Die 11 des Spieltags (28)

Streitgenossen

Warum sich gute Freunde ein Kopfnüsschen geben, Jogi Löw in Köln gewinnt und Christian Streich Eingang in die Weltliteratur findet.

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Patrick Herrmann
Schon in der vergangenen Woche schaffte es Patrick Herrmann in die Elf des Spieltags. Da ließ er die Hoffenheimer Elf so alt aussehen, dass man meinen konnte, sie wäre bei der »Gründung« der TSG anno 1899 vollzählig anwesend gewesen. Und auch an diesem Wochenende erklärte Herrmann die Regelung der Dinge zur Chefsache. Gegen den BVB stand er am Anfang des 28-Sekunden-Führungstreffers und verantwortete abgerundete 99 Prozent des vorentscheidenden 2:0. Laserte dabei ein Solo in den Rasen, dass man sich in Mönchengladbach schon nicht mehr erinnern konnte, an wen einen das noch gleich erinnerte. »So ein schmaler rot-blonder. Hat sich immer zum Training chauffieren lassen. Na, wie hieß der gleich noch?« Egal, rufen die Jünger von »PH7« und sogleich eine Zeitenwende aus: »Lichtgeschwindigkeit wird ab heute in Herrmann gemessen!«

Valentin Stocker
Er kam über die Bundesliga wie eine Steuersünder-CD — nach einigem Hin und Her, nicht gerade umsonst und niemand wusste zunächst so richtig, was nun anfangen mit dem Schweizer Mittelfeldspieler vom FC Basel. Jos Luhukay, der alte Stratege, verschob ihn zwischen Reserve, Bank und Tribüne. Als wäre Königstransfer Stocker nichts als eine Schachfigur, die nur Rochade kann. Erst Nachfolger Pal Dardai verschaffte Stocker neue Freiheiten und der blühte prompt auf wie Omas Maiglöckchen. Und nachdem er sich anfangs auf Vorlagen zu spezialisieren schien, trifft er jetzt auch noch. Und wie! Sein Ausgleichstreffer gegen Hannover: Ein Tor wie ein Roundhouse-Kick, anspruchs- und wirkungsvoll zugleich. Ein Schuss wie in den Erzählungen von Wilhelm Tell. Wie eine Steuersünder-CD, die zwischen all den Daten einen guten Punk-Song versteckt hat. 

Pepe Reina
Was haben es die Bayern schwer in diesen Tagen. Der Vorsprung auf Wolfsburg ist auf schlanke zehn Punkte eingeschmolzen, das Pokalviertelfinale mia-san-miate sich nur durch Elfmeterschiessen in Richtung Glück und die Verletztenliste erst. Länger als die Inventarliste eines Messi-Haushalts. Gegen Eintracht Frankfurt reichte es nun nicht einmal mehr, die Ersatzbank voll zu bekommen. Auf der überraschend auch Manuel Neuer Platz nahm. Angesichts der »schwierigsten Phase, seit ich bei den Bayern bin« (O-Ton einer Toilettenfrau in der Allianz-Arena), schien Pep Guardiola auf Nummer sicher gehen zu wollen. Schließlich hatten die Bayern noch nie gegen Frankfurt verloren, wenn sie einen spanischen Torhüter zwischen ihren Pfosten wussten (0 Spiele, 0 Niederlagen). Und so lief also Pepe Reina auf, hielt seinen Kasten sauber und die beeindruckende Serie spanischer Bayern-Torhüter gegen Frankfurt am Leben (1 Spiel, 1 Sieg). Pep Guardiola fand es »supersupersuper«. Also gar nicht mal so gut.

Kevin Trapp
Auf der Gegenseite machte Thomas Schaaf den Adenauer und keine Experimente. Er vertraute wie gewohnt auf Kevin Trapp. Und der sorgte fast im Alleingang dafür, dass die Bayern das Krisen-Gerede wohl so schnell nicht loswerden. Nur 3:0 gegen Eintracht Frankfurt! Mit gefühlt 17 Armen und mindestens aber sieben Beinen hielt Trapp besser als ein Flutwall in der Sahara. Und die Stimmung seiner Mannschaft auf Normal-Null. Man habe alles gegeben, die Bayern seien eben besser und überhaupt, null drei, das könne doch mal passieren, sprachen Seferovic und Co. nach dem Spiel und sorgten dafür, dass Kevin Trapp den Sonntag in der Reha-Abteilung verbrachte. Entgegen erster Vermutungen nicht etwa, weil er so viele Bälle abbekommen hatte in München, sondern wegen des Kopfschüttelns über die zahnlosen Aussagen seine Kollegen.

Die Auswechseltafel des VfB Stuttgart
Zwei VfB-Heimsiege in Folge waren in dieser Saison bisher so häufig wie eine Antwort von And.Y bei einem Gruppeninterview der Fantastischen Vier. Und wie mit And.Y bei den »Fanta4« ist es auch beim VfB ein ausnehmend stiller Held, der den Laden auf Kurs hält — die Auswechseltafel. Im Spiel gegen Eintracht Frankfurt vor zwei Wochen schien sie bereits Alexandru Maxims Rückennummer 44 in den Stuttgarter Himmel, da dieser sich seiner Kernkompetenz besann und dem Spiel mit zwei Torvorlagen eine Wendung schenkte. Und auch gegen Werder Bremen war auf die Auswechseltafel Verlass. Nachdem Martin Harnik innerhalb von 52 Sekunden zwei Chancen biblischen Ausmaßes versiebt hatte, schritt die Auswechseltafel zur Tat. Mit Erfolg. Kaum war Harniks Rückennummer sieben für den avisierten Wechseln einprogrammiert, vernaschte der Österreicher Bremens Torwart Wolf und flankte punktgenau auf den Torschützen Daniel Ginczek. Schon machen Gerüchte die Runde, die Auswechseltafel stehe vor einem Wechsel zum HSV und habe sich in der Hansestadt bereits Wohnungen angeschaut.   

1. FC Köln/Jogi Löw
Der »Eff-Zeh« kann nur auswärts, hat ein Sturmproblem und die Stimmung im Stadion gleicht wegen des Zuschauerausschlusses und ohne Ultras einer Trauerandacht im Dom. Soweit die Vorurteile gegenüber den Kölnern vor dem 28. Spieltag. Doch dann kam das Heimspiel gegen Hoffenheim und alles anders. Denn die Kölner zündeten ein Feuerwerk, gegen dass sich das alljährliche »Rhein in Flammen« ausnimmt wie eine nasse Wunderkerze. Chancen im Minutentakt, drei eigene Tore und eine Stimmung wie bei der Auferstehung von Willy Millowitsch. Und weil an diesem Tag einfach alles gelingen wollte, schickte das Spiel ganz nebenbei noch einen Gruß in Richtung der letzten verbliebenen Kritiker unseres Bundes-Jogis. Schickte dessen wundersame Entdeckung Jonas Hector auf die Reise seines Lebens, auf die Reise durch die gesamte Hoffenheimer Hälfte und zum 3:1. Ein Ereignis, so wahrscheinlich wie ein »Helau« im Kölner Karneval und doch wahr. Oder um es in Kölsch zu sagen: »Et bliev nix wie et wor.«