Die 11 des Spieltags (33)

Perisic ist wütend

Ivan Perisic
Ivan Perisic scheint wütend zu sein. Kein Wunder, denn dem Kroaten ist das passiert, was im Sportjournalisten-Wortspielbaukasten gemeinhin »verwechseln« heißt. Im Winter ging Perisic von Dortmund nach Wolfsburg, verletzte sich und findet sich nun im graumäusigsten aller Mittelfeldklubs wieder. Während seine alten Kollegen vor 80.000 Leuten spielen und in zwei Wochen die Champions League gewinnen können, kickt Perisic in einer Stadt, in der die Leute ins Stadion gehen, weil das wahrscheinlich in ihren Arbeitsverträgen mit dem lokalen Autobauer verankert ist. Hätte er vor seinem Wechsel mal bei Familie Ivanauskas angerufen. Vielleicht stellt sich die Situation nächstes Jahr ja anders dar und der VfL kann wieder oben angreifen, seinen Frust ließ Perisic aber schon am Samstag gegen den alten Klub raus und schoss zwei Tore. Für das Finale in London bekam er überdies ein Ticket vom BVB geschenkt. Immerhin.

Marco Reus
Irgendwie ist es schade, dass Marco Reus und Mario Götze nach nur einer Saison wieder getrennte Wege gehen. Wie sehr die beiden Kumpels in dieser Saison harmonierten, war ein Versprechen an die Zukunft, das sie ab nächster Saison dann hoffentlich in der Nationalmannschaft einlösen. Dass es aber auch ohne seinen Buddy geht, zeigte Reus am Wochenende gegen Wolfsburg, als der stets fesch frisierte Reus zweimal netzte und ein eigentlich bereits verlorenes Spiel noch in ein Remis umbog. Auch wenn ein Unentschieden in Wolfsburg eigentlich zu wenig ist für einen Klub, der in zwei Wochen Champions-League-Sieger werden will.

Vedad Ibisevic
An dieser Stelle sollte eigentlich Jens Keller stehen, denn wäre alles nach Plan gelaufen, hätte Schalkes Coach nach der Verlängerung seines Vertrages am Wochenende die Champions-League-Quali besiegelt. Das Heimspiel gegen Stuttgart vergeigten die Knappen aber mit 1:2, woran Stürmer Vedad Ibisevic mit seinem Doppelpack maßgeblich beteiligt war. So sehr ihn und die Stuttgarter das freuen mag, für Schalke und Keller ist die Heimpleite eine mittelschwere Katastrophe. Verliert man am letzten Spieltag in Freiburg, bleibt die Europa League als mäßig tolles Trostpflaster und die Trainerdiskussion dürfte nur eine Woche nach der Vertragsverlängerung von Neuem beginnen. Ibisevic wird es egal sein.

Nikola Djurdjic
Am Wochenende hat sich Nikola Djurdjic, wie die gesamte Fürther Mannschaft, in die Geschichtsbücher der Liga eingetragen. Der Spielvereinigung gelang nämlich das Kunststück, eine ganze Saison lang nicht ein einziges Heimspiel zu gewinnen. Zwei Dinge lernten die Fürther daraus: Die Bundesliga ist eine Liga zu hoch. Und: Einen Rekord zu halten, ist nicht unbedingt eine gute Sache. Wir heben an dieser Stelle Stürmer Djurdjic hervor, weil er derjenige war, der einen Elfmeter vergab und so die Chance auf einen etwaigen Heimsieg endgültig begrub. Freiburgs Oliver Baumann hielt, der SCF spielt international und die einzigen drei Punkte in Fürth blieben am Samstag die auf Djurdjics Armbinde.

Boris Vukcevic
Derzeit einen Hoffenheimer Spieler für die 11 des Spieltags zu nominieren, ist als würde man Otto zum »Sexiest Man Alive« küren. Bei Boris Vukcevic sind die Dinge allerdings ein wenig anders gelagert, denn der 21jährige verunglückte im vergangenen September schwer mit dem Auto, lag lange Zeit in kritischem Zustand im Koma und ist seither vom Fußballspielen weit entfernt. Am Wochenende wurde bekannt, dass Hoffenheims Mittelfeldspieler seit Kurzem wieder selbstständig gehen kann, was bei der Schwere seines Unfalls an ein Wunder grenzt. Es bleibt dabei: Es gibt, bei aller Liebe, Wichtigeres als diesen Sport. Wir wünschen weiterhin gute Besserung.