Die 11 des Spieltags (32)

Das Kacar wohl nicht wahr sein

In Hamburg lastminutet es wieder, in Paderborn gibt es Light Beer und in München weiß Thomas Gottschalk alles besser. War schon immer Frank-Elstner-Fan: unsere 11 des Spieltags

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Gojko Kacar
Gojko Kacar stand beim HSV zeitweise derartig im Abseits, dass er die Spiele nicht mal mehr im Stadion verfolgen durfte, weil die Linienrichter sonst reflexhaft mit der Fahne gewedelt hätten. In dieser Saison aber legte Kacar ein Comeback hin, bei dem selbst Rocky anerkennend in die Ringecke gespuckt hätte. Bereits zum zweiten Mal in Folge wurde Hamburgs Mittelfeldmann nun zum Matchwinner, indem er in letzter Sekunde einnetzte. Noch so ein Last-Minute-Treffer, und Hamburger Reisebüros fangen an, mit Gojko-Kacar-Angeboten zu werben.

Bruno Labbadia
Gibt es etwas Schöneres, als Ex-Bundesligastürmern und nun -Trainern beim Torjubel zuzusehen? Falls ja, wollen wir es eigentlich gar nicht wissen. Wie Bruno Labbadia bei Kacars reingewürgtem Ausgleichstreffer eifrig mitköpfelte, als könne er als ehemaliger Strafraumfuchs dem Ball höchstselbst den entscheidenden Tick mitgeben, war für sich schon ein Kunstwerk. Der anschließende Sprint auf den Platz war dann schließlich eine wunderschöne Zeitreise durch 50 Jahre Bundesliga-Jubel: Die Kuntz-Säge, der Müller-Hopser – es hätte nicht verwundert, wenn Labbadia auch noch zum Klose-Salto angesetzt hätte und dann per Diver vor die Fankurve gerutscht wäre, um dort die St. Pauli-Raupe zu initiieren.

Pepe Reina
Bei der Recherchereise zu seinem Buchprojekt »Auf 18 Ersatzbänken durch Deutschland« wurde Münchens spanische Couchpotatoe und Teilzeit-Torwart Pepe Reina unverhofft zum Man of the Match gegen Augsburg. Gegen den FCA durfte Reina sein drittes Bundesligaspiel für die Bayern bestreiten, nach nur 13 Minuten räumte Reina FCA-Stürmer Bobadilla so resolut ab, dass die Polizei München-Fröttmanning das Foul als Auffahrunfall zweier Fünftonner unter »Verkehrsdelikte« eingestuft hat. Die gute Nachricht: Nach dem Platzverweis konnte sich Reina endlich wieder auf seine geliebte Bank setzen, sein Sitzfleisch hatte bereits über Heimweh geklagt.

Raul Bobadilla
Augsburgs Raul Bobadilla ist ein Stürmer nach unserem Geschmack. Litfasssäulendicke Oberschenkel, ein Laufstil, bei dem der Leopard-2-Panzer der Bundeswehr anerkennend mit der Glattrohrkanone nicken würde, und wenn er dann auch noch gemeinsam mit seinem Essener Klon Sascha Mölders durch die Strafräume planiert, schlagen unsere verfetteten Herzen ächzend ein wenig höher. Dass Bobadilla aber nicht nur dazu da ist, Gegenspieler mit Hämatomen zu versorgen, sondern dass er auch noch wirklich passabel kicken kann, zeigte sein Tor zum 1:0 gegen die Bayern. Eine Hereingabe von Pierre-Emile Höjbjerg verwertete der Argentinier mit der Hacke zur Führung. Nach Recherchen einer 11FREUNDE-Expertenkomission ist er der erste Spieler mit der Statur von André the Giant, der ein Tor per Hacke erzielte.

Thomas Gottschalk
Wir können gar nicht zählen, wie viele Beschwerdebriefe wir bereits an diese korrupte Academy geschrieben haben, damit Thomas Gottschalk endlich den verdienten Oscar für sein Lebenswerk erhält. Wer hat denn der deutschen, ach was, der internationalen Komödie so Klassiker wie »Die Supernasen« oder »Zwei Nasen tanken super« geschenkt und sie damit überhaupt erst dahingebracht, wo sie heute ist? Eben. Aber auch hier gilt: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Dementsprechend überrascht waren wir, als unser Tommy seine Supernase am Wochenende ins Themengebiet Fußball steckte. Guardiola nach Heynckes, das sei »ungefähr so wie Markus Lanz nach mir«, trötete Gottschalk durch die Medien, frei von jeglicher Fachkenntnis oder Bescheidenheit. Unser Tipp: Wahrscheinlich hat ihm seine Nase einen nüchternen Blick auf die Dinge verstellt.