Die 11 des Spieltags (28)

Auf der Hunt

Der HSV suhlt sich im Siegesglück, Max Meyer wärmt alte Liebe wieder auf. Und wir haben Angst, dass uns Raphael Guerreiro per Dropkick entzweibricht. Unsere 11 des Spieltags. 

imago

Max Meyer
Max Meyer und seine Traumpässe. Im Sprech von hippen Hobby-Soziologen und Teenie-Portalen würde das Ende dieser einst innigen Beziehung »Ghosting« heißen: Auf einmal waren sie weg, die Augenorgasmus-Zuspiele. Ohne einen Abschied. Ohne eine verdammte WhatsApp-Nachricht. Max Meyer flirtete als Trotzreaktion die letzten Monate sehr offensiv mit »unnützen Dribblings im Halbfeld«. Und dann, einfach so, kam seine Verflossene gegen Wolfsburg doch wieder um die Ecke. Erst vor dem 1:0 durch Burgstaller, das Meyer mit dem akribischen Blick eines Stellwerkleiters vorbereitete. Und dann gleich noch mal vor dem 2:0, als er Choupo-Motings Laufweg besser zu kennen schien als Choupo selbst. Lieber Max, Du bist zwar erst 21 Jahre alt, aber mit diesen Zuckerpässen kannst Du gerne sesshaft werden. 

Raphael Guerreiro

Da verlieren die Bayern unter der Woche gegen Hoffenheim, der Funke der Hoffnung auf einen Sieg wird beim BVB wieder zu einem kleinen Feuer, der mit seiner Mannschaft motiviert in das Fantasieschloss namens »Allianz Arena« reist . Und kassiert in den ersten zehn Minuten direkt mal zwei Dinger. Der Samstag von Raphael Guerreiro war also eher so mäßig geil. Richtig freuen konnte der Portugiese sich deswegen auch nicht, als er in der 20. Minute auf 1:2 verkürzte. Mit einem Strahl in den Knick, der Roberto Carlos Freudentränen in die Augen treiben würde. Dessen Windzug Manuel Neuer wahrscheinlich im Vorbeirauschen eine Mittelohrentzündung beschert hat. Guerreiro allerdings hatte nicht einmal ein müdes Lächeln für seinen Treffer übrig, sondern nur eine Motivationsgeste für seine Teamkameraden. Hat bekanntlich nichts gebracht.

Markus Suttner
Spiele vom Wochenende, die noch weniger attraktiv klingen als Darmstadt gegen Ingolstadt: FK Kapaz gegen Neftci Baku, FH Hafnarfjördur gegen ÍB Vestmannaeyjar, Ludogorez Rasgrad gegen Dunav Ruse. Dass sich das Abstiegsduell als gut ansehbar entpuppte, lag auch an überraschend intelligent aufspielenden Ingolstädtern. Mittendrin: Markus Suttner, 29, Linksverteidiger und neuerdings Freistoßmaschine. So auch gegen Darmstadt. Als er in der 72. Minute die Kugel aus gut 16 Metern ganz lässig zum 3:2-Siegtor in den Darmstädter Kasten zirkelt. Suttners viertes Saisontor und gleichzeitig sein viertes Freistoßtor. Und wir fragen uns, wo er die ganzen Jahre diesen Innenrist versteckt hat. In seiner Gartenlaube? Im Hinterzimmer eines verrauchten Beisl? Oder in der Sporttasche von Matthew Leckie?

Nicolai Müllers Sohn Etienne

Die Vorteile eines Innenbandrisses: Man hat endlich Zeit für die Familie. Doch was macht Nicolai Müller mit seinem Sohn den ganzen Tag? Die Antwort: Shoppen. Den lässigen Blick trainieren. Zum Friseur gehen. So zumindest unser Tipp beim Anblick des dreijährigen Etienne auf der Tribüne. Der Stehkragen seiner braunen Lederjacke schreit förmlich nach »zu teuer, für ein Kleidungsstück, aus dem man rauswachsen kann« . Die Seiten seines kleinen Schädels hat er kahl rasiert, oben trägt er dicke lange Matte, stylisch hochgegelt und frisiert. Undercut kennt kein Alter. Und alle Muttis aus Berlin-Mitte schmelzen dahin.