Die 11 des Spieltags (21)

Obraniak baslert

Leon Goretzka
Durch allerfeinste Sahnetechnik fiel im samstäglichen Abendspiel übrigens Schalkes Leon Goretzka auf. Der Mittelfeldspieler, der sich mit Hoffenheims Niklas Süle noch um den Titel des wandschrankhaftesten Nachwuchskicker der Liga streitet, setzte im Spiel gegen Leverkusen einen butterweichen Höhepunkt, als er allein auf Keeper Bernd Leno zulief und die Murmel so federleicht ins Eck lupfte, dass es wirkte, als schwebe der Ball ins Netzt. Ein Lupfer, so gefühlvoll, dass Pur angekündigt haben, ein Konzeptalbum über dieses Tor aufzunehmen. Erschreckend.

Robin Knoche
Was Robin Knoche in seiner Freizeit macht, wissen wir leider nicht, aber wir gehen davon aus, dass er gern Dorsche angeln geht und vielleicht auf Wolfsburger Baustellen baufällige Häuserwände mit Stirnstößen einschlägt. Vielleicht hat er aber auch keine Freizeit, weil er sämtliche Zeit abseits der Trainings und Spiele am Kopfballpendel verbringt. Das könnte man zumindest vermuten, wenn man Knoches hrubeschigen Gewalt-Kopfball zum 1:1 gegen die Hertha am Sonntag ansieht. Nach einer Ecke stieg Wolfsburgs Innenverteidiger schulbuchartig in die Luft und wemmste den Ball mit der Geschwindigkeit einer F-16 in die Maschen. Und irgendwo in Hamburg rieb sich ein bekannter DFB-Jugendtrainer eine Träne der Rührung aus dem Augenwinkel.

Xherdan Shaqiri
Über die Bayern muss man derzeit eigentlich nichts mehr schreiben. Haben den besten Kader, den bestgekleidetsten Trainer, den wütendsten Sportdirektor und durch den Allianz-Deal mittlerweile so viel Geld auf der Bank, dass nicht mal mehr Uli Hoeneß es verstecken könnte. Außerdem haben sie Leute wie die laufende Biedermeieranrichte Xherdan Shaquiri in der zweiten Kaderreihe, der ganz alleine in der Lage scheint, ein mittelmäßiges Bundesligateam wie Freiburg auseinanderzupflücken. So geschehen am Samstag, als der Schweizer gegen den SCF zwei Tore schoss. Und wieder einmal wurde deutlich: Gegen diese Bayern wird man in dieser Saison nichts mehr ausrichten können.

Assani Lukimya
Was genau in Assani Lukimyas Kopf vorging, als er seinen Katastrophenpass in die Beine von Gladbachs Rafael spielte, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Wahrscheinlich ging er in Gedanken gerade seine Einkaufsliste durch oder musste an einen lustigen Witz denken, den er mal gehört hat oder ähnliches. In jedem Fall war Bremens Innenverteidiger mit dem Körperbau einer Litfasssäule nicht so richtig bei der Sache und spielte den desaströsesten Fehlpass des Wochenendes, Bremen lag plötzlich 0:1 hinten und Lukimya wurde kurze Zeit später unter mitleidigen Blicken von Robin Dutt vom Feld geholt. Bitter. Dass Lukimyas Fehlpass am Ende dann aber doch nicht ganz so bitter war, lag vor allem an…

Ludovic Obraniak,
den wir an dieser Stelle herzlich in der Bundesliga willkommen heißen möchten. In der 88. Minute hob Obraniak einen Freistoß zuckersüß über die Mauer in den Winkel und sorgte so für einen bereits verloren geglaubten Punkt gegen Gladbach und Partystimmung im Weserstadion. Der Mann scheint zu wissen, was die Leute von einem erwarten, wenn man in Bremen die Basler-Nummer auf dem Rücken trägt. Wenn er nach seinem Treffer auch noch eine Ecke direkt reingewemmst, im anschließenden Interview ein Weißbier getrunken oder einen Streit mit Werner Lorant angezettelt hätte, er hätte uns als seine größten Fans sicher gehabt.