrachten (sofern man nicht gerade auf der Wiesn ist), und sagen: Dass Stuttgart das Nicht-Kunststück schaffte, bei 26 Torschüssen nicht ein einziges Mal zu treffen, lag auch an Schalkes Keeper Ralf Fährmann, der am Sonntag derart viele Bälle hielt, dass man auf Schalke die Ballnetze nach ihm benennen sollte. »Fliegt er jetzt zu Löw?«, fragte konsequenterweise die »Bild« direkt nach dem Spiel, und nannte Fährmann überschwänglich die »Hand Pottes«. Gerne würden wir Fährmanns Abschnitt in der 11 des Spieltags nun wie gewohnt mit einem Gag abbinden, aber leider sind wir damit beschäftigt, einen Adoptionsantrag für diesen Weltklasse-Wortwitz auszufüllen.

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