Die 11 des Spieltags (4)

Long Dong Stoppelkamp

Julian Draxler feiert ausgelassen seinen Geburtstag, Joe Zinnbauer trägt sich ins Goldene Buch Hamburgs ein und Moritz Stoppelkamp beweist, dass die Länge doch entscheidend ist. Wusste das schon immer – unsere 11 des Spieltags

imago

Moritz Stoppelkamp
Das Scheinwerferlicht gehört in dieser Woche ganz klar Moritz Stoppelkamp, der sich mit seinem Sensationstor gegen Hannover kurzerhand ins Geschichtsbuch der Liga holzte. In der Nachspielzeit landete der Ball beim Paderborner Mittelfeldspieler, der nicht lange zögerte und vom eigenen Strafraum das 2:0 erzielte – ein derart langes Ding, dass sich Long Dong Silver verschämt abgewendet hätte, wäre er im Stadion gewesen. 83 Meter betrug die Distanz letztlich, aus der Stoppelkamp traf, viele Redaktionsmitglieder können nicht einmal so weit gucken, geschweige denn einen Fußball schießen, geschweige denn ein Tor treffen, geschweige denn nach 90 Minuten Sport überhaupt noch am Leben sein. Deshalb gratulieren wir Stoppelkamp zum kleinen Stück Fußballgeschichte, das er am Samstag schrieb, zur Tabellenführung gleich mit, sowie dazu, dass eine Langholz-Art in den heimischen Paderborner Mischwäldern nun nach ihm benannt werden soll. Außerdem sind wir uns sicher, dass in Zukunft alle Weitschusstore zu Stoppelkamps Treffer »Mama« sagen werden. Gratulation.

André Breitenreiter
Eh, die Paderborner. Treffen von so weit entfernt, dass der Ball einen gültigen Reisepass braucht, führen als underdoggigster Underdog in der Geschichte der Underdogs die Tabelle an und machen insgesamt so viel richtig, dass selbst die Marketing-Abteilung von Apple noch was lernen könnte. Die Erfolgsstory des SCP führen wir dabei auf Trainer André Breitenreiter zurück, der vor vier Jahren noch eine F-Jugend in seinem Heimatdorf trainierte und nur unwesentlich später Paderborn zum Tabellenführer coacht. Nochmal: Paderborn. Pa-der-born, Leute, ein Verein mit weniger Mitgliedern als Take That und einem kleineren Etat als ein Kaugummiautomat. Was genau Breitenreiter gemacht hat, wissen wir nicht, gehen aber davon aus, dass es sich um eine Mischung aus Schwarzer Magie, Doping, High-End-Trainingslehre und dem MK-ULTRA-Programm handelt. Nichtsdestoweniger ist Breitenreiters Leistung mehr als erstaunlich. Der Mann könnte wahrscheinlich aus Kacke Konfekt machen und Milka damit vom Markt verdrängen.

Julian Draxler
Wie genau sich Julian Draxler seine Geburtstagsparty zum 21. vorgestellt hat, wissen wir nicht. Wahrscheinlich erst ein bisschen gegen Frankfurt kicken, dann Champagnerparty im Entmüdungsbecken und anschließend verliebt Paartanz mit dem Weltmeisterpokal, bis es draußen hell wird. Allein, es kam ganz anders. Als die Frankfurter Innenverteidiger eine Schleife samt Glückwunschkarte um eine Schalker Flanke schnürten und dann fröhlich zur Seite traten, damit das Geburtstagskind die Kerzen auspusten konnte, sah alles noch nach Party aus. Anschließen aber meinte Draxler, sich selber noch mit einem freien Wochenende beschenken zu müssen, trat kurzerhand gegen Carlos Zambrano nach und sah glatt Rot. Aber gut, wir wollen keine Spießer sein, am 21. Geburtstag darf man ruhig auch mal über die Stränge schlagen. Oder eben in eine Kniekehle treten.

Marco Russ
Als fußballerischer Zuckerbäcker ist Frankfurts Marco Russ wahrlich nicht bekannt, eher für zuverlässige, grundsolide Fußballarbeit. Gegenspielern hinterherterriern, Löcher stopfen, Bälle auf die Tribüne dreschen und ab und zu mal einen Gegner über die Bande wichsen. Dass Russ aber mehr drauf hat als das Jens Jeremiessche Einmaleins des Fußball-Ackergauls, zeigte er am Samstag gegen Schalke. Das »Solo«, mit dem er sich bis vors Tor wurschtelte, hatte den Namen zwar nur schwerlich verdient und sah eher aus, als würde sich Tine Wittler mit einer Dampframme den Weg zum Buffet freischießen; der Abschluss aber, bei dem Russ den Ball mit Außenrist in den Winkel drosch, sorgte für mehrere vor Staunen ausgerenkte Kiefer in der Redaktion. Hätte Russ seinen Treffer noch mit einem Salto samt Flickflack gefeiert, wir hätten unseren Erstgeborenen vor Freude »Marco Außenrist Fußballgott Traumtor« genannt.

Alex Meier
Seit Thomas Schaafs Amtsantritt in Frankfurt ist Alex Meier so etwas wie das Sorgenkind im Eintracht-Kader. Verletzungen, Formschwäche, Probleme mit dem neuen System und ein somit flöten gegangener Stammplatz  - Meiers Saison verläuft bisher in etwa so befriedigend und problemlos wie ein Gespräch mit Xavier Naidoo über Verschwörungstheorien. Nun durfte Meier gegen Schalke mal wieder von Beginn an ran und bestätigte, was Schaaf unlängst gesagt hat, nämlich dass Meier »die Erbse reinmacht«. Wie eben beim Führungstreffer gegen Schalke, als Meier, nun ja, die Erbse eben reinmachte. Schade nur, dass wir Meiers Tor nicht gesehen haben. Wir waren leider von seiner Frisur geblendet.

Joe Zinnbauer
Gratulieren wollen wir an dieser Stelle Joe Zinnbauer, der seit einigen Tagen neuer Trainer des Hamburger SV ist und direkt das Kunststück schaffte, gegen die Bayern nicht mit 1:9 oder 0:27 oder so zu verlieren, sondern tatsächlich ein mehr als respektables 0:0 zu erkämpfen. Ehrliche, engagierte Arbeit hat man beim HSV eigentlich seit Jahren nicht mehr gesehen, hätte dieser Trend angehalten, der Klub hätte wohl irgendwann ein »abd el Farrag« im Vereinsnamen unterbringen müssen. Umso erstaunlicher war nun die engagierte Vorstellung der Hamburger bei Zinnbauers Debüt. Mit dem 0:0 zeigt sich Zinnbauer nun für den größten Erfolg der jüngeren HSV-Vereinsgeschichte verantwortlich (der letzte war ein gelungener Einwurf von Heiko Westermann vor ein paar Monaten), am heutigen Montag soll der neue Coach deswegen in die HSV-Ruhmeshalle aufgenommen werden und sich ins Goldene Buch der Stadt Hamburg eintragen. Mit Blut, Schweiß und Tränen, versteht sich.