Die 11 des Spieltags (22)

Donnerhitzchen

Marwin Hitz macht den Lehmann bzw. Rost, André Breitenreiter freut sich über ein »tolles Erlebnis« und Martin Schmidt lebt unseren Traum. Lebt wieder seinen eigenen Alptraum: unsere 11 des Spieltags

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Marwin Hitz
Tore von Torhütern aus dem Spiel heraus sind in etwa so selten wie Lachkrämpfe im Hause Sammer. Umso schöner ist es dann, wenn es doch mal passiert. Wie etwa am Samstag, als sich Augsburgs Keeper Marwin Hitz mit seinem Treffer zum 2:2 in der sage und schreibe 94. Minute gegen Leverkusen in sämtliche noch zu produzierende Jahresrückblicke bombte. »Eine Flasche Wein mit seiner Frau« wolle der Schweizer zur Feier des Tages aufmachen, sagte er im »Sportschau«-Interview. Wir wollen stark hoffen, dass das die Augsburger Chiffre für »Heute gehen wir mit der ganzen Truppe steil bis in die Puppen, Papa hat ein Tor geschossen und zahlt die Zeche« ist.

Die Stuttgarter Fans
Stuttgart-Fan zu sein bedeutet derzeit ein solches Maß an Masochismus, dass die Autorin von »50 Shades of Grey« angekündigt hat, die Fortsetzung des Romans in der Cannstatter Kurve spielen zu lassen. Umso mehr überrascht die Reaktion der Fans nach der neuerlichen Pleite gegen den BVB am Freitag, als die Anhänger nach Abpfiff eben nicht mit Mistgabeln und Fackeln auf den Platz marschierten, sondern den Spielern in der Kurve Mut zusprachen. Es muss ja nicht immer der Maleranzug samt Sturmhaube sein. Ob das Mutmachen hilft, wird sich dann am Samstag zeigen, wenn der VfB in Hannover antritt. Gerüchten zufolge hat der »BDSM-Klub Hannover an der Leine« (haha) bereits eine Loge im 96-Stadion gemietet.

Holger Badstuber
Mittlerweile war Holger Badstuber derart oft verletzt, dass im Falle eines Falles wohl selbst Gunther von Hagens abwinken würde, mit dem Kommentar: »Nee komm, lass mal, lohnt nicht«. Umso erstaunlicher ist es deshalb, dass selbst eine Krankenakte, die Mehmet Scholl betroffen den Kopf schütteln lassen würde, Badstubers Leistungen in keiner Weise beeinträchtigen zu scheinen. So ist der eben wiedergenesene Badstuber sofort wieder Stammspieler bei den Bayern und dazu noch mit herausragenden Werten. Eigentlich hatte Pep Guardiola ja vor, anstatt eines Verteidigers den Physiotherapeuten in die Innenverteidigung zu stellen, damit Manuel Neuer die beschäftigungslose Zeit in Paderborn wenigstens sinnvoll mit einer Massage nutzen kann. An einem Badstuber in dieser Form kommt Guardiola aber einfach nicht vorbei.

Mitchell Weiser
Betroffenheit machte sich breit, als Bayern Münchens Mitchell Weiser der Welt per Instagram unlängst seinen erschreckend undurchtrainierten und nur von einem Tanga verhüllten Körper präsentierte. Plötzlich standen Fragen im Raum, die nie jemand gestellt hatte: Was machen Fußballer gegen Orangenhaut und Schwangerschaftsstreifen? Warum rasiert sich Weiser nicht die Schultern? Und kann man mit einer solchen Wampe überhaupt professionell Fußball spielen? Die Antwort gab Weiser am Samstag auf dem Platz, als er mit einem wunderschönen Heber gegen Paderborn sein erstes Bundesligator schoss. Schade nur, dass wir die anschließende Jubelbotschaft nicht lesen konnten, Weiser hatte sie auf seinen Tanga geschrieben.


Marc Torrejon
Marc Torrejon ist ein Spieler nach unserem Geschmack: Graue Schläfen, Gesichtsausdruck wie eine schlecht gelaunte Planierraupe und ein haudegiger Verteidigerkörper, den Freiburgs Masseur wahrscheinlich mit einem Presslufthammer bearbeiten muss, um überhaupt irgendeinen Effekt zu erzielen. Im Spiel gegen Hoffenheim bestätigte Torrejon nun das Klischee vom grobschlächtigen Abwehrmann alter Schule, als er Elyounoussi derart aus den Schuhen kloppte, dass die Holzfäller im umliegenden Schwarzwald für eine Schweigeminute ihre Äxte zur Seite legten. Torrejon muss nun erstmal ein paar Wochen zusehen, Zeit, die er nutzen will, endlich seine eigene Sensen-Linie auf dem Markt zu bringen.

Joao Pereira
Ebenfalls ein Großmeister der Grätschkunst: Hannovers Joao Pereira. Als wir in der Sportschau sahen, mit welcher Verve Pereira seinen Kölner Gegenspieler Jonas Hector erst per Sense in Richtung Eckfahne jagte, um ihn dort per Grätsche zu erlegen, warfen wir voller Entzückung unsere Jägerhüte in die Luft und bliesen auf einer leeren Bierflasche fröhlich zum Halali. Bereits zuvor hatte Pereira derart um Gelb gebettelt, dass es nicht verwundert hätte, wenn er einen Hut hervorgeholt und sich damit an einen belebten Ort des Spiels zu setzen. Nach der Sense gegen Hector war es dann soweit. Ob nun Hectors Sprunggelenk als Jagdtrophäe an der Wand von Perreiras Wohnzimmer hängt und er Pfeife rauchend in einem Ohrensessel darunter sitzt, wissen wir aber leider nicht. Wir gehen aber mal davon aus.