Die 11 des Spieltags (31)

TÜDFKAP

Warum Kevin-Prince Boateng einen neuen Namen braucht, Rico Strieder schon fast Weltmeister und Davie Selke jeden Cent wert ist.

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TÜDFKAP
Aus der Reihe »Ausgerechnet«, Teil 743.093: Kevin Prince Boateng. Der Verschmähte. Der Unaustrainierte. Gegen den VfB Stuttgart kam er ins Spiel, wie der Dicke beim Schulsport: Die leise Hoffnung beim Stand von »Auch schon egal«. Und das Dickerchen lieferte ab, als sei es einem Disney-Märchen entsprungen. Schüttete eine Jahresration Testosteron in die ängstliche Wagenburg der Arena, bereitete den Ausgleichstreffer vor und erzielte den Siegtreffer glatt selbst. Mit einer in Selbstverständlichkeit abgefälschten Direktabnahme, die den ganz Großen des Sports vorbehalten ist. Oder eben jenen, die sich dafür halten. Ein kurzer Jubel noch, der mehr nach Sumo denn nach Flick-Flack aussah, und dann stand er da: Boapeng. Oder wie er in Fachkreisen längst genannt wird: TÜDFKAP — The Übergewichte Diva Formerly Known As Prince.

Klaas-Jan Huntelaar
Endlich wieder Jagdzeit für den Hunter. 1195 ewige Minuten musste er auf sein Erfolgserlebnis warten und als es soweit war, schien er glatt vergessen zu haben, wie er ehedem zu jubeln pflegte. Unbeholfen wie ein Kicktipp-Männchen im Testbestrieb drosch er den gerade erst im Netz versenkten Ball gen Mond. Vielleicht aber machte er sich auch nur über den bemitleidenswerten Kollegen Georg Niedermeier lustig, ohne den Huntelaars erster Treffer undenkbar gewesen wäre. Als wollte er sagen: «Schau, lieber Georg, das ist der Ball und dort oben der Himmel. Und wenn Du nicht willst, dass ich treffe, solltest Du die beiden miteinander bekannt machen.« 

Bruno Labbadia
Menschen, die vor dem Amtsantritt von Bruno Labbadia auch nur einen falschen Pfifferling auf den Klassenerhalt des HSV gesetzt hätten, hätte man zu diesem Zeitpunkt eigentlich zwangsläufig auf den Konsum von harten Drogen untersuchen müssen. Toter als die Karriere eines DSDS-Kandidaten schien der Dino zu diesem Zeitpunkt und hoffnungsloser als ein Einarmiger, der seinen Lebensunterhalt als Anklatscher verdient. Doch dann kam Bruno Labbadia. Und plötzlich gewinnt der HSV, schießt Tore durch Lasogga (!) und Kacar (!!) und steht für den Moment über dem Strich. Über seinen eigenen Einfluss wird der »schöne Bruno« vermutlich sagen: »Das wird doch alles von den Medien hochsterilisiert!« Wir hingegen sagen: Das kann man gar nicht hoch genug sterilisieren!

Rico Strieder & Lukas Görtler
Was haben Max Eberl, Mats Hummels und Uwe Tschiskale mit Rico Strieder und Lukas Görtler gemeinsam? Richtig: super Namen. Und, Stand heute, exakt ein Bundesligaspiel für den glorreichen SuperSuperSuper FC Bayern München. Man muss nicht Franz Beckenbauer heißen, um zu prophezeien, dass viel mehr Spiele nicht hinzu kommen werden. Denn im Gegensatz zu den all den wirklichen SuperSuperSuper-Talenten des Klubs, den Gaudinos, Scholls und Kurts, kamen die Namen Strieder und Görtler über den geneigten Bayern-Sympathisanten wie eine Ankündigung Tongas, den Mars zu bevölkern. Aber auch mit nur einem oder sehr wenigen Spielen für den SuperSuperSuper FC Bayern kann man schließlich Manager eines Traditionsvereins, Weltmeister oder Uwe Tschiskale werden. Bessere Gründe für die Berufung in die 11 des Spieltags gab es selten.

Timo Horn
Er hat die Gesichtszüge einer Domstatue. Und manchmal scheint es, als teile er auch deren Lebendigkeit. Er wirkt so unaufgeregt wie eine Tagschicht in den Ford-Werken von Köln-Niehl. Und ist für seinen Klub so lebensnotwendig wie das Kölsch für die Stadt. Dabei will Timo Horn so gar nicht in das Bild vom lustig-chaotischen »Eff-Zeh« passen. Und auch in Augsburg flog er wie selbstverständlich von einer Parade zur nächsten als müsse er an Karneval Prinz, Bauer und Jungfrau zugleich geben. Flog damit zum neunten 0:0 der Saison und zog seinen jüngst selbst aufgestellten Rekord damit nur noch straffer in die Ewigkeit. So sichert man sich einen Platz in den Geschichtsbüchern. Und ein Nachleben als Domstatue.

Davie Selke
Sein Wechsel nach Leipzig sorgte für mehr Aufregung als jeder mittelmäßige Abhörskandal. Und neben all den Argumenten und Einwänden stand immer auch die Frage im Raum, ob dieser 20 Jahre alte, 31 Bundesligaspiele junge Stürmer die acht Millionen Euro Ablöse überhaupt wert sei. Zumindest in dieser Hinsicht lässt sich das Rätsel des Selke-Wechsels nach diesem Wochenende ein Stück weit besser verstehen. Denn wie bereits in der vergangenen Woche bewies der U19-Europameister auch gegen Eintracht Frankfurt, dass er die Bälle wenn schon nicht magisch beherrscht, so doch zumindest anzieht, wie Justin Bieber kreischende Hirntote. Das Tor, ob durch Wange, Hintern oder Schlüsselbein erzielt, kommt dann von ganz allein. Und irgendwann, am Ende einer langen, erfolgreichen Karriere wird es über ihn heißen: Seine Tore waren nicht schön, aber selken.