Die 11 des Spieltags (30)

Tor des Monats in Gegenteil-Land

Nils Petersen
Wir wissen nicht, ob es in Gegenteil-Land so etwas wie das »Tor des Monats« gibt, aber mit seinem sensationellen, technisch hochwertigen Volley-Schlenzer in den eigenen Winkel hätte sich Bremens Nils Petersen sofort für die engere Auswahl beworben. Eine Ecke des Mainzers Johannes Geis hob der Bremer Stürmer gleichermaßen überrascht wie gefühlvoll zum 0:1 in den Knick. Ein Eigentor, das wahrscheinlich schöner war als alle Treffer, die Petersen bisher ins richtige Tor erzielt hat. Apropos: wäre mal wieder an der Zeit. 

Juan Arango
Dass Gladbachs Juan Arango einen linken Fuß hat, mit dem er innerhalb von Sekunden einen Rubic’s Cube lösen oder alte Schweizer Taschenuhren reparieren könnte, ist bekannt. Jetzt fängt der venezolanische Sahnefuß auch noch an, Tore mit dem Kopf zu erzielen, sehr zum Leidwesen der Stuttgarter, die nach Arangos spätem Tor zum 1:1 weiterhin bis zu den Lendle im Abstiegssumpf stecken. Bekanntermaßen kämpft Arango um einen neuen Vertrag. Wenn er nach der ohnehin vorhandenen Weltklasse-Technik nun auch noch anfängt, Kopfballtore zu erzielen, sollte man in Mönchengladbach darüber nachdenken, ihm vielleicht einfach ein neues Arbeitspapier zu geben. Aber vielleicht warten die Verantwortlichen noch auf Arangos ersten gewonnenen Defensiv-Zweikampf. 

Julian Brandt
Als wir siebzehn waren, hatten wir uns gerade so das Nasepopeln halbwegs ab- und das Essen mit geschlossenem Mund halbwegs angewöhnt. Julian Brandt ist mit seinen siebzehn Jahren derweil eines der vielen Next Big Things aus den Jugendakademien des Landes und mittlerweile der jüngste Bundesligatorschütze in der Leverkusener Vereinsgeschichte. Dass er sein zweites Saisontor mit einem wunderbaren Heber erzielte, ließ uns Heber-Aficionados natürlich noch beglückter zurück. Dem ein oder anderen Kollegen fiel sogar vor Freude der Zeigefinger aus dem Nasenloch. 

Christian Dingert
Als jemand, der mit einer ordentlichen TV-Sucht aufgewachsen ist, kennt man das ja selber: Irgendwo im Raum läuft ein Fernseher und man kann einfach nicht anders, als hinzugucken. Ähnlich ging es am Freitagabend wohl Schiri Dingert, der zunächst ein Tor von Schalkes Julian Draxler gegen Eintracht Frankfurt anerkannte, dann aber nach Rücksprache mit seinem Linienrichter den Treffer wieder zurücknahm. Stolze 63 Sekunden später, als beide Mannschaften bereits mit Jubeln bzw. Ärgern fertig waren und am Mittelkreis zum Anstoß bereitstanden. Gerüchteweise hat die Wiederholung auf dem Schalker Videowürfel die beiden Unparteischen zu einem Umdenken bewogen, was Dingert natürlich abstritt. Das dürfe man ja gar nicht, so der Unparteiische. Alles wie früher also, da durften wir ja auch nicht jeden Scheiß im Fernsehen gucken. Und haben es dann doch gemacht. 

Die Frankfurter Fans
In einer Zeit, in der Johannes B. Kerner öffentlich Kinderpuppen verbrennt und die Ultrakultur von Sandra Maischberger unwidersprochen mit den Taliban verglichen wird, muss man sehr aufpassen, die Fußballfans in den Kurven nicht aus Versehen mit einer Horde brandschatzender Wilder zu verwechseln, die sich Bier saufend und voller Hass durch die Spieltage prügelt. Dass in den Kurven ganz normale und sehr wohl mitfühlende und empathische Menschen stehen, und eben nicht eine Ansammlung stumpfer Randalettos, konnte man am Freitagabend im Spiel Schalke gegen Frankfurt sehen. Vor der Gästekurve brach ein Schalker Fahnenträger mit Herzinfarkt zusammen und musste minutenlang reanimiert werden. Die Frankfurter Anhänger reagierten äußerst sensibel auf den dramatischen Vorfall und stellten umgehend den Support ein, sukzessive folgte das gesamte Stadion. Als der Fahnenträger schließlich stabilisiert worden war und abtransportiert werden konnte, brandete gemeinsamer Applaus beider Fanszenen auf. Eine schöne Aktion, die Respekt verdient und die zeigt, dass es eben doch wichtigeres als Fußball gibt. Und vor allem, dass das den so oft gescholtenen Fans durchaus bewusst ist. 

Boris Vukcevic
Womit wir bei Boris Vukcevic wären, dessen schlimmer Autounfall vor etwa anderthalb Jahren mit das tragischste Ereignis der jüngeren Bundesligageschichte war. Nur knapp sprang Vukcevic damals dem Tod von der Schippe und lag sieben lange Wochen im Koma, nun saß er nach 562 Tagen erstmals wieder im Sinsheimer Stadion und sah sich das 2:0 seiner Hoffenheimer gegen Augsburg an. Ein wirklich schönes Ereignis, das uns von Herzen freut und das uns sogar großzügig auf den obligatorischen Hoffenheim-Witz verzichten lässt, der an dieser Stelle eigentlich kommen würde. Schön, dass du wieder da bist, Boris. 

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