Die 11 des Spieltags (3)

Kagawahnsinn

Shinji Kagawa heißt sich selber willkommen zurück, Tin Jedvaj und André Hahn fachsimpeln über Gewaltschuss-Lattentore, und in Frankfurt fällt leider das Funkgerät aus. Eh immer im Funkloch - unsere 11 des Spieltags.

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Shinji Kagawa
Mitunter verläuft die Bundesliga derart seifenoperhaft, dass man selbst am Set der Lindenstraße skeptisch die Augenbrauen heben würde. So etwa im Falle von Shinji Kagawa. Der Japaner war einst der Dortmunder liebster Zauberfuß, ging dann aber in die große weite Fußballwelt, um dort zu verkacken und nun als verlorener Sohn zurückzukommen. Und natürlich prompt im ersten Einsatz ein Tor zu erzielen– ein Moment, in dem man das kollektive Aufstellen der Dortmunder Armhaare wahrscheinlich noch in Wuppertal gehört hat. Wir gratulieren Kagawa in jedem Falle und heißen ihn herzlich willkommen zurück in der Bundesliga. Und gehen jetzt erstmal eine Bewerbung schreiben, als Drehbuchautor bei der DFL.

Tin Jedvaj
Leverkusens Verteidiger-Bubi Tin Jedvaj sieht eigentlich eher aus wie einer, der brav seine Hausaufgaben macht und dann gerne eine Runde Pokémon spielt, wenn es die Zeit zwischen Konfirmandenunterricht und Geigenstunde noch zulässt. Dachten wir zumindest. Nachdem Jedvaj aber im Spiel gegen Bremen einen Ball so derart humorlos unter die Latte geprügelt hat, dass wir geneigt waren, spontan eine Stiftung für missbrauchte Fußbälle zu gründen, revidieren wir unsere Meinung und verziehen uns kleinlaut mit unseren Pokémon-Karten in den Redaktions-Aufenthaltsraum. Eigentlich bräuchten wir noch einen Mitspieler, aber Jedvaj jetzt anrufen, trauen wir uns nicht mehr.

Hakan Calhanoglu
Leverkusens Hakan Calhanoglu verfügt über eine derart feine Technik, wahrscheinlich könnte er sich mit dem Außenrist auch die Schuhe schnüren, wenn das physikalisch irgendwie möglich wäre. Wieder einmal unter Beweis stellte Calhanoglu sein Ausnahmekönnen im Spiel gegen Bremen, als er einen Freistoß über die Mauer ins Netz hob, der so sexy war, dass der »Playboy« bereits angefragt hat, ob ein Shooting mit dem Freistoßtor möglich wäre. Und ganz klar: Wir würden die Ausgabe kaufen.

Der Pfosten
Mit »Pfosten« ist hier nicht irgendein »Sky«-Experte gemeint, sondern tatsächlich der Pfosten, bzw. sogar beide Pfosten samt Latte im rechten Tor des Leverkusener Stadions, die gemeinsam dafür sorgten, dass Leverkusen nicht bereits zur Pause mit knapp 25:0 führte. Immer und immer wieder klatschte der Ball ans Aluminium des Bremer Tores, noch mehr beansprucht wird eine Latte nicht einmal an einem langen Tag am Set von Magma Productions. Am Ende kam es dann, wie es kommen musste: Bremen holte noch einen Punkt, der »kicker« wählte den Pfosten zum »Man of the Match« und Manager Eichin versuchte noch direkt nach der Partie, den Pfosten von einem Wechsel nach Bremen zu überzeugen. Die Verhandlungen laufen allerdings noch.

Oliver Sorg
Das vielleicht traurigste Tor in der Geschichte der Kullerbälle und Rohrkrepierer schoss am Wochenende Freiburgs Oliver Sorg. Bzw. »schoss«, denn einen Schuss kann man seinen Kullerball zum 1:3 nun wirklich nicht nennen. Tatsächlich rollte die Kugel so langsam aufs Tor, dass man geneigt war, einen Rollator aufs Feld zu geben. Wäre der Ball noch langsamer gewesen, hätte die Sportschau es nicht zeigen können, weil eine Zeitlupe davon die Hälfte der Sendezeit gefressen hätte. Aber wie geht die gute alte Bolzplatzbinse: Wer trifft, hat Recht. Zumal es Freiburgs erstes Saisontor war und die Tore ab jetzt, garantiert, schöner werden.