Die 11 des Spieltags (32)

Eier aus Stahl brauchen kein Sedativum

Ermin Bicakcic
Ganz normaler Arbeitstag für »Eisen-Ermin«, »Bosnia’s Ladies Men Nr. 1«. Nach einer Viertelstunde und einem Luftkampf mit Ingolstadts Hübner circa 5000 Liter Blut verloren. Auf dem Platz genäht worden. Natürlich ohne jede Betäubung. Eier aus Stahl brauchen kein Sedativum. Dabei lässig Anweisungen in Richtung Schiedsrichter-Assistent gebend. Weiterspielen. Abräumen, was kommt. Trotz elferwürdigem Foul keinen Elferpfiff gegen sich erhalten. Ansonsten keine weiteren Vorkommnisse. Ein ganz normaler Arbeitstag eben.

Eric Maxim Choupo-Moting
Ein Spieler wie sein Verein an sich. Talentiert bis unter den Backenbart. Zwischen den Leistungspolen schwankend wie ein Wechselstromaggregat. Dabei sein eigenes Kuriosum. Würde er in jedem Spiel so aufziehen wie gegen Hannover, spielte er vermutlich schon längst nicht mehr in königsblau . Die Quadratur des Schalker Kreise(l)s.

Artur Sobiech
Drei Buden in vier Spielen unter Daniel Stendel. Überzeugte gegen Schalke als Torschütze, Anspielstation und Arbeitstier. Und auch wenn die Partie verloren ging, liefert der Pole Futter für alle Freunde des gepflegten Konjunktivs: Was wäre wenn? Wenn Sobiech die Saison über gesetzt gewesen wäre. Wenn Stendel schon früher ins Amt gerutscht wäre. Doch damit wollte sich Hannovers Nummer neun nach dem Spiel gar nicht lange aufhalten. Diktierte den anwesenden Journalisten einen Imperativ in die Notizblöcke: »Ich habe kein Problem mit der zweiten Liga.« Wenn das mal keine gute Nachricht ist.

Makoto Hasebe
Lief mit verschieden farbigen Schuhen auf, als wäre ein Fortkommen nur mit Übersteigern möglich. Begrüßte dann aber während der 90 Minuten und wie gewohnt jeden einzelnen Grashalm des Böllenfalltors persönlich. Ackerte sich durch das Spiel, dass man unweigerlich zu der Überzeugung kommen musste, Hasebe sei das japanische Wort für Abräumer. Könnte aber auch Lebensversicherung heißen. Schließlich war er nicht nur defensives Bügeleisen, sondern auch noch Torschütze des so wichtigen Ausgleichs, mithin sein erstes Tor seit drei Jahren. Aber wie das so ist mit Lebensversicherungen – sie greifen nur im Notfall.

Christian Seifert
Gegen alle Stimmen ein Montagsspiel zwischen Werder Bremen und dem VfB Stuttgart an- und durchsetzen. Einen bitteren Vorgeschmack liefern auf das, was kommt. Und den Irrsinn mit den Worten begründen, die »deutsche Fanszene bestehe aus mehr als den mitreisenden Fans«. Nachdem er vor fünf Jahren noch zu Protokoll gab: »An den Spielplan werden wir nicht rangehen. Mehr Anstoßzeiten sind dem Fan nicht zuzumuten.« Nun könnte man meinen, immerhin gewöhne sich zumindest einer der beiden Vereine schon mal an das, was ihnen in der kommenden Saison ohnehin blüht. Kann man aber auch lassen. Stattdessen erinnern wir uns, was wir vor fünf Jahren über Christian Seifert dachten: Guter Mann. Und dass sich Meinungen ändern können.