Die 11 des Spieltags (34)

Er war ein Guter

Auftritte, die keiner braucht. Tore, die niemand nachahmen kann. Und Stars, die keiner erkennt. Unsere Elf des Spieltags am 34. Spieltag.

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Christian Mathenia
Hamburger Juweliere messen die Reinheit des Goldes seit dem Wochenende in der Maßeinheit »Mathenia«. Denn so ein Glanzstück, wie es der HSV-Keeper am Samstag ausgepackt hatte, sah man zuletzt nur selten an der Elbe. Gegen den VfL Wolfsburg rettete er seine Mannschaft aus allen Lagen und hätte sicher auch noch vorne einen gemacht, wenn es in der Nachspielzeit noch drauf angekommen wäre. Das größte Geschenk machte ihm tagsdarauf sein Konkurrent René Adler, der einsichtig sein Ende beim Hamburger SV verkündete - und demnächst vielleicht als Juwelier arbeitet.

Philipp Lahm
Pass - Hinterlaufen - Stehenbleiben - Flanke ja/nein - Zurücklaufen. Philipp Lahm ist und bleibt der erste Fußballbeamte. Wie er am Samstag seinen letzten Arbeitstag wie jeden anderen auch bestritt, in der Halbzeitpause vermutlich sein mitgebrachtes Butterbrot und etwas Früchtetee verschlang und nach Spielende pflichtbewusst ein bisschen weinte, ein bisschen Bier trank und sich ein bisschen freute - zum Beispiel über ein Golfset als Dank aller Dienste. Trotz und gerade dessen: Philipp Lahm wird fehlen. Weil kein anderer diese Rolle des Rechtsverteidigers so sauber, so alltäglich und so einzigartig ausführte wie er.

Anastacia
Bisher dachten wir, dass diese »Rockröhre« (Zitat: Morgenman Francky) seit Jahren in den Kellern verschiedener Hitradio-Sender gehalten und dort im Zehnminutentakt herausgeholt wurde. Nun hat sie ihren Ausbruch scheinbar geschafft und durfte zur Entschädigung gleich mal in der Halbzeitpause des FC Bayern auftreten und ihre eigene Show plus Halbzeitpause um mehrere Minuten überziehen. Dass der SC Freiburg noch um Europa kämpfte? Geschenkt. Dass die Facharbeiter anschließend die Bühne nicht vom Platz bekamen? Geschenkt. Dass kein Zuschauer gerne Hitradio-Sender hört? Naja, auch geschenkt.

Jonas Hector
8998 und somit mehr als genug Tage ist es her, dass der 1. FC Köln im Europapokal spielen durfte. Dachte sich wohl auch Jonas Hector, der das erste von zwei Toren gegen den FSV Mainz und Köln damit in die Europa League schoss. Dass ausgerechnet der stille und bescheidene Hector in der oftmals großspurigen und etwas vermessenen Domstadt zum Publikumshelden avanciert spricht für sich - und für einen spürbaren Wandel der Fanszene. En plus: mit dem Tor hat Hector, der Begehrlichkeiten der Premier League geweckt hat, vielleicht auch für ein sehr gutes Argument zum Bleiben gesorgt.

Die Fans des 1. FC Köln
Ach, was sagen wir, von wegen Wandel! Am Wochenende haben die Kölner nämlich gleich gezeigt, was Europa im kommenden Jahr erwartet. Da wurden Plätze gestürmt, Bengalos abgefackelt und zwischen Zülpicher und Rudolfsplatz die beste Party seit Veilchendienstag gefeiert. Da war so viel Freude über den Einzug nach Europa, dass Nigel Farage angeblich schon am nächsten Einreisestopp arbeitet. Notfalls mit einem Fluss aus Altbier - als ob das diese Kölner aufhalten würde.