Die 11 des Spieltags (3)

Uthen Freunden gibt man mal ein Küsschen

Ein Balljunge zieht den Bayern die Lederhosen aus, ein Freiburger spricht uns aus der Seele und der Eurosport-Player sabotiert den HSV. Sabotiert sowieso immer alles: Unsere 11 des Spieltags.

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Mark Uth
Markus Feldhoff, Grafite und jetzt also auch Mark Uth: Die Liste derer, die den Bayern mit vollem Karacho die Lederhosen auszogen, hat weniger mit Porno zu tun als erwartet und ist seit Samstag um den Namen des Hoffenheimer Stürmers reicher. Zweimal stach der junge Mann mit links, zweimal suchte und fand er sein Glück in der kurzen Ecke. Was wiederum den Rest der Liga glücklich machte, denn Uth und seine Mannschaft zeigten, dass die Bayern endlich wieder schlagbar sind. Endlich! ENDLICH!!! Und: uth so!

Umut, der Balljunge
Obwohl das größere Lob an den Balljungen Umut geht, von dem wir nur wissen, dass er Balljunge ist und Umut heißt. Aber das reicht uns, um ihn für den sowohl besten Balljungen als auch besten Umut aller Zeiten zu halten. Denn er, Umut, erzielte das 1:0 gegen die Bayern quasi selbst, und den Balljungen, der - abgesehen von ihm - den Bayern schon mal so direkt ans Bein gepinkelt hat, wollen wir sehen. Denn während Hummels verträumt durch die eigene Hälfte trabte, sorgte Umut dafür, dass die Hoffenheimer extrem fix einwerfen konnte. Und Hummels und all die anderen Super-Bayern, die vielleicht gar nicht so super sind, wie wir immer dachten, somit überrumpelten. Weswegen wir uns, wenn die Bayern am Ende dieser Saison zerstritten und abgeschlagen auf Platz acht eintrudeln, an Umut, den besten Balljungen aller Zeiten, erinnern sollten.

Alfred Finnbogason
Für Isländer ist spätestens seit der EM 2016 die Chance, in die Elf des Spieltags aufgenommen zu werden, größer als für viele andere Menschen der Welt. Und wenn wir uns deswegen den Vorwurf »verkappte Rassisten« gefallen lassen müssen, dann wandern wir eben aus. Und zwar nach Island, wo die Menschen schweigsam sind, aber loyal, wo Frauen blond, blauäugig und von kalter Schönheit, Männer rau und kantig wie das Leben selbst sind und wo Klischees noch als das gesehen werden, was sie sind: gelungene Einstiege in fremde Gespräche! Gespräche, zu denen es in Island nie kommt, weil die Menschen zu beschäftigt damit sind, zu schweigen. Und um uns bei all diesen tollen Menschen präventiv einzuschleimen, hätten uns für eine Nominierung in die Elf der Woche auch drei nicht komplett verunglückte Torabschlüsse von Augsburgs Mittelstürmer Alfred Finnbogason gereicht. Aber der Mann ging auf Nummer sicher, haute Köln drei Dinger rein, schoss Augsburg damit im Alleingang zum Sieg und sich an die Spitze der Torjägerliste. Was nach drei Spieltagen natürlich nicht viel bedeutet. Außer man ist Isländer. Weil dann ist das nämlich geil.

Martin Harniks Ferse
Es gibt Körperteile, derer wir Büro-Hoschis uns nur dann bewusst werden, wenn sie schmerzen. Der Kopf zum Beispiel oder die Ferse, von der wir ohne Sporn wohl nie erfahren würden. Und dann gibt es Menschen wie Hannovers Stürmer Martin Harnik, der mit seiner Ferse mehr Wolfsburger überrumpelt als der Diesel-Skandal, der also mit seiner Ferse ein Tor erzielt und seiner Mannschaft so einen wichtigen Punkt sichert. Im Kampf um die Meisterschaft. Groß.

Ex-Bundesligisten
Apropos Groß: Der ehemalige Ingolstädter schrieb am Wochenende Geschichte, weil er das erste Premier-League-Tor von Brighton & Hove Albion überhaupt erzielte. Danach traf er gleich nochmal.  Und auch eine illustre Ansammlung anderer Ex-Bundesligaspieler hatte Schaum vorm Mund. Choupo-Moting? Doppelpack für Stoke gegen Manchester United. Leroy Sané? Doppelpack für Manchester City gegen Liverpool. Pierre-Michel Lasogga? Doppelpack, Assist und herausgeholter Elfmeter für Leeds gegen irgendeine andere englische Truppe. Wobei wir, wenn wir ehrlich sind, zugeben müssen: Wir hatten von Pierre-Michel Lasogga nichts anderes erwartet.