Die 11 des Spieltags (23)

Ein Baum wird wütend

Arjen Robben
Dass Arjen Robben abgebrühter ist als perfekt zum Häuten vorbereitete Tomaten, wussten wir schon vor dem vergangenen Samstag. Schön, dass er es trotzdem mal wieder bewiesen hat. Denn nachdem er zunächst den Ausgleich von Sandro Wagner mit dem rechten Fuß vorbereitet hatte — von dem wir bis dahin immer dachten, sein einziger Zweck bestünde darin, den linken Fuß in ballbesitzlosen Phasen vor Langeweile zu bewahren — holte er in der Nachspielzeit tatsächlich noch den siegbringenden Elfmeter raus. Mit einer Kombination aus Dynamik, Selbstbewusstsein und Theatralik, die so wohl nur der Holländer auf den Platz bekommt. Und das alles, obwohl er zuvor einen Elfmeter verschossen hatte. Weswegen sich dann auch lieber…

… Robert Lewandowski
beim zweiten Versuch den Ball schnappte. Und den Elfmeter natürlich verwandelte. Weil Robert Lewandowski, und in dem Punkt ist die Tormaschine einer echten Maschine schon recht ähnlich, keine Nerven zu haben scheint. Der Pole traf den 17. Elfmeter in Folge, was zuvor noch nie einem Feldspieler in der Bundesliga gelungen war. Was bemerkenswert ist, da er damit genauso viele Elfmeter am Stück getroffen hat, wie Sigmar Gabriel im Januar 2017 diskreditierende Interviews zum Thema »Martin Schulz« gegeben hatte. Und das alles ohne ein einziges Haar im Gesicht.

Douglas Santos

Es gibt sicher Jobs, die mehr Spaß machen, als beim HSV in der Abwehr zu spielen. Gut, wenn man trotzdem die Lockerheit nicht verliert. So wie Douglas Santos, der stattdessen lieber den Ball verlor. Im eigenen Strafraum. In einem überlebenswichtigen Spiel. Gegen den derzeit gefährlichsten Spieler der Liga. Der so zur Führung treffen konnte und den HSV ein gutes Stück näher Richtung Zweite Liga schoss. Doch wer Douglas Santos deswegen zum Sündenbock machen will, sollte bei der Szene mal auf Kyriakos Papadopoulos achten. Der bleibt nämlich einfach stehen, statt zumindest zu versuchen, den Fehler seines Kumpanen auszubügeln. Was uns in dieser Sache unbedingt zu Douglas Santos halten lässt. Der im Gegensatz zu Papadopoulos wenigstens ein lockerer Typ zu sein scheint.

Manuel Baum
Dinge, die Trainer machen können, damit wir sie auf sympathische Weise spektakulär finden:

- höhnisch Schiedsrichter-Pfiffe beklatschen, die objektiv betrachtet vollkommen richtig waren
- dem Schiedsrichter nach dem Spiel mit Triebtäter-Gesichtsausdruck zwar die Hand schütteln, aber dabei eine Reihe von unflätigen Worten im Kopf runterbeten
- vom Schiedsrichter auf die Tribüne verbannt werden, weil man die unflätigen Worte schon während des Spiels nicht mehr im eigenen Kopf behalten kann
- ab da eine Privatfehde mit dem Schiedsrichter am Laufen haben.
Mit anderen Worten: Manuel Baum ist uns am Sonntag ein gutes Stück sympathischer geworden.

Breel Embolo

Das ganze Schlamassel mit dem Videobeweis geht uns nicht erst seit diesem Wochenende gehörig auf den Zeiger. Wie es erst sein muss, wenn einem als Spieler von irgendeinem Besserwisser aus einem fensterlosen Kabuff voller Computer der größtmögliche persönliche Erfolg, das eigene Tor, aberkannt wird, können wir nur erahnen. Wir vermuten aber: Für Breel Embolo, zuletzt ohnehin nicht als Gewinnertyp in Erscheinung getreten, war es am Samstag gegen Hoffenheim ätzend. Und trotzdem ließ er sich nicht hängen, ackerte weiter und traf einfach nochmal, diesmal so, dass es zählte. Weswegen der 11FREUNDE-#ComebackStronger-#MondayMotivation-Schwachsinns-Award in dieser Woche an den Schweizer geht.

Claudio Pizarro
Claudio Pizarro hat eigentlich jede Woche jeden Award verdient, den es gibt. Zumal er am Samstag ja quasi das Siegtor für Köln in der 94. Minute per Hechtkopfball erzielt hatte, und somit bewies, dass da noch immer Saft im Tank ist. Dass das Tor aus einer Abseitsstellung von Risse resultierte und deswegen schlussendlich nicht zählte? Sehr schade. Aber irgendwie auch in Ordnung, weil die Aktion auf uns nun so wirkt wie eine Prophezeiung, wie das gute Omen dafür, dass am Ende für Köln und für Pizarro und überhaupt doch noch alles gut wird. Weil er dann eben am 34. Spieltag in der 99. Minute per Hechtrollen-Flugkopfball treffen wird. Zum Klassenerhalt. Mindestens.