Die 11 des Spieltags (4)

Auf Costen des Fairplays

In München duselt es wieder, in Frankfurt gibt es den besten Dreier seit »Emanuelle 7« und in Ingolstadt beginnt die Zukunft des Fußballs. Lebt wie immer in der Vergangenheit: Unsere 11 des Spieltags.

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Douglas Costa
Bayerns neuer Sensationsbrasilianer Douglas Costa ist uns in den letzten Wochen vor allem dadurch aufgefallen, dass er mehr Tricks auf Lager hat als Milli Vanilli im Tonstudio. Und was soll man sagen: Am Samstag zeigte er nach all seinen Elasticos und Jay-Jays direkt den nächsten Supertrick: den Niemals-ist-das-ein-Elfmeter-Elfmeter. Ein wundervoller, schwer zu lernender Bewegungsablauf aus Stumpf-in-den-Gegner-Laufen, Schreiend-Zusammenbrechen, Elfer-Schinden, Schmunzelnd-Aufstehen und Nach-dem-Siegtor-in-der-Nachspielzeit-an-der-Eckfahne-eine-Kerze-für-den-Bayern-Dusel-anzünden. Toll, diese brasilianischen Fußballkünstler. Was die alles können.

Alex Meier
Fünf Monate war Frankfurts Torschützenkönig Alex Meier nach einer Knie-Op raus, nun kam er wieder und sorgte umgehend für das gelungenste Comeback seit der »Milka Lila Pause«. Lediglich 190 Sekunden benötigte Meier für seinen ersten Treffer, am Ende stand ein furioses 6:2 der Eintracht gegen Köln zu Buche, bei dem Meier insgesamt dreimal genetzt hatte. Für einen ähnlich tollen Dreier muss man im Frankfurter Bahnhofsviertel normalerweise an die 500 Euro hinblättern.

Claudio Pizarro
Manchmal, wenn wir nachts wachliegen, nur sachte beschienen vom Spandau-Ballet-Poster im Widerschein unserer Lavalampe, stellen wir uns die großen Fragen. Wer sind wir? Wohin gehen wir? Sind wir allein im All? Was sind die kleinen weißen Dinger im Hackfleisch? Und wie wird man so cool wie Claudio Pizarro, der auch mit 36 noch wirkt, als wäre sein ganzes Leben ein einziger Ausflug an den Strand? Das Problem ist: Wir wissen es nicht. Und wir können ihn auch nicht fragen, denn wenn wir ihm face to face begegnen würden, würden wir in eine Schockstarre verfallen, wie sie etwa Kaninchen ereilt, wenn sie einem Fressfeind begegnen. Also belassen wir es bei der nächtlichen Grübelei und genießen ganz einfach, dass Pizarro uns noch ein weiteres Jahr mit seiner sambahaften Fußballleichtigkeit beglücken wird.

Aytac Sulu
Eine unserer Grundregeln, mit der wir bisher gut gefahren sind: Niemals Witze über Leute machen, die sich selber Zähne ziehen, ohne dabei vor Schmerz und Ekel zusammenzuklappen. So einst geschehen bei Darmstadts Aytac Sulu, weswegen wir an dieser Stelle auf sämtliche Gags verzichten, verschüchtert den Blick gen Boden richten und Aytac Sulu zum Siegtor des ersten Darmstädter Bundesligasieges seit ca. 1889 gratulieren wollen. Glückwunsch.

Klaas-Jan Huntelaar
Seien wir ehrlich: Die wirklich wichtigen Rekordmarken der Bundesliga sind bereits alle vergeben: Die meisten Spiele (Körbel), die meisten Meisterschaften (Kahn, Scholl und Schweinsteiger), die meisten Tore (Rietpietsch), die meisten verspeisten Gegenspieler (Töfting), das DJ-Ötzi-hafteste Aussehen (Abel Xavier), usw. Bliebe noch, genau, die meisten verschossenen Elfer am Stück, eine durch und durch stolze Bestmarke, die seit Sonntag Schalkes Klaas-Jan Huntelaar für sich reklamieren darf, nachdem er viermal in Folge einen Elfmeter nicht im Tor unterbringen konnte. Auch hierzu: Glückwunsch.