Die 11 des Spieltags (34)

Bye-Bye Levan

André Hahn
Die Erfolgsgeschichte von André Hahn ist so wunderbar vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-haft, dass sich Will Smith bereits die Filmrechte gesichert haben soll, um mit André Hahn »Das Streben nach Glück 2« zu drehen. Noch vor nicht allzu langer Zeit hatte Hahn nämlich den Traum vom Fußballprofi quasi aufgegeben und bereitete sich auf ein (sicherlich auch ganz geiles) Berufsleben als Autolackierer vor, um dann aber überraschend doch noch Bundesligaprofi zu werden und demnächst vielleicht eine WM zu spielen. Was uns, die wir nicht mal die angestrebte Umschulung vom Schreiberling zum Autolackierer hinbekommen, vor Bewunderung sprachlos hinterlässt. Bei seinem letzten Spiel gegen Frankfurt verabschiedete sich Hahn nun standesgemäß mit dem Siegtor zum 2:1. Die Sache mit den Happy-Ends hat er also schon mal verstanden. 

Carlos Zambrano
Verfolgte man die Berichterstattung über Frankfurts Innenverteidiger/Holzhacker Carlos Zambrano in den letzten Monaten, hätte man den Eindruck gewinnen können, dass Zambrano den Gegnern auf dem Platz die Kehle durchbeißt und nach dem Spiel gegnerische Sprunggelenke rituell auf einem DFB-Regelbuch opfert. Was natürlich nicht so ist, hoffen wir mal. Dass der Peruaner aber in der Tat ganz gerne mal hinlangt, konnte man in der 50. Minute des Spiels in Augsburg sehen, als er das Fußgelenk seines Gegenspielers Ostrzolek so beherzt und gandenlos in den Augsburger Boden trat, dass an genau dieser Stelle im Spätsommer wahrscheinlich ein Baum der Schmerzen wachsen wird. Rot hat Frankfurts Fußball spielender Presslufthammer für seinen Tritt übrigens nicht gesehen. Wahrscheinlich hatte Schiri Daniel Siebert einfach Angst, von Zambrano noch auf dem Spielfeld in zwei Teile gegrätscht zu werden. 

Patrick Rakovsky
Auch den bitteren Gang in die Zweite Liga antreten muss der 1. FC Nürnberg. Dass wir uns an dieser Stelle Ersatztorhüter Patrick Rakovsky herauspicken, hat nur bedingt mit fehlendem Fingerspitzengefühl unsererseits zu tun. Viel eher liegt es daran, dass Rakovskys Eigentor im Spiel gegen Schalke irgendwie bezeichnend für die gesamte Nürnberger Saison war. Ein Schuss von Chinedu Obasi klatschte in der 92. Minute gegen den Pfosten, von dort an Rakovskys Rücken und ins Netz. Dafür konnte Rakovsky freilich nichts, zudem war das Spiel ohnehin schon gelaufen, dennoch ist sein Eigentor ein passendes Symbol für eine Nürnberger Saison, die insgesamt unglücklicher verlief als ein Besuch von Naddel bei der Berufsberatung. Zumindest aber wissen sie in Nürnberg, wie man wieder aufsteigt. Sie haben das ja oft genug schon üben können. 

Levan Kobiashvili
Als Levan Kobiashvili 1998 zum SC Freiburg kam, stand der 1. FC Kaiserslautern vor der Meisterschaft als Aufsteiger, Hansa Rostock stürmte in den UI-Cup, Nasenpflaster waren ein allseits anerkanntes Fußballer-Accessoire, ein talentierter junger Sprechgesangskünstler namens NANA schenkte uns unvergessliche Hits und wir hielten Babalou für die Krone der Getränke-Evolution. Nun hängt Herthas georgischer Verteidiger seine mit extra langen Schraubstollen ausgestatteten Schuhe an den Nagel und das stimmt uns traurig, denn mit ihm geht eines der letzten Relikte aus der seligen, unschuldigen Fußballzeit kurz vor der endgültigen Durchkommerzialisierung. Aber so ist das wahrscheinlich einfach, Zeit vergeht, Babalou schmeckt nicht mehr, für ein Nasenpflaster wird man trotz der wissenschaftlich nachgewiesenen Vorzüge auf dem Bolzer gnadenlos ausgelacht, wir warten immer noch vergebens auf die nächste NANA-Platte und Frisuren wie die von Kobiashvili machen sie heute auch nicht mehr. Wir werden ihn vermissen. Schnüff.

Ivan Perisic
Als Ivan Perisic im Spiel gegen Gladbach mit nur einem Schuss dreimal Aluminium traf, ließ uns das zunächst einen skeptischen Blick auf das Haltbarkeitsdatum der Sonderposten-Schmierwurst werfen, die wir gerade löffelten. Erst die Zeitlupe bewies, dass wir nicht halluzinierten. Perisic schoss aus spitzem Winkel aufs Tor, der Ball flog zunächst an den linken Pfosten, dann an die Latte und schließlich an den rechten Pfosten, von wo er wieder zurück ins Feld sprang. Vielleicht Zufall, vielleicht ein Knick in den physikalischen Gesetzen des Universums, in jedem Falle aber ein Pfosten-Latte-Pfostentreffer, der so unwahrscheinlich ist, dass »Galileo Mystery« am heutigen Montag vermutlich eine Sondersendung über diesen Schuss ausstrahlen wird, um zu klären, ob da nicht vielleicht übernatürliche Kräfte am Werk waren.

Mario Vrancic
Gratulieren möchten wir an dieser Stelle Mario Vrancic und dem SC Paderborn, der am Wochenende den Aufstieg in die Bundesliga eintütete. Vrancic stach beim zähen 2:1-Sieg mit einem Tor und einer Torvorlage heraus, also sind wir in erster Linie ihm zu Dank verpflichtet, dass wir uns nächste Saison so Knallerbegegnungen wie Paderborn-Hoffenheim, Paderborn-Augsburg oder auch Paderborn-Wolfsburg ansehen dürfen. Ob in der »Sky«-Geschäftsstelle schon resignierend Schnaps getrunken wird, wissen wir nicht. In jedem Falle aber Glückwunsch zum Aufstieg!